Daten als Handlungsgrundlage: Der Weg der SAP zu wirkungsvolleren Nachhaltigkeitsmaßnahmen

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Stellen Sie sich vor, Sie machen sich auf zu einer Wanderung in den Bergen. Ihr Ziel ist klar: Sie möchten den Gipfel erklimmen. Ohne Wanderkarte laufen Sie jedoch Gefahr, nicht die optimale Route zu nehmen. Ähnlich verhält es sich mit der Nachhaltigkeit von Unternehmen.

Auch hier ist das Ziel der SAP klar: Durch wirkungsvollere Nachhaltigkeitsmaßnahmen möchten wir die Abläufe der weltweiten Wirtschaft und das Leben von Menschen verbessern. Die Frage lautet: Wie finden wir uns in diesem anspruchsvollen Terrain zurecht, ohne vom Weg abzukommen?

Schaffen Sie ein regelkonformes, nachhaltigeres und widerstandsfähigeres Unternehmen und stellen Sie Nachhaltigkeit mit KI-gestützten Lösungen in den Mittelpunkt Ihrer Geschäftstätigkeit.

Die Herausforderung: Handlungsrelevante Erkenntnisse aus Nachhaltigkeitskennzahlen ableiten

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele Unternehmen stehen jedoch noch immer vor der grundlegenden Herausforderung, aus komplexen Daten zu ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Leistung Erkenntnisse abzuleiten, mit denen sie strategische Veränderungen vorantreiben können.

Nachhaltigkeitskennzahlen wie „0,15 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter“ oder „fünf Liter Wasserverbrauch“ sind zwar wissenschaftlich korrekt, lassen sich aber nur schwer interpretieren. Dies gilt insbesondere für Entscheidungsträger, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit weniger gut auskennen. So wie Wanderer auf ein zuverlässiges Navigationssystem angewiesen sind, ist für Unternehmen eine einheitliche Sprache wichtig, mit der sie unterschiedliche Nachhaltigkeitskennzahlen in vergleichbare, handlungsrelevante Erkenntnisse übersetzen können.

Hier kommt Impact Measurement and Valuation (IMV) ins Spiel, eine Methode zur Messung und Bewertung der Auswirkungen von Geschäftstätigkeiten.

Der Ansatz: Wie die Wirkungsmessung und -bewertung komplexe Daten in geschäftsrelevante Erkenntnisse umwandelt

Der IMV-Ansatz der SAP umfasst drei Schritte.

Erster Schritt: Festlegen einer für alle verständlichen Sprache, um gesellschaftlichen Auswirkungen einen monetären Wert zuzuweisen

Das IMV-Framework quantifiziert die Kosten und den Nutzen von Geschäftsaktivitäten für die Gesellschaft und die Umwelt. Grundlage dafür bilden die ESG-Daten (Umwelt, Gesellschaft und Governance), die viele Unternehmen bereits in ihren Berichten offenlegen. Diese werden in eine monetäre Messgröße (z. B. Euro oder US-Dollar) umgerechnet.

Auf die Wanderung in den Bergen übertragen bedeutet dies, anstelle von vagen Wegbeschreibungen präzise GPS-Koordinaten zu verwenden, die für alle verständlich sind. Wenn Nachhaltigkeitskennzahlen in einer gemeinsamen Einheit dargestellt werden, können Unternehmen klar erkennen, wo sie stehen, Zielkonflikte zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen bewerten und ihre Ergebnisse auf dieselbe Weise wie finanzielle Auswirkungen mit anderen Unternehmen vergleichen.

Beispielsweise kann den Umweltauswirkungen von Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) ein monetärer Wert zugewiesen werden, indem die ausgewiesenen Emissionen eines Unternehmens mit der Social Cost of Carbon (den Folgekosten von Treibhausgasemissionen für die Gesellschaft) multipliziert werden. Diese betrug im Jahr 2025 244 US-Dollar pro metrischer Tonne CO₂e. Aus abstrakten Daten werden dadurch klare, aussagekräftige Signale, sodass Unternehmen die Auswirkungen über verschiedene ESG- und Finanzkennzahlen hinweg vergleichen können. Diese Klarheit ermöglicht es Unternehmen, gezielt die Nachhaltigkeitsinitiativen mit der größten Wirkkraft voranzutreiben – also die Initiativen, die den größten Beitrag zur Umsetzung der THG-Emissionsreduktionsziele leisten und zugleich eine Bewertung des finanziellen und nachhaltigkeitsbezogenen Return on Investment ermöglichen.

Zweiter Schritt: Bestimmung der relativen Position, um die eigene Leistung mit der anderer Unternehmen zu vergleichen

Wenn Sie Ihre genaue Position kennen, benötigen Sie einen Bezugspunkt, um Ihre Leistung im Vergleich zu anderen Unternehmen analysieren zu können – ähnlich wie beim Trailrunning, bei dem die Läufer es nicht nur bis zum Gipfel schaffen, sondern auch ihre Leistung entlang der Strecke analysieren möchten. Ihr GPS zeigt ihnen, wo sie sich befinden, doch um ihre Leistung steigern zu können, müssen sie ihre Daten mit denen der anderen Läufer vergleichen.

Impact-Benchmarks ergänzen die Wirkungsmessung und -bewertung, indem sie Referenzwerte bereitstellen, die Aufschluss über die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens im Vergleich zu anderen Unternehmen in der Branche geben. Anhand dieser Benchmarks können Unternehmen ihre Leistung analysieren und feststellen, ob sie besser oder schlechter als andere Unternehmen abschneiden oder mit diesen gleichauf liegen. Auf dieser Grundlage können sie Entscheidungen treffen, um durch weitere Verbesserungen größtmögliche positive Auswirkungen zu erzielen.

Dritter Schritt: Ermitteln von Hotspots mit Blick auf maximale Wirkkraft

Die globale Nachhaltigkeitsagenda erfordert ein umgehendes und gezieltes Handeln. Durch die Kombination von IMV und Impact-Benchmarks lassen sich datengestützte Erkenntnisse gewinnen, die aufzeigen, in welchen Bereichen ein Unternehmen am besten darauf hinwirken kann, positive Auswirkungen zu verstärken und negative Auswirkungen zu mindern.

Diese Erkenntnisse haben der SAP beispielsweise bei ihrer Bewertung menschenrechtlicher Risiken und ihrer Analyse der doppelten Wesentlichkeit dabei geholfen, die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen, kritische Stufen der Wertschöpfungskette und Länder oder Branchen mit hohem Risiko zu ermitteln. Dieser Ansatz deckt Möglichkeiten auf, wie sich durch eine bessere Nachhaltigkeitsleistung langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen lassen, und gibt Aufschluss über Risiken wie Schwachstellen in der Lieferkette und regulatorische Risiken.

Gemeinsam voranschreiten: Durch Zusammenarbeit nachhaltige Veränderungen bewirken

Die SAP hat die IMV-Methodik als Gründungsmitglied der Value Balancing Alliance (VBA) eingeführt. Diese gemeinnützige Allianz multinationaler Unternehmen setzt sich für die Einrichtung eines weltweit akzeptierten Systems zur Bilanzierung und Steuerung der Nachhaltigkeitsleistung ein. In Zusammenarbeit mit dem WifOR Institute, einer wissenschaftlichen Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt Wirkungsbewertung, hat die SAP ihre gesellschaftlichen Auswirkungen analysiert (erster Schritt), ihre Leistung mithilfe von Branchen-Benchmarks in einen Kontext gesetzt (zweiter Schritt) und diese Erkenntnisse in ihre zentralen Prozesse für die Berichterstattung und Steuerung integriert (dritter Schritt). 

Dieser kooperative Ansatz stellt sicher, dass die Daten, die den Ausgangspunkt für die Nachhaltigkeitsstrategie der SAP bilden, unabhängig, glaubwürdig und wissenschaftlich überprüft sind und sowohl die interne Entscheidungsfindung als auch die Transparenz für Anleger und externe Stakeholder verbessern.

„Die Wirkungsmessung und -bewertung bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Nachhaltigkeitssteuerung. Unternehmen wie die SAP sind dadurch in der Lage, ihre Auswirkungen ganzheitlich zu betrachten und Entscheidungen auf der Grundlage statistischer Daten zu priorisieren.“

Dr. Richard Scholz, Head of Impact Analysis beim WifOR Institute

Die Ergebnisse: Worüber die Analyse der SAP Aufschluss gibt und wie sie strategische Entscheidungen fördert

Das nachstehende Schaubild zeigt die Nachhaltigkeitsleistung der SAP im Vergleich mit Branchen-Benchmarks (Ergebnis des zweiten Schritts). Die Analyse deckt die gesamte Lieferkette der SAP von direkten Lieferanten bis hin zu Unterlieferanten sowie die eigene Geschäftstätigkeit der SAP ab. Derzeit wird eine Methodik zur Messung nachgelagerter Auswirkungen entwickelt, die sich beispielsweise durch die Nutzung unserer Software ergeben.

Die Analyse ermittelt sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Bereiche, in denen die negativen Auswirkungen der SAP größer sind als der Branchendurchschnitt, sind rot hervorgehoben. Auf diese Weise werden Bereiche gekennzeichnet, die bei der Minderung negativer Auswirkungen Vorrang haben sollten. Geringere negative oder größere positive Auswirkungen hingegen lassen auf eine höhere ESG-Leistung schließen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Gesellschaftliche Leistung: Aus den Lieferkettendaten lassen sich unterschiedliche Ergebnisse in Bezug auf existenzsichernde Löhne ableiten. Zwar liegt der Lohn der meisten Beschäftigten in der Lieferkette über dem Schwellenwert für existenzsichernde Löhne und lässt sich damit den positiven Auswirkungen zurechnen, doch hat die Analyse auch Risikobereiche zutage gefördert und ermöglicht es der SAP, gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Das Human-Rights-Team der SAP hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Beschaffungsabteilung, Lieferanten und verschiedenen Interessengruppen Strategien zur Risikominderung entwickelt und umgesetzt. Auf der Grundlage der IMV-Daten konnten gezielt Maßnahmen für die Länder, Branchen und Lieferanten mit dem höchsten Risiko ergriffen werden, um Verbesserungen in besonders wichtigen Bereichen voranzutreiben.
  • Ökologische Leistung: Die Ergebnisse in Bezug auf die Treibhausgasemissionen zeigen, dass die SAP große Fortschritte beim Erreichen ihres Netto-Null-Ziels gemacht hat. Es konnten positive Ergebnisse sowohl bei der Minderung von direkten Emissionen durch die eigene Geschäftstätigkeit als auch bei der Emissionsreduzierung in vorgelagerten Prozessen erzielt werden. Obwohl der Wasserverbrauch für die SAP auf Konzernebene nicht als wesentliche Auswirkung betrachtet wird, ergreifen wir im Rahmen lokaler Umweltmanagementprogramme Maßnahmen für ermittelte lokale Hotspots. Hierzu gehören unter anderem standortspezifischer Maßnahmen für das Wassermanagement, mit denen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen sicherstellen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Als globales Technologieunternehmen, über dessen Systeme der Großteil der weltweiten Geschäftstransaktionen verarbeitet werden, unterstützen wir Kunden mit unseren Lösungen auf ihrem Weg zu positiven Auswirkungen. Dabei möchten wir mit gutem Beispiel vorangehen.

Mit unserem Ansatz für eine nachhaltige Unternehmensführung möchten wir positive Veränderungen in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft unter Achtung der Belastungsgrenzen des Planeten und der Menschenrechte bewirken.

Um diese Ziele zu erreichen, setzt die SAP auf Instrumente wie die Wirkungsmessung und -bewertung. Sie ermöglichen es uns, die Maßnahmen mit der größten Hebelwirkung zu bewerten und zu priorisieren, um unsere positiven Auswirkungen zu maximieren und unsere negativen Auswirkungen zu mindern.

„Eine nachhaltige Transformation ist nur möglich, wenn wir unsere Entscheidungen auf der Grundlage verlässlicher Daten treffen. Mit der IMV-Methodik sorgen wir dafür, dass Nachhaltigkeit messbar, vergleichbar und realisierbar wird. Auf diese Weise können wir Transparenz schaffen, klare Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen. Indem wir unseren Fokus auf Bereiche legen, in denen wir die größten positiven Auswirkungen für unser Unternehmen und die Nachhaltigkeit erzielen können, stellen wir sicher, dass unsere Maßnahmen sowohl sinnvoll als auch effektiv sind.“

Matthias Medert, Global Head of Sustainability bei SAP

Der Weg in die Zukunft

Wir schreiten auf unserem Weg, der uns zu einer wirkungsbasierten Entscheidungsfindung führen soll, weiter voran. So wie Wanderer Navigationsgeräte einsetzen, um sich in anspruchsvollem Terrain zurechtzufinden, verwenden wir die Wirkungsmessung und -bewertung als Richtschnur, die uns hilft, unsere Nachhaltigkeitsziele Schritt für Schritt zu erreichen.

Wir möchten diese Methodik zukünftig ausweiten, einen Beitrag zur branchenübergreifenden Standardisierung leisten und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Interessengruppen fördern, um die Einführung wirkungsbasierter Entscheidungsprozesse in globalen Wertschöpfungsketten zu beschleunigen. Mit unseren Cloud-Lösungen für eine nachhaltige Unternehmensführung unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre Auswirkungen zu steuern.

Wir lassen uns auf unserem Weg nicht nur von Kennzahlen leiten, sondern orientieren uns an klaren Zielen. Die Wirkungsmessung und -bewertung liefert uns handlungsrelevante Erkenntnisse, die uns den Weg in eine Zukunft weisen, in der Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg Hand in Hand gehen.


Iris Konrad ist Senior Sustainability Specialist bei SAP.

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