Soccer team in a huddle

5 Szenarien für SAP HANA

Feature | 1. Oktober 2014 von Andreas Schmitz 0

Die Planung verbessern, das Kundenverhalten mit einbeziehen, dynamische Service Levels: Michael Mattern, Mitautor des Buches „Business Cases mit SAP HANA“ zeigt in fünf Anwendungsszenarien, wozu SAP HANA in der Lage ist.

Die SAP macht ihre beschleunigte Erstellung des Jahresabschlusses (Fast Close) nun 30 Prozent schneller als vorher, die deutsche Fußballnationalmannschaft überprüft permanent die Performance ihrer Spieler, das Heidelberger Krebsforschungszentrum durchforstet die Gensubstanz unzähliger Menschen: SAP HANA ist das Vehikel, mit dem Finanzdaten analysiert, Spieltaktiken entwickelt und Krankheitsmuster erkannt werden. In fünf Einsatzbereichen macht die In-Memory-Technologie von SAP nach Erfahrung von Michael Mattern, Mitautor des Buches „Business Cases mit SAP HANA“ besonders Sinn:

1. Flexibel planen: Der bisherigen Absatz- und Finanzplanung mangelt es daran, instabile Randbedingungen wie etwa die Entwicklung von Währungen in den einzelnen Ländern mit in die Kalkulation einzubeziehen und automatisch auf Änderungen dieser Rahmenbedingungen zu reagieren. Mit SAP HANA steht Unternehmen etwa die Predictive Analysis Library zur Verfügung, die es möglich macht, ohne aufwendige Programmierungen in ABAP statistische Algorithmen zu nutzen. Sie erkennen Muster in Plan-/Ist-Abweichungen und können bei Ausreißern warnen. So stieg 2011 der Kurs des Schweizer Franken derart an, dass er fast so viel wert war wie der Euro. Im September griff schließlich die Schweizer Nationalbank ein und legte einen Mindestkurs von 1,20 fest. Für eine Firma, die in der Schweiz sitzt und mit EU-Ländern Handel treibt, hat ein solcher Eingriff enorme Auswirkungen auf den Gewinn und die Rendite – und damit für Entscheidungen in der Absatz- und Finanzplanung. Sekunden nachdem sich ein Kurs dermaßen verändert hat, geht eine Warnung raus, die Informationen darüber gibt, wie Ziele und Planwerte des Unternehmens anzupassen sind.

Algorithmen erkennen Muster und warnen vor Ausreißern

2. Reisekosten und -zeiten optimieren: Jedes Unternehmen, das seine finanziellen Ziele nicht erreicht, wird zunächst einmal Kosten kappen, die nicht allzu sehr schmerzen, beispielsweise Reisekosten. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass neben den „reisebezogenen Dienstleistungen und Pauschalen“, die für Tickets oder Taxen anfallen, auch „Opportunitätskosten“ und weiche Kosten entstehen. Wer unterwegs ist, kann zwar mit seinen mobilen Geräten phasenweise arbeiten, dennoch geht ein Teil der Arbeitskraft verloren. Zudem kann die Kostendirektive dazu führen, dass Mitarbeiter sehr früh aufstehen und auf die Übernachtung im Hotel verzichten müssen, um rechtzeitig zum Termin zu kommen. Unausgeschlafene Mitarbeiter sind jedoch weniger produktiv. Wenn ein Unternehmen diese „weichen Reisekosten“ mit in seine Betrachtung einbezieht, dann basieren entsprechende Prognosen oft auf den Erfahrungen der Mitarbeiter in der Reisestelle oder auf einem starren Satz von Parametern, die die IT festgelegt hat. Michael Mattern spricht vom deduktiven Ansatz, bei dem Systeme von vornherein nur bestimmte Daten auswerten. Eine ganzheitliche Sicht sieht anders aus: Daten zur Pünktlichkeit und Servicequalität von Fluglinien, ein Frühwarnsystem für Staus, eine geocodierte Erfahrungsdatenbank, eine verkehrsmittelübergreifende Preisübersicht und nicht zuletzt Mitarbeiterfeedbacks werden gesammelt. Flexible Modelle in SAP HANA entscheiden dann auf dieser Basis, welche Muster und Logiken sich dahinter verbergen und treffen letztlich die Entscheidung für einen Reiseweg. Das spart Geld, reduziert Frust und setzt produktives Potenzial bei Ihren Mitarbeitern frei.

3. Kundenverhalten steuern: Mit SAP HANA lassen sich Planungssysteme überwachen und Reisekosten optimieren. Darüber hinaus sind Systeme denkbar, die ihr Verhalten selbst in Echtzeit an die Kundenbedürfnisse anpassen. Beispiel: Der Laden an der Tankstelle. Neben der Information darüber, wie viele Flaschen Bier und Wein an einem Samstag über den Ladentisch gehen, lassen sich über Entscheidungstabellen in SAP HANA auch besondere Ereignisse wie die Fußballweltmeisterschaftstermine in die Absatzplanung und Preisfindung mit einbeziehen. Denkbar ist zum Beispiel, Twitterfeeds zum Spielstand auszulesen und Preise je nach Fanstimmung dynamisch festzusetzen. Integrierte Algorithmen beziehen also dynamisch, vorurteilsfrei und selbständig zusätzliche Kriterien mit ein. Ein anderes, bereits reales Beispiel: Bei einer großen Supermarktkette erhöht sich am ersten warmen Tag des Jahres der Preis für Grillkohle, da die Wetterprognosen mit einbezogen werden. Passende Algorithmen hierfür, die vorher teuer und aufwendig hinzuprogrammiert werden mussten, liefert SAP HANA vorkonfiguriert mit. Außerdem wird es durch die Verbindung von SAP Business Suite mit SAP HANA (SAP Business Suite powered by SAP HANA) möglich, nicht nur 24 Stunden vorher, sondern auch mit viel kürzeren „Vorwarnzeiten“ zu agieren. Fluglinien, Telekommunikationsunternehmen, Stromanbieter: Diverse Branchen profitieren von dieser Chance des „Self Customizing“.

4. Service Level Management: Einigt sich ein Unternehmen mit einem IT-Dienstleister über einen Service, sind Details im Service Level Agreement festgelegt. Für die Reaktionszeiten eines Stammdatenaufrufs dürfen dann beispielsweise maximal drei Sekunden vergehen. Diese vertraglich garantierte Leistung hängt jedoch von vielen Faktoren ab, wie etwa der Ausstattung der Server, dem Speicherplatz und dem Datendurchsatz. Für den Dienstleister ist es interessant zu wissen, an welchem „Schräubchen“ gedreht werden sollte, um solche Antwortzeiten mit minimalem Kostenaufwand zu verringern. „Aufgrund des technischen Fortschritts sind aber die Schräubchen und deren Wirkungen einem ständigen Wandel unterworfen“, erläutert Buchautor Mattern. Ein SAP Business Warehouse hält vielleicht solche Zusammenhänge fest. Dessen Anpassung führt aber zu aufwendigen Projekten und so Mattern „zu einem ständigen Herumbasteln an den Datenflüssen”. Mit SAP HANA und der neuen SAP-Sprache River Definition Language lassen sich Datenmodelle weitaus flexibler gestalten. Plötzlich tun sich – neben einer höheren Verarbeitungsgeschwindigkeit – ganz neue Zusatznutzen von SAP HANA auf. Eine Voraussetzung hierfür – die 1:1-Migration von SAP Business Warehouse auf SAP BW powered by SAP HANA – ist dabei keine große Hürde. Nach Matterns Erfahrungen ist das eine Sache von ein paar Wochen.

Dynamisches Datenmodell mit SAP HANA erlaubt unternehmensübergreifende Nutzung von Daten

5. Sensordaten einbeziehen: Überall in der Umwelt „lauern“ Messfühler. Sie registrieren, wo sich der Besitzer eines Handys befindet, an welchen Stellen sich der Verkehr auf der Autobahn staut und wie warm es ist. Sensoren im Auto messen, wie schnell der Fahrer unterwegs ist, wie rasant er beschleunigt oder abbremst. Solche Daten lassen sich auch speichern und an Dritte weitergeben. Kfz-Versicherer etwa haben ein großes Interesse daran, mehr zu erfahren über die Risikobereitschaft ihrer Klientel und die Versicherungsprämien an die Fahrweise anzupassen. In den USA sind solche Abrechnungsmodelle unter dem Begriff Pay-How-You-Drive bereits im Einsatz. Das Manko bisher: Unterschiedliche Begriffswelten machten den Austausch der erforderlichen Metadaten kompliziert. Technische Ausdrücke, die für den Autohersteller selbsterklärend sind, kennt der Versicherer nicht. Das führt zu hohen Abstimmaufwänden und viel Handarbeit an der Schnittstelle. Ist jedoch bei beiden ein dynamisches Datenmodell mit SAP HANA im Einsatz, können diese Daten unternehmensübergreifend genutzt werden. Zudem lassen sie sich teilautomatisch aktualisieren – zum Beispiel über neu verfügbare Algorithmen für die Textanalyse. Kommen dann neue Messfühler hinzu, kann der Versicherer seine Preismodelle rasch anpassen.

Aktuell sind dynamische Datenmodelle in den Unternehmen noch nicht durchgehend etabliert. Sicher ist, dass sie kommen und Algorithmen mehr und mehr die Produkte in den Unternehmen mit bestimmen werden. Michael Mattern: „Die Powertools sind da – und der Mensch muss lernen, richtig damit umzugehen.”

Hier geht’s zu den FAQs zu SAP HANA.

Tags:

Leave a Reply