Die sechs Zukunftsmacher

Feature | 17. Oktober 2013 von Toby Skingsley 0

The winners of the Global Connected Car Contest 2012 celebrate in Silicon Valley (Photo: SAP AG)

Die Gewinner des Global Connected Car Contest feiern im Silicon Valley (Foto: SAP AG)

Verstopfte Straßen, hohe Spritpreise und die quälende Suche nach einem Parkplatz: In einer Großstadt mit dem Auto unterwegs zu sein, ist nicht immer ein Vergnügen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass im Jahr 2050 weltweit über 5,2 Milliarden Menschen in Städten wohnen werden. Das stellt die individuelle Mobilität in Städten vor große Herausforderungen. Ohne zusätzlichen Fortschritt in der Informationstechnologie und neue Ideen für innovative Mobilitätsdienste wird sich die Qualität des urbanen Lebens zunehmend verschlechtern.

Für SAP Grund genug, auf diesem Gebiet die Suche nach neuen Ideen anzuregen. Ende des letzten Jahres hat sich das Unternehmen daher mit der Audi AG zusammengetan und den Global Connected Car Contest ins Leben gerufen. Studenten rund um den Globus waren aufgerufen, Ideen zum Connected Car in Kategorien wie Verkehr, Kraftstoff, Parken und Umwelt einzureichen. Die Gewinner wurden zu einem einwöchigen Aufenthalt ins Silicon Valley eingeladen, wo sie sich mit Experten von SAP und Audi trafen, um mit ihnen an einer praktischen Lösung für ihre Ideen zu arbeiten.

Connected Car: Fahrer kommunizieren direkt miteinander

Gegen das Verkehrschaos in Städten gab es bisher verschiedene Initiativen, Menschen dazu zu bewegen, das Auto öfter stehen zu lassen. Die Idee des vernetzten Fahrzeugs (Connected Car) setzt stattdessen beim Gedanken an, Autos mit neuer Technologie auszustatten und ans Internet anzuschließen. Mit der richtigen Technologie könnten dann Autofahrer zum Beispiel unmittelbar mit anderen Fahrern kommunizieren. Sie könnten sofort einen Überblick über ihre Umgebung erhalten, wie etwa Ampeln, Tankstellen oder sogar den nächsten freien Parkplatz. Und sie könnten direkt im Auto mit ihrem sozialen Netzwerk kommunizieren.

  1. „Carpanion“ für mehr Wohlbefinden am Steuer
  2. Smart Parking schützt vor Parkplatzklau
  3. Gemeinsame Nutzung von Anwohnerparkplätzen
  4. Navigationssystem 2.0 schlägt Zwischenstop für Blumenkauf vor
  5. Instant Start-up koordiniert Anfahren an Ampeln
  6. Im Fahrzeug integriertes Car-Sharing-Netzwerk
  7. Der Workshop im Silicon Valley: Studenten erstellen brandneue App
  8. Der Global Connected Car Contest geht 2013 in die nächste Runde

Unter Hunderten von Beiträgen wurden die besten Ideen ausgewählt. Hier ist ein kurzer Überblick über die prämierten Ideen.

Carpanion von Tobias Schwan

Das Wohlbefinden des Fahrers steht bei Tobias Schwans Idee im Vordergrund. Der deutsche Student der Technischen Universität München hat „Carpanion“ entwickelt, ein System, bei dem das Auto den aktuellen Zustand des Fahrers überwacht und die Umgebung anpasst. „Carpanion“ überprüft mit der Analyse von Echtzeitdaten die Fahrzeugumgebung und die Gemütslage des Fahrers, bevor es zu seiner Unterstützung Licht, Lautstärke der Musik und die Komforteinstellungen ändert. Es kann sogar eine Alternativstrecke berechnen.  Das System nutzt ein Smartphone, um die Sprache und Bewegungen des Fahrers sowie wichtige im Gerät gespeicherte Informationen zu überwachen.

Intelligente Parksysteme

Smart Parking von Dongmei An

Schlimmer kann es doch nicht kommen: Nach ewigem Suchen hat man endlich einen Parkplatz gefunden, der einem dann in der letzten Sekunde weggeschnappt wird. Mit der Idee von Dongmei An würde eine solche Situation der Vergangenheit angehören. Die Studentin an der Nationaluniversität Singapur beeindruckte das Preisgericht mit einem intelligenten Parksystem, mit dem der Fahrer beim Einfahren in ein Parkhaus nicht nur eine Übersicht über freie Parkplätze erhält, sondern über einen Touchscreen an der Einfahrt auch gleich einen Platz reservieren kann. Der Fahrer erhält dann eine Beschreibung, wie er den ausgewählten Parkplatz erreicht.

Gemeinsame Nutzung von Anwohnerparkplätzen von Kilian Batzner

Informatikstudent Kilian Batzner hat ein Netzwerk entwickelt, das Fahrer mit Stadtbewohnern verbindet, die ihren Anwohnerparkplatz gerade nicht benutzen. Seine Plattform sucht automatisch nach Privatparkplätzen, die während eines Arbeitstages häufig leer stehen, und bietet sie Stadtbesuchern an. Autofahrern erleichtert dies die Parkplatzsuche, während sich Anwohner eine Kleinigkeit dazuverdienen können.

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Navigationssystem 2.0 von Kerstin Puchan

Kerstin Puchan möchte Navigationssysteme ganzheitlich betrachten. Die Zwanzigjährige aus Karlsruhe argumentiert, dass diese Systeme bei der Suche nach der schnellsten Strecke zu einem Zielort häufig öffentliche Verkehrsmittel außen vor lassen. Ihre Idee berechnet die schnellste Strecke mit dem Auto und berücksichtigt obendrein Busse, Bahn und Taxis, die zu Stoßzeiten meist schneller sind. Ihr Navigationssystem schlägt außerdem Zwischenhalte vor, zum Beispiel für einen Kaffee, eine Mahlzeit oder sogar für den Kauf von Blumen.

Instant Start-up von Christian Wünsche

Bei der Idee des Autofanatikers Christian Wünsche kommunizieren Fahrzeuge miteinander, während sie an einer Ampel warten. Durch diese Kommunikation könnten die Autos gleichzeitig starten und beschleunigen, wenn die Ampel auf Grün umschaltet, und so Sprit sparen und Staus verhindern.

Neues Car-Sharing-Konzept

Im Fahrzeug integriertes Car-Sharing-Netzwerk von Andreas Hauer

Andreas Hauer von der Technischen Universität München schlägt ein Netzwerk vor, bei dem Mitglieder auf bereits geplanten Strecken mitfahren können. Zuerst erfasst ein Fahrer eine Strecke, die er nehmen möchte.  Diese Strecke wird dann online veröffentlicht, damit sich andere Mitglieder von ihrem Smartphone für einen Teil der Route anmelden können. Der Fahrer nimmt sie dann mit oder setzt sie auf seiner Strecke wieder ab, zum Beispiel an einer Bushaltestelle oder am Bahnhof, wo der Mitfahrer seine Fahrt fortsetzen kann.

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Im Juni nahmen die sechs Gewinner an einem einwöchigen Workshop im Silicon Valley teil. Die Studenten erhielten damit die Chance, mit Experten von SAP und Audi zusammenzuarbeiten und ihre Ideen umzusetzen. Die jungen Innovatoren konnten sich auch bei Vorträgen über Themen wie M2M und SAP HANA informieren und besuchten Standorte wie die SAP Research Labs in Palo Alto und das Electronics Research Laboratory (ERL) von Volkswagen in Belmont, Kalifornien.

„Die Studenten sollten möglichst viel Kontakt zu Branchenexperten erhalten. Gleichzeitig sollten Audi und SAP die Möglichkeit haben, gemeinsam mit den Studenten an ihren Ideen und Konzepten zu arbeiten“, erklärt Gil Perez, Senior Vice President Sustainable Industries and GM Connected Vehicles bei der SAP AG. „Obwohl wir nur fünf Tage hatten,  haben wir unglaublich viel zustande gebracht. Und es hat allen sehr viel Spaß gemacht. Gemeinsam haben wir eine großartige Anwendung entwickelt: WaitASec.“

Studenten entwickeln neue App für einfachere Parkplatzsuche

Während der Woche wurde hauptsächlich an einer neuen Smartphone-App gearbeitet, in der verschiedene Aspekte der preisgekrönten Ideen kombiniert wurden. Das Ergebnis war WaitASec, eine Anwendung, die Fahrern in Echtzeit hilft, einen freien Parkplatz zu finden, und dabei ermöglicht, Geld für einen guten Zweck zu spenden. Am Ende der Woche wurde die App auf den Straßen von Palo Alto erfolgreich getestet (den Test können Sie auf diesem Video mitverfolgen). Die Studenten erfuhren auch mehr über Tests und Phasen zur Qualitätssicherung in der Entwicklung einer App und sammelten wertvolle Erfahrung über die nicht technischen Aspekte, die bei der Markteinführung eines Produkts von Bedeutung sind. „Wir zeigten ihnen, wie man ein Produkt vermarktet, die Zielgruppe im Auge behält und seine Ideen präsentiert“, sagt Gil Perez. „Am Ende der Woche stellten die Studenten die App einem Risikokapitalgeber vor und sammelten somit gleich praktische Erfahrung.“

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Der Global Connected Car Contest geht 2013 in die nächste Runde

Nach dem Erfolg des Global Connected Car Contest im Jahr 2012 hat SAP einen neuen Wettbewerb für 2013 mit GM/Chevrolet angekündigt. Diesmal können auch Start-up-Unternehmen mitmachen. Einsendeschluss für Ideen ist der 15. November. Die Gewinner werden Anfang 2014 bekannt gegeben. Weitere Einzelheiten zum neuen Wettbewerb einschließlich Teilnahmebedingungen finden Sie unter www.connectedcarcontest2013.com.

 

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