7 Einsatz-Kriterien für Google Glass

12. Februar 2014 von Susan Galer 0

Photo: SAP

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Am Körper tragbare Miniaturcomputer wie Google Glass faszinieren das Publikum. Etwa 100.000 Verbraucher testen zurzeit erste Entwicklerversionen und ziehen dabei oftmals – zuweilen wider Willen – viel Aufmerksamkeit auf sich. Noch lässt sich nicht beurteilen, in welchem Umfang die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch Google Glass und andere Geräte unseren Alltag verändern wird. SAP und andere Unternehmen erforschen derzeit ihre möglichen Auswirkungen auf die Arbeitswelt und ganze Wirtschaftszweige.

Google Glass birgt enorme Möglichkeiten, die Leistung der einzelnen Mitarbeiter zu steigern und das Unternehmensergebnis insgesamt zu verbessern, meint Raimund Gross, Solution Architect und Futurist bei der SAP. Entscheidungsträger müssten lediglich nüchtern und pragmatisch an die Sache herantreten.„Wie bei jeder Technologie gilt es sorgfältig zu prüfen, ob für das eigene Unternehmen Vorteile zu erwarten sind. Google Glass ist für bestimmte Arbeitssituationen und Wirtschaftszweige besonders gut, für andere weniger geeignet“, so Gross.

Datenbrille plus SAP: Echtzeit-Informationen für Banken und Gesundheitsbranche

Gross gehört dem ACES-Team der SAP an, das aktuelle und zukünftige Innovationen auf ihren Wert für SAP-Kunden prüft. (ACES steht für Architecture, Communication, Education, Security.) Das Team befasst sich mit einer breiten Vielfalt an Projekten und technischen Lösungen, darunter Google Glass. Insbesondere soll festgestellt werden, inwieweit Geräte, die mit einer SAP-Infrastruktur verbunden sind, Mitarbeitern in Echtzeit verwertbare Informationen liefern können. Im Banken- und Gesundheitswesen oder in der Fertigung liegt diese Möglichkeit nahe.

Gestützt auf die Erkenntnisse seines Teams hat Gross sieben Kriterien aufgestellt, anhand derer Unternehmen beurteilen können, ob Google Glass und ähnliche Geräte Arbeitsabläufe sinnvoll unterstützen können.

1. Mobilität: Für Arbeitnehmer, die ständig in Bewegung sind und dabei auf Daten zugreifen müssen, die laufend aktualisiert werden, dürfte Google Glass eine ideale Lösung sein. In beispielhaften Szenarien zeigte das Team von Gross auf, wie Ärzte bei der Visite Google Glass verwenden können. Auf dem am Brillengestell angebrachten Mini-Display werden nach Untersuchungsraum und Erkrankung geordnete Patienteninformationen angezeigt. Während der Untersuchung diktiert der Arzt per Sprachsteuerung Aufzeichnungen, die direkt in die Patientenakte übertragen werden. Auf diese Weise kann er nicht nur effizienter arbeiten, sondern sich auch intensiver dem Patienten zuwenden, da er seinen Blick nicht auf Formulare oder Tablets richten muss.

2. Tragbarkeit: Mit einem Gewicht von knapp 37 Gramm bietet sich Google Glass in vielen Umgebungen als nicht störende, praxistaugliche Lösung an. Dank der Fertigung aus Titan und Kunststoff ist das Gerät leicht und robust zugleich. Allerdings ist es nicht wasserfest, kann also an Arbeitsplätzen nicht verwendet werden, an denen mit Feuchtigkeit oder Nässe zu rechnen ist.

Mini-Display zeigt Lagerarbeiter Größe und Gewicht von Packstücken

3. Freie Hände: Mitarbeiter, die beide Hände frei haben müssen, um effizient und sicher arbeiten zu können, erhalten Echtzeitinformationen über Monitore, die vor ihren Augen befestigt sind. Dieses Video zeigt, wie ein Lagerarbeiter durch den Prototyp einer solchen Vorrichtung unterstützt wird. Anweisungen per Stimme leiten ihn durch den gesamten Ablauf, vom Auffinden des Packstücks im Regal über das Scannen bis hin zum Versenden. Der Arbeiter kann dem Mini-Display vor seinem Auge genaue Angaben zu Lagerort, Gewicht und Größe des Packstücks entnehmen. So weiß er genau, wohin er gehen und was er suchen muss, wird nicht abgelenkt und kann sich ohne jegliche Beeinträchtigungen der Sicherheit im Lager bewegen.

4. Optische Warnsignale und Erinnerungen: Wenn die Konzentration auf zeitkritische, wichtige Aufgaben durch ein Übermaß an Warnhinweisen, Umgebungslärm oder sonstige Störungen beeinträchtigt wird, kann Google Glass gute Dienste leisten. Das gilt beispielsweise für Pflegepersonal in Krankenhäusern, das sich nach strengen Hygienevorschriften die Hände waschen muss. Hier kann Google Glass unmittelbar einen situationsgebundenen Hinweis anzeigen, der weniger leicht übergangen wird.

5. Ergänzende Informationen: Google Glass kann für enorme Zeitersparnis sorgen, wenn für eine unmittelbare Arbeitsaufgabe Informationen aus Backendsystemen benötigt werden. In unserem Szenario der Krankenhausvisite kann beispielsweise einem Arzt, der mit Google Glass ausgestattet ist, automatisch eine Röntgenaufnahme des Patienten angeboten werden.

Google Glass per Sprache, Berührung oder Geste steuerbar

6. Multimodale Bedienung: Google Glass lässt sich per Sprachbefehl, Berührung, Geste oder Kopfbewegung bedienen. Damit eignet es sich für eine Vielzahl an Berufen, von der Reinigungskraft über den Handwerker bis hin zum Chirurgen. Die Produktivität kann in jedem Fall gesteigert werden.

7. Ständig verfügbar: Für Arbeiten, die Echtzeitinformationen voraussetzen, könnte sich Google Glass als ideale Lösung erweisen. So hat der Bundesliga-Verein TSG 1899 Hoffenheim Google Glass getestet, um die Spielerleistung im Training genauer zu erfassen. Dabei werden auf dem Display Echtzeitdaten angezeigt, beispielsweise zu Lauftempo, Dauer des Ballbesitzes, Beginn des Dribbelns und Zeit bis zum Torschuss. Auf diese Weise kann der Trainer unmittelbar Feedback geben, um die Leistung zu verbessern.

Datenbrille noch nicht auf dem Markt – Evaluierung aber jetzt schon sinnvoll

Google Glass wird noch nicht allgemein auf dem Markt angeboten, aber bestimmte Unternehmen sollten sich jetzt schon Gedanken darüber machen, ob sie Datenbrillen und andere Geräte zur computergestützten Wahrnehmungserweiterung sinnvoll einsetzen können so Raimund Gross. Die Leitfrage dabei laute: Bietet das Gerät Vorteile im Sinne unserer Unternehmensziele? Wenn diese Möglichkeit besteht, dann dürfte es sich lohnen, sich mit dieser neuen Technologie auseinanderzusetzen.

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