Ändern kann man nur, was man sieht

Feature | 16. Mai 2007 von admin 0

„Wenn die Kiste leer ist, füllen Sie sie wieder auf.” Viele Planer und auch Verfechter des Lean Manufacturing verfahren nach eben diesem Prinzip. An und für sich eine simple und keineswegs sinnlose Strategie. Denn sie beruht auf der Erfahrung, dass es zu Komplikationen oder Engpässen kommen wird. Diese Engpässe – die leere Kiste – macht man sich als Indikatoren, als Schrittmacher im Fertigungsprozess zu nutze, anstatt auch nur erst den Versuch zu unternehmen, die Planung auf theoretische, optimale Bedingungen aufzubauen. Kurz: Bei der schlanken Planung geht es um Visualisierung und Reaktion.
Doch wie können Führungskräfte sehen, ob die Kiste leer ist, wenn die Fertigungsstandorte von Georgien bis Guangzhou überall in der Welt verstreut sind? Spitzenmanager, deren Aufgabe es ist, für eine schlanke Fertigung zu sorgen, sehen sich hier vor allem mit drei Fragen konfrontiert: Wie ist der aktuelle Status einer Fertigung, wie lässt sich die Produktivität der Fertigung messen und wie lässt sie sich verbessern.
SAP-Software hilft diesen Managern, fundierte Entscheidungen zu treffen. Hierbei fungiert SAP xApp Lean Planning and Operations (SAP xLPO) gewissermaßen als „Gehirn“ in der Fertigung. Das SAP xApp beurteilt die Auftragserfüllung, ermittelt den Status der genutzten Fertigungslinien und prüft beispielsweise auch die Termintreue. Im Zusammenspiel ist SAP ERP das „Rückgrat“ des Planungsprozesses. Die SAP-Lösung liefert die Finanzdaten oder Informationen über verfügbare Mitarbeiter. SAP xApp Manufacturing Integration and Intelligence (SAP xMII) ist das „Auge“ dieses Verbunds – mit seinem visuellen Dashboard liefert es einen Blick in die Werkshallen.

Excel-Tabellen entthront?

Sami Cassis, Produktmanager für SAP xLPO, hat vor der Entwicklung von SAP xLPO 20 Planer in Klausur genommen, die sich auf Lean Manufacturing in der globalen Fertigung spezialisiert haben. Einige dieser Planer hatten bei dem Unternehmen Factory Logic das Produkt entwickelt, auf dem SAP xLPO basiert. Andere wiederum waren beispielsweise von JCI, einem Unternehmen, das Automobil-Innenausstattungen herstellt. Das wichtigste Ergebnis: Man muss sehen können, was gerade passiert – in Echtzeit, über die gesamte Fertigung hinweg, nur dann kann man reagieren.
„Für die Planer zählen drei Dinge. Sie wollen die Zeit einteilen. Kann ich heute die Maschinen früher abschalten und morgen dafür länger laufen lassen, kann am Samstag gefertigt werden? Hierzu müssen sie zweitens die Mitarbeiter einteilen. Kann ich Personal von einer Fertigungsstrasse abziehen oder umverteilen? Und sie müssen Materialflüsse umdirigieren können. Muss ich heute verstärkt dieses oder jenes produzieren, um die Aufträge zu bedienen? All das wollen die Planer auf einen Blick sehen und mit einem Klick ändern können. Damit sie mit ihrem Plan den Liefertermin einhalten“, so Cassis.
Sieben von zehn Firmen in der Fertigungsbranche verwenden für ihre Planungsprozesse Excel-Tabellen, so Cassis. Die logische Schlussfolgerung: SAP xLPO muss an genau diesem Punkt ansetzen und darüber hinaus benutzerfreundlicher sein. „Wir reden bei SAP xLPO nicht von Software für IT-Experten. Es geht um Software, die Mitarbeiter in der Fertigung verwenden – sie muss sich intuitiv bedienen lassen, oder man braucht das Produkt erst gar nicht auf den Markt zu bringen. Excel mag manchmal unübersichtlich sein, aber alles findet in einer Tabelle Platz, die Kunden, die Excel benutzen, wissen, wo was zu finden ist, wissen, wie es aufgebaut ist und wie sie ihre Makros entwickelt haben. Wir mussten uns daher mit SAP xLPO darauf einrichten“, so Cassis.

Engpässe als „Schrittmacher“

Das Produkt muss also leicht zu bedienen, in seiner Logik transparent und einfach zu erfassen sein. Auch sollte es möglich sein, das Planungswerkzeug außer Kraft zu setzen – denn schließlich laufen oftmals Prozesse in den Werkshallen noch auf Zuruf, wenn der Planer die entsprechenden Informationen dann hat, darf ihm die Software mit ihren Soll-Vorgaben nicht im Wege stehen.
Für den Endanwender ist die Neuterminierung einer Fertigung am schwierigsten. Sie wird notwendig, wenn sich wichtige Rahmenbedingung geändert haben – neue Aufträge, Stornierungen, Modifizierungen am Produkt. Wenn sich der Bedarf ändert, darf nicht einfach stur das Produkt weiter hergestellt werden. Ebenso muss die Fertigung gestoppt werden, wenn etwa Qualitätsprobleme auftreten. SAP xLPO hilft, im Vorfeld einer Änderung zu verstehen, welche Auswirkungen diese nach sich ziehen. Das xApp „setzt“ sich hierzu auf gewisse „Schrittmacher“, Flaschenhälse im Produktionsprozess, anhand deren sich voraussagen lässt, ob der Prozess reibungslos ablaufen wird. Das SAP xApp muss somit nur etwa rund zehn Prozent der gesamten Datenflut „im Auge“ behalten – und ermöglicht damit eine schlanke Planung.

Ian Alexander

Ian Alexander

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