Anlagendaten im Griff

Feature | 24. Januar 2005 von admin 0

Die technologische Grundlage von xApps sind Service-orientierte Architekturen (SOA). Diese basieren auf offenen Standards und entkoppeln die Geschäftsprozess-Schicht einer Anwendung von der zugrunde liegenden Technologie. xApps liegen quasi über bestehenden Systemlandschaften und erleichtern den Zugriff auf die Funktionalität der einzelnen, heterogenen Applikationen. Sie trennen die Geschäftsobjekte und -prozesse von den Datenstrukturen dieser Anwendungen und verbinden ihre Funktionalität in einer einheitlichen Umgebung. Ist beispielsweise eine Anlage in der Systemlandschaft durch Informationen und Dokumente aus unterschiedlichen Anwendungen abgebildet, ermöglicht das xApp einen konsolidierten Zugriff auf diese Daten und macht sie standardisiert allen Mitarbeitern zugänglich, die sie, etwa für die Abwicklung von Werkaufträgen, benötigen.
Durch die Entkopplung verschiebt sich der Schwerpunkt von den Technologiekomponenten zum Geschäftsprozess. xApps basieren auf einer modellgesteuerten Architektur, die alle zentralen Geschäftsregeln einer Anwendung (das Modell), von der Technologie und Benutzungsoberfläche trennt. Da Objekte und Komponenten zur Verfügung stehen, die diese Geschäftsregeln zusammenfassen, lassen sich Anwendungen flexibler erstellen und Prozesse leichter anpassen. Davon profitiert die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Bestehende und neue Applikationen lassen sich zudem leichter integrieren, so dass gleichzeitig die Gesamtbetriebskosten für die IT-Infrastruktur sinken.

Zugang zu sämtlichen Informationen

Speziell für das Enterprise Asset Management (EAM) entwickelte der SAP-Partner NRX das xApp VIP (Visual Information for Plants). Es basiert auf SAP NetWeaver und nutzt die Flexibilität der SOA, um die Funktionalität und Anwenderfreundlichkeit der SAP-EAM-Lösung und ihres zentralen Moduls Instandhaltung (PM) zu verbessern. Das xApp bietet eine auch für gelegentliche Anwender leicht bedienbare Benutzeroberfläche sowie individuell angepasste Sichten für häufig gebrauchte Instandhaltungsfunktionen.
VIP läuft auf der SAP-NetWeaver-Komponente SAP Enterprise Portal und bietet Anwendern aus verschiedenen Unternehmensbereichen und an der Logistikkette beteiligten Partnern einen konfigurierbaren, rollenbasierten Zugang zu Prozessen und Informationen aus Instandhaltung und Materialwirtschaft, etwa zur Beschaffung von Hilfs- und Betriebsstoffen. Relevante Funktionalität und Inhalte, beispielsweise bestimmte SAP-R/3-Transaktionen wie Werkauftrag, das Anlegen und Aktualisieren von sowie die Suche nach Instandhaltungsmeldungen, können sichtbar gemacht und in rollenbasierten “Worksets” angeordnet werden. Die Worksets sind auf den jeweiligen Benutzer zugeschnitten und enthalten mehrere standardisierte und konfigurierbare iViews. VIP bietet unter anderem Rollen für Instandhaltungsplaner, Bediener oder Techniker, die sich an die Arbeitsprozesse in einer bestimmten Kundenumgebung anpassen lassen. Die Mitarbeiter können Routineaufgaben wie das Anlegen von Instandhaltungsmeldungen oder -aufträgen, rasch und sicher durchführen. Auf diese Weise lässt sich der produktive Einsatz der SAP-Lösung ausweiten – von unter Umständen weniger als fünf Prozent der potenziellen Anwenderbasis auf mehr als 80 Prozent. Der Stromerzeuger Conectiv Energy beispielsweise erreichte mit der Einführung von VIP eine breiter Nutzung seines PM-Moduls.
VIP steigert nicht nur die Produktivität auf Anlagenebene sondern unterstützt durch erhöhte Transparenz auch das Management bei der Entscheidungsfindung. Mit Hilfe von SAP Business Information Warehouse (SAP BW) können Unternehmen für die Kostenanalyse und das Reporting wichtige Kenngrößen aus der Historie durchgeführter Arbeiten extrahieren, etwa Daten zu geplanten und störungsbedingten Instandhaltungsarbeiten oder zu den Instandhaltungskosten pro Anlage oder pro Fertigungsprozess. Die Reporting-Funktionalität hilft außerdem dabei, die Instandhaltungsprozesse zu optimieren.

Vollständige Anlagendaten . . .

Ein wesentlicher Faktor für die Akzeptanz einer Lösung ist eine leicht zugängliche und einfach zu bedienende Oberfläche. Die Mitarbeiter in der Instandhaltung werden sie aber nur dann nutzen, wenn sie sich auf die darin enthaltenen Daten verlassen können. Planer und Facharbeiter benötigen Informationen aus diversen Quellen, beispielsweise Ersatzteilkataloge, Betriebs- und Wartungshandbücher, Sicherheitsdatenblätter und Stammdatensätze. Bei unvollständigen oder ungenauen Informationen kostet sie die Suche und Nacharbeit leicht bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit. Dies treibt die Kosten in die Höhe. NRX kalkulierte bei einem Kunden allein die Verwaltungskosten, die mit Fehler bei der Beschaffung verbunden sind, mit 500 Dollar pro Teil. Fallen Anlagen aufgrund von schlechter Wartung aus, gefährdet dies darüber hinaus den Umsatz und die Arbeitssicherheit eines Unternehmens.
Um eine zuverlässige Datengrundlage zu schaffen, entwickelte NRX eine Content-Management-Engine namens ACM (Asset Content Management), die nahtlos in VIP integriert ist. ACM enthält Werkzeuge und Methoden für das Projekt- und Datenmanagement. Sie unterstützen Audits für eine Anlage oder ein Lager und ermöglichen es, eine elektronische Anlagen- und Materialbibliothek aufzubauen. Die Content-Management-Engine ordnet technische Dokumente und Teilehandbücher den entsprechenden Anlagen und Materialien zu. Sie erfasst und verwaltet Informationen und bereitet sie in einem intuitiven visuellen Format auf.
Die Content-Management-Engine ist vollständig in SAP R/3 integriert, so dass sich SAP-R/3-Stammdaten erstellen und bereinigen lassen und technische Dokumente und Teilehandbücher mit SAP-R/3-Equipment und -Materialien verknüpft werden können. ACM unterstützt die Identifizierung, Sammlung, Verifizierung und Bewertung von Equipment- und Materialdaten. Außerdem erleichtert sie ihre elektronische Umsetzung, Publizierung und Nutzung. Das Ergebnis sind Informationen zu Equipment und Teilen, auf die sich die Instandhaltungsmitarbeiter vollkommen verlassen können.

. . . im richtigen Kontext

Vollständige Daten sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Damit Betriebe die Informationen effektiv nutzen können, müssen diese im Kontext ihres jeweiligen Workflows zur Verfügung stehen. Häufig behindern allerdings Engpässe im Informationsfluss die Zusammenarbeit. Wichtige Daten, Funktionalität und Geschäftsprozesse sind in unzugänglichen “Silos” operativer Anwendungen voneinander getrennt, so dass keine oder nur eine geringe Interoperabilität über alle Systeme hinweg möglich ist.
Hier tun sich xApps hervor: Sie versetzen Unternehmen in die Lage, diese “Silos” aufzulösen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu nutzen und sie im Kontext definierter Geschäftsprozesse den richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise wird das gesamte Potenzial der Informationen freigesetzt.

Josephine Coombe

Josephine Coombe

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