Ansprüche an Open-Source-Software steigen

Feature | 2. Juli 2008 von admin 0

Die Zeiten, in denen sich nur kleine Firmen und Start-ups für Linux und Co. engagierten, sind vorbei. Heute steuern Software-Riesen wie IBM, Sun, Oracle und SAP das Open-Source-Geschehen und bieten dem Microsoft-Imperium Paroli.

Einsatz von Open Source steigt weiter an

Eine Entwicklung, die vor allem bei den Anwendern regen Anklang findet. Kein Wunder, lässt sich doch häufig mit der Umstellung von proprietären Betriebssystemen auf Open-Source-Alternativen viel Geld sparen.

In einer aktuellen Umfrage zur Zukunft von Open Source prognostizierte jeder zweite Befragte, dass in den kommenden Jahren zwischen 25 und 50 Prozent der verkauften Software aus dem Open-Source-Bereich stammen werden. Die jährliche Befragung von North Bridge Venture Partners ergab außerdem, dass ein Drittel der Befragten Oracle, Sun und SAP in diesem Bereich als große Gewinner sehen. Nur 20 Prozent wähnen Microsoft, Google und Yahoo an der Spitze.

Allerdings ist es nach Einschätzung der Experten auch nicht mehr allein mit Code-Veröffentlichungen getan. Der Markt verlange vielmehr nach umfangreichen Dienstleistungsangeboten und verbesserter virtueller Infrastruktur. North Bridge Venture Partners hatten Teilnehmer der Open-Source-Business-Konferenz in San Francisco im März 2008 sowie Kunden von Firmen wie Sun Microsystems und Ingres befragt.

SAP-Kooperationen im Open-Source-Bereich

SAP arbeitet derzeit mit Intel zusammen an einem Angebot für SAP Business All-in-One:. ein fertig konfiguriertes, abgestimmtes und vorinstalliertes Komplettpaket aus Soft- und Hardware samt Datenbank sowie SUSE Linux Enterprise-Betriebssystem umfassen, das die Gesamtbetriebskosten signifikant reduzieren soll.

Ein weiterer Schritt Richtung Kundenfreundlichkeit und Support stellt die geplante intensivere Kooperation von SAP mit Novell dar, einem der führenden Anbieter von unternehmensweiten Betriebssystemen auf Basis von Linux und Open Source sowie Enterprise Management Services. Ziel der Zusammenarbeit ist unter anderem ein gemeinsames Support-Angebot für SAP-Anwendungen auf dem SUSE Linux Enterprise-Server von Novell. Dabei dient der so genannte “SUSE Linux Enterprise Server Priority Support“ als zentraler Anlaufpunkt für alle Wartungsfragen – vom Betriebssystem bis zur Anwendung. Die Vorteile: beschleunigte Wartungsprozesse, geringere Komplexität und letztlich sinkende Betriebskosten.

SAP verwendet den SUSE Linux Enterprise-Server selbst als die Linux-Entwicklungsplattform und gewährleistet somit von Beginn an die volle Funktionsfähigkeit von SAP-Anwendungen auf Linux.

Die Kooperation von SAP und Novell soll weit über Linux hinausgehen. Im Fokus steht die optimale Zusammenführung der maßgeblichen Technologien beider Unternehmen. Den Kunden soll eine hochwertige Lösung zur Verfügung gestellt werden, mit der sie ihren regulatorischen Anforderungen gerecht werden und ihre Anwendungen für eine virtualisierte IT-Umgebung optimieren können.

Vor- und Nachteile von Open Source

Der große Vorteil von Open-Source-Software wird meist in den geringeren bzw. entfallenden Lizenzkosten gesehen. Ihr Einsatz ist dadurch häufig wirtschaftlicher als bei kommerzieller Standardsoftware. Doch für die quelloffenen Alternativen sprechen noch weitere Argumente:

  • Anpassung: Der offene Quellcode kann jederzeit individuell angepasst oder kopiert werden.
  • Verbesserte Produktqualität: Die stetige und zeitnahe Weiterentwicklung des Codes ermöglicht rasche Fehlerbehebung; kein Warten auf kostspielige Updates.
  • Höhere Produktsicherheit: Da jeder Entwickler den Code sichten kann, fallen Sicherheitslücken und –probleme schneller auf.

Allerdings können bei Open Source im Regelfall keinerlei Gewährleistungs- oder Haftungsansprüche geltend gemacht werden. Garantien zur Funktionstüchtigkeit gibt es nicht, auch der Support entfällt gänzlich. Deshalb muss im Bedarfsfall auf Dienstleistungen Dritter zurückgegriffen werden. Auch unterliegen freie Entwickler keinen Zwängen für Pflege und Wartung. Damit entfällt auch jegliche Garantie für die Weiterentwicklung des Produktes.

In bestimmten Szenarien kann freie Software nicht eingesetzt werden, weil diverse Hersteller die Interoperabilität mit Open Source nicht unterstützen. Dem Anwender bleibt dann nur die Wahl einer Standardsoftware – zumindest so lange, bis Open-Source-Anbieter ebenbürtige Komplettpakete liefern.

Die besondere Zukunftschance für Open Source: Komplettlösungen, die Unabhängigkeit von kommerziellen Komponenten garantieren und im besten Fall Support und Wartung beinhalten.

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