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Feature | 20. August 2009 von Vasco Alexander Schmidt 0

Geht es nach der Europäischen Union, wird sich der Alltag von Unternehmen bald deutlich vereinfachen – zumindest in Kontakt mit Ämtern und Behörden. Bis Ende Dezember soll die so genannte EU-Dienstleistungsrichtlinie umgesetzt sein. Sie verlangt, dass Unternehmen in allen Mitgliedsstaaten einen einheitlichen Ansprechpartner für Verwaltungsprozesse erhalten. Dies soll Neugründungen, Umzüge und alle anderen Verwaltungsakte vereinfachen.

„Verwaltungen bieten schon heute Webseiten mit Informationen an“, erklärt Nina Vayssière, SAP Research Group Manager Sydney und mitverantwortlich für SAP-Forschungsprojekte im öffentlichen Sektor. „Wirkliche Dienstleistungspakete im Internet sind aber noch Zukunftsmusik.“ Dank einer SAP-weiten Zusammenarbeit ist die Zukunft aber zum Greifen nah: Erste Kunden sind dabei, eine neue SAP-Lösung mit den Namen „Online Application Processing for Public Sector“ einzuführen. Diese wurde vom auf kundenspezifische Produktentwicklungen spezialisierten SAP Custom Development mit Unterstützung der Industry Business Unit (IBU) Constituent Services, dem Business Development Public Sector der SAP Deutschland AG und SAP Research entwickelt. Die Lösung verbindet die EU-Richtlinie mit SAPs Vision des Internet der Dienste. Einen ersten Prototyp konnten die SAP-Forscher bereits auf der CeBIT im vergangenen Jahr vorstellen.

Neue Kanäle für öffentliche Dienstleistungen

Der Prototyp zeigt eine Dienstleistungsplattform für Unternehmer, die einen Betrieb eröffnen möchten. Auf der Webseite findet der Unternehmer alle notwendigen Verwaltungsschritte – samt Reihenfolge und voraussichtlicher Bearbeitungszeit. Daten, die mehrfach benötigt werden, muss er nur einmal eingeben. Zudem kann er auch weitere Services von der Bereitstellung des Telefonanschlusses bis zum Umzugsservice buchen. „Dies schafft neue Kanäle für öffentliche Dienstleistungen, neue Einnahmequellen und indirekt auch eine Erleichterung für Bürger und Unternehmen“, sagt Nina Vayssière. Verwaltungsprozesse werden transparenter, verlässlicher und schneller.

Dank technischer Innovationen liegt SAP mit der Plattform „ganz weit vorn“, erklärt Projektleiterin Ulrike Greiner, Business Development Manager Schweiz bei SAP Research. Die wichtigste Errungenschaft ist die so genannte „dynamische Prozesskomposition“, die ohne Grundlagenforschung nicht möglich gewesen wäre. Zeitweise haben acht SAP-Forscher bei dem Projekt mitgearbeitet.

Flexible Prozesskomposition

Da am Prozess zur Gewerbeanmeldung je nach Branche mehrere Behörden und Kammern beteiligt sind, müssen je nach Kunden verschiedene Verwaltungsprozesse kombiniert werden – und dies über den gesamten Lebenszyklus des Unternehmens hinweg. Hier wäre eine traditionelle Software mit vordefinierten Prozessen viel zu unflexibel. „Mit semantischen Technologien können wir Eigenschaften der Dienstleistungen beschreiben, damit Prozesse dynamisch zusammenstellen und so die spezifischen Anliegen von Dienstleistern erfüllen“, erklärt Informatik-Professor und Semantik-Spezialist York Sure von der Universität Koblenz-Landau, der das Projekt bis Mai 2009 vom SAP Research CEC in Karlsruhe aus unterstützt hat.

Angestoßen hatten das Forschungsprojekt die Kollegen aus Business Development Public Sector und Produktmanagement, die die Bedeutung der EU-Dienstleistungsrichtlinie erkannten, als für die meisten Behörden noch unklar war, wie sie die Richtlinie umsetzen sollten. “Durch die intensive Kooperation mit SAP Research konnte das Konzept für die dynamische Prozesskomposition und -steuerung verifiziert werden, um dann Vorgaben für die Lösungsentwicklung zu liefern”, bemerkt Ulrike Brecht, die beim Business Development Public Sector für die Lösungsentwicklung zur Dienstleistungsrichtlinie verantwortlich ist.

SAP Research für die EU-Dienstleistungsrichtlinie

„Wir konnten die Ideen von SAP Research direkt für unsere Lösung zur EU-Dienstleistungsrichtlinie nutzen“, erklärt Manfred Ostertag, der als Solution Architect bei der IBU Constituent Services arbeitet. Noch in diesem Jahr werden die ersten Kunden die neue Lösung „Online Application Processing for Public Sector“ in Betrieb nehmen. Forschung und Entwicklung gehen indes weiter. „Unser Engagement für eine zukünftige Dienstleistungsplattform bleibt hoch, da unsere Kunden mehr und mehr höherwertige Services für den Bürger anbieten möchten.“

Gleich drei große Forschungsprojekte haben zu der Vision dieser Dienstleistungsplattform für öffentliche Verwaltungen beigetragen. Zum einen das TEXO-Projekt, das zu dem von der Bundesregierung initiierten Leuchtturmprojekt THESEUS gehört und die Dienstleistungswirtschaft im Internet erforscht. Ziel ist es, vorhandene Dienstleistungen auf einer webbasierten Plattform anzubieten und bedarfsgerecht zu verknüpfen, um so Dienste wie Produkte handelbar zu machen. Zum anderen kommen Ideen aus dem Projekt PICTURE, an dem neben SAP weitere Unternehmen und Universitäten sowie fünf europäische Stadtverwaltungen beteiligt waren, darunter Münster, Turin und Winterthur. Ziel des Projekts war es, Verwaltungsprozesse besser mit IT zu unterstützen und Behörden dadurch kundenfreundlicher zu machen.
Die technischen Neuerungen bauen schließlich auf dem von der SAP geleiteten und der Europäischen Union geförderten Projekt SUPER auf, das untersucht, wie sich semantische Technologien in der Welt der Unternehmenssoftware nutzbar machen lassen.

„Der Reiz liegt für uns darin, unsere Forschungsergebnisse so zu kombinieren und weiterzuentwickeln, dass sie für die Kunden der SAP einen Mehrwert liefern“, sagt Ulrike Greiner.

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