Vorhang auf für ASUG 2.0

Feature | 4. Oktober 2007 von admin 0

Die Schlagworte Web 2.0 und Enterprise 2.0 beherrschen die Geschäftswelt. Auf diesen Trend zur Vernetzung haben die ASUG-Präsidenten mit einem neuen Design ihrer Jahreskonferenz reagiert, das einen stärkeren Schwerpunkt auf Zusammenarbeit und Innovation legt.

Das Ergebnis: Mitte September fanden in San Francisco zum ersten Mal mehrere ASUG-Treffen gleichzeitig statt. Dabei ging es jeweils drei Tage lang um die Themen Enterprise Asset Management (EAM), Product Lifecycle Management (PLM), Supply Chain Management (SCM) und SAP Adaptive Manufacturing.

Mehr als 200 Arbeitsitzungen beleuchteten sämtliche Aspekte der Lieferkette, einschließlich spezieller Fragestellungen, etwa zur Compliance. Hauptthema war das Konzept „Manufacturing 2.0”. Der Begriff wurde erst in diesem Jahr von AMR Research geprägt und ist bereits in aller Munde. Colin Masson, Research Director und verantwortlich für Value-Chain-Strategien bei AMR, erläuterte in seinem Vortrag die große Bedeutung des Konzeptes für Unternehmen, die ihre Wertschöpfungskette optimieren wollen.

Ihm zufolge ist Manufacturing 2.0 eine Architektur, die über die traditionellen Modelle der ERP- und Manufacturing-Excecution-Systeme (MES) hinausgeht. Sie ermöglicht es Anwendern, ihre Lieferkette nachfrageorientiert zu steuern. Dreh- und Angelpunkte sind serviceorientierte Architektur (SOA) und Web-Services. Mit deren Hilfe satteln Vorreiter laut Masson bereits von einer starren Supply Chain auf ein dynamisches Netzwerk um, das Anbieter und andere Partner integriert.

„Co-Innovation ist eine Notwendigkeit,” betonte der Analyst. Er verwies dabei auch auf die Ergebnisse der jährlichen AMR-Studie „Supply Chain Top 25”, ein viel beachtetes Ranking, in dem das Marktforschungshaus die Unternehmen mit dem besten Supply Chain Management aufführt. Hier rangiert der SAP Global Partner Nokia auf dem ersten Platz, der SAP-Kunde Procter & Gamble steht an dritter Stelle.

Preisgekrönte ASUG-Innovatoren

Masson gab, gemeinsam mit David Broussell von der Zeitschrift „Managing Automation”, außerdem die Gewinner des Preises „Manufacturing Innovation Challenge“ bekannt, den SAP erstmals ausgelobt hatte. Mehr als 30 Unternehmen hatten sich beworben, die drei Besten wurden im Rahmen des ASUG-Treffens in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet. Whirlpool erhielt einen Preis für das „CLAW”-System (Conveyer Lane Assignment Warehousing). Dabei nutzt das Unternehmen SAP xApp Manufacturing Integration and Intelligence (SAP xMII) sowie ein Web-Interface, um die Betriebsdaten mit seinem Lagerverwaltungssystem zu verknüpfen. Doug Francis von Whirlpool erläuterte, wie das Unternehmen in seinem Distributionszentrum durch den Einsatz von CLAW die Transparenz des Fertigungsplans erhöht und Inventurprozesse optimiert.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Firma Geometric Software für ihr „Integrated Product Quality Management”. Das System verwendet 3-D-Funktionalität, SAP xMII und SOA, um die Design-, Einkaufs-, Fertigungs- und Vertriebsprozesse des Unternehmens zu synchronisieren. Mit dem System können Anwender Produktfehler in nur dreieinhalb Minuten finden, bewerten und beheben.

Der dritte Preisträger ist SEAL Consulting, ein SAP Services Partner, der für sein „Mobile Inspections”-System ausgezeichnet wurde. Es nutzt SAP ERP, SAP xMII, Technologie zur Handschriftenerkennung sowie Blackberry-Endgeräte, um die Ausstattung seiner Fabriken zu optimieren. Die Lösung beschleunigt mit Hilfe von Echtzeitdaten die Wartung der Maschinen und Anlagen und verbessert deren Betriebszeit.

SCM-Daten im Rampenlicht

In zahlreichen ASUG-Arbeitssitzungen standen konkrete Zahlen und Fakten im Mittelpunkt und boten den Teilnehmern die Chance, ihre Stärken im Bereich SCM untereinander zu vergleichen. So gab Hans Thalbauer, Vizepräsident bei SAP America für das Application Solution Management im Bereich SAP PLM, die Ergebnisse einer SCM-Studie bekannt, die Charter Consulting unter CEOs durchgeführt hatte.

Er betonte, dass laut der Studie „The CEO Perspective on Supply Chain Management” 82 Prozent der Top-Manager in den Initiativen zur Verbesserung der Lieferkette vor allem ein Mittel zur Kostensenkung sehen. Für 75 Prozent dieser CEOs hat gleichzeitig das profitable Wachstum höchste Priorität. Supply Chain Management gilt zwar als äußerst wichtiger Faktor in der Fertigung, aber nur für wenige CEOs ist es ein Mittel zur Wachstumssteigerung.
Vorgestellt wurden außerdem die Ergebnisse verschiedener SAP- und ASUG-Benchmarking-Initiativen. Die Benchmarking-Daten über das Transportmanagement lieferte Jeff Flammer von SAP America. Seinen Angaben zufolge garantieren die besten Unternehmen zu 98 Prozent eine termingerechte Lieferung. Im Durchschnitt liefern Unternehmen aber nur nur zu 89,6 Prozent pünktlich aus.

Auch der AMR-Report „Supply Chain Top 25“ für 2007 belegt die Bedeutung des Supply Chain Managements für den Geschäftserfolg. Nach Angaben des Analysten Colin Masson ziehen die führenden Unternehmen in diesem Bereich den dreifachen Nutzen aus ihrem Kapital und erzielen um 50 Prozent höhere Wachstumsraten. Zu den Besten in dem AMR-Ranking gehören außer Nokia und Procter & Gamble auch zahlreiche weitere SAP-Partner und -Kunden, etwa IBM, Cisco Systems, Tesco, Samsung oder Coca-Cola.

Erfolgsgeschichten aus der Praxis

Die ASUG-Veranstaltungen boten den SAP-Anwendern außerdem ein Forum für den Erfahrungsaustausch. Unter anderem berichteten Clint Johnson und Jimmy Mendoza von CPS Energy, wie das Unternehmen durch Automatisierung sein Papieraufkommen verringerte und gleichzeitig rechtliche Fragen in Angriff nahm. Gerry Schmidek von Nova Chemicals legte ausführlich dar, wie ein SAP-basiertes Railcar Management System dem Unternehmen hilft, Eisenbahnwaggons auf ihrem Transportweg zu verfolgen. Daniel Head von SoftBrands berichtete von Unternehmen wie Rich Products und VWR International, die in ihren größten Standorten SAP ERP einsetzen und SAP Business One in ihren kleineren Niederlassungen nutzen.

Solche Erfolgsgeschichten und Erfahrungsberichte gab es auf der Veranstaltung zuhauf. Darüber hinaus übertraf die große Teilnehmerzahl von insgesamt 1.200 Besuchern die Erwartungen bei weitem. Gerechnet hatte man mit 800 Teilnehmern. Cynthia Leamon, Director of Continuous Improvement bei NIBCO und ASUG Director of Education and Events, strahlte bei ihrer Bilanz daher übers ganze Gesicht: „Alles verlief bestens. Offensichtlich waren die Besucher mit den Inhalten und dem neuen Format sehr zufrieden.“ Die Teilnehmer hätten das breite Informationsangebot an den Ständen genutzt. Und die ASUG habe mit ihrem neuen Veranstaltungsformat erfolgreich die eigene Effizienz und Innovationsfähigkeit hervorgehoben – nach Web 2.0, ERP 2.0, Manufacturing 2.0 gibt es jetzt auch ASUG 2.0.

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