ATLAS: Die papierlose Zollabwicklung startet ab Juli 2009

Feature | 12. Januar 2009 von Dr. Rita Dillmann, Consultant itelligence AG 0

Vom 1. Juli 2009 an gelten neue Regeln für den Export von Waren jenseits der EU-Grenzen. Diese umfassen auch die Genehmigung bzw. Überlassung durch die Zollbehörden. Die Zollabwicklung erfolgt dann nur noch elektronisch über das „Automatisierte Tarif- und Lokale Zoll-Abwicklungs-System“ (ATLAS). Das elektronische Verfahren löst die aufwändige und fehleranfällige Bearbeitung von Papierformularen ab.

„Die meisten Unternehmen mit Teilnehmereingabe, ob global agierender Konzern oder exportorientierter Mittelständler, haben das ATLAS-Thema bereits auf ihrem Radar“, erklärt Klaus Pelz. Er ist Referatsleiter für Zoll und Außenwirtschaftsrecht bei der Industrie und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. „Zudem planen unseren Beobachtungen nach viele Unternehmen entsprechende Implementierungsprojekte oder führen diese bereits durch.“

Firmen, die bereits jetzt auf die ATLAS-Ausfuhr umstellen, sind für den Stichtag gut gerüstet, denn sie können das IT-Verfahren ausgiebig testen.

Ausfuhranmeldung via Internet

Bei der neuen ATLAS-Ausfuhr wählen Exporteure zwischen der Teilnehmereingabe (Unternehmen erstellen die Ausfuhrerklärungen selbst) über eine zertifizierte Software und der Internet-Ausfuhranmeldung (IAA). Alternativ kann die Kommunikation mit dem Zoll auch an ein so genanntes Clearing Center ausgelagert werden, einer zentralen Institution zum elektronischen Datenaustausch.

Bei der IAA wird die Ausfuhranmeldung online durch das ausführende Unternehmen ausgefüllt. Die Daten werden mit Hilfe eines Standardbrowsers verschlüsselt über das Internet an das Zentrum für Informations- und Datentechnik (ZIVIT) übertragen, dem IT-Dienstleister der Bundesverwaltung.

Papierloser und einfacher Exportprozess

Für den SAP-Partner itelligence AG liegen die Vorzüge des ATLAS-Verfahrens vor allem in der einfachen und sicheren Kommunikation zwischen dem Zoll und den Exportfirmen. Hinzu kommt die beschleunigte Zollabfertigung. Die papierlose Zollabwicklung gewährleistet ferner eine hohe Transparenz der Ausfuhrdaten. Nachrichten können rund um die Uhr ausgetauscht werden.

Die Teilnahme am IT-Verfahren des Zolls muss bei der „Koordinierenden Stelle ATLAS (KoSt-ATLAS)“ beantragt werden. Diese übersendet dem Ausführer (falls noch nicht vorhanden)

  • eine Zollnummer,
  • eine Beteiligten-Identifikations-Nummer (BIN) als Ersatz für die handschriftliche Unterschrift
  • sowie die Zugangsdaten zu den Zollsystemen.

UN/EDIFACT ist ein branchenübergreifendes und internationales Standardformat für elektronische Daten. Die Bezeichnung steht für United Nations Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport.

Die zentrale technische Voraussetzung für Unternehmen, die am ATLAS-Verfahren teilnehmen, ist der Einsatz einer vom Zoll zertifizierten Teilnehmer-Software. Diese bereitet die Frachtdaten zollgerecht auf. Der Nachrichtenaustausch erfolgt im Format UN/EDIFACT mittels Datenfernübertragungsprotokoll (DFÜ) X.400 oder via FTAM.

Unternehmen benötigen deshalb eine Kommunikations-Software, die Daten im EDIFACT-Format versendet, empfängt und das gewählte Datenübertragungsprotokoll unterstützt.

Datenaustausch via X.400 oder FTAM

Welches Protokoll sich für den Datentransfer mit dem Zoll am besten eignet, ist von unternehmensspezifischen Anforderungen abhängig. Bei X.400 (Telebox / BusinessMail der Deutschen Telekom) erfolgen die Abfragen der EDIFACT-Nachrichten vom Zoll periodisch, z.B. alle zwei oder fünf Minuten. Da jede Abfrage kostenpflichtig ist, können dafür pro Jahr Kosten im mittleren vierstelligen Euro-Bereich anfallen.

FTAM (via ISDN-Router) arbeitet dagegen bedarfsorientiert über eine ISDN-Verbindung und ist somit kostengünstiger. Firmen, die zahlreiche oder besonders dringliche Ausfuhren abwickeln, werden in der Regel das FTAM-Protokoll wählen.

Barcode-Scanner an der Grenze

Über die Kommunikations-Software melden Unternehmen ihre Ausfuhrdaten im EDIFACT-Format an die Zollstelle. Diese erfasst und bearbeitet die Ausfuhrdaten. Sobald die Ausfuhr vom Zoll genehmigt ist, erhält der Exporteur auf elektronischem Weg via Überlassungsentscheidung die Genehmigung zur Ausfuhr.

Gleichzeitig erreicht ihn ein Ausfuhrbegleitdokument (ABD) im PDF-Format, das mit einem Barcode versehen ist. Das Begleitdokument wird ausgedruckt und an der Grenze den Zollbeamten vorgelegt, die mit Barcode-Scannern den Strichcode einlesen. Auf diese Weise ist die im Zollsystem bereits hinterlegte und genehmigte Ausfuhr einfach zu identifizieren.

Durchgängig IT-gestützte Zollabwicklung

Für die elektronische Zollabwicklung gibt es bereits zahlreiche, vom Zoll zertifizierte, Lösungen. Speziell für Firmen, die SAP ERP einsetzen, empfiehlt sich die Implementierung der Außenhandelslösung SAP GRC Global Trade Services in Verbindung mit der Konverter-Software it.x-atlas des SAP-Partners itelligence AG. Die Software it.x-atlas basiert auf SAP NetWeaver Process Integration (SAP NetWeaver PI), dem funktionalen und technischen Nachfolger der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI).

Beide Lösungen fügen sich nahtlos in die vorhandene SAP-Landschaft ein und ermöglichen eine vollständig integrierte Zollabwicklung innerhalb bestehender logistischer Prozesse. Das sorgt für durchgängige Datenflüsse ohne Medienbruch, erhöht den Automatisierungsgrad zahlreicher Arbeitsabläufe und erlaubt eine elektronische Zollabwicklung aus einem Guss. Darüber hinaus werden alle exportrelevanten Informationen einheitlich und zentral verwaltet.

Alle am Ausfuhrprozess beteiligten Stellen erhalten diese im richtigen Format. Die zeit- und kostenaufwändige Pflege und Wartung von Schnittstellen zu Dritt-Systemen sowie die doppelte Datenhaltung entfallen.

it.x-atlas: Vorteile auf einen Blick

itelligence entwickelte die Konverter-Lösung it.x-atlas auf der Grundlage von SAP NetWeaver PI (vormals SAP NetWeaver XI) und der SAP-zertifizierten EDI-Adapter-Lösung it.x-change.

  • Vom Zoll zertifiziert;
  • Aufbau und Pflege von zusätzlichen Schnittstellen ist nicht erforderlich;
  • Die Anschaffung zusätzlicher Hardware entfällt, wenn SAP ERP und SAP NetWeaver PI beziehungsweise SAP NetWeaver XI bereits eingesetzt werden;
  • Medienbruchfreie und vollständig in SAP integrierte Prozesse beschleunigen die Ausfuhrabwicklung mit dem Zoll.

Mehr zur Funktionsweise der Lösung lesen Sie im zweiten Teil von „ATLAS-Verfahren: Papierlose Zollabwicklung startet ab Juli 2009“.

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