Auf die Kunden eingestellt

Feature | 26. Mai 2003 von admin 0

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln nahmen Marktanalysten, Marktforscher und SAP-Vertreter die aktuelle SAP-Nachfrage unter die Lupe und stellten Strategien für ein neues Umfeld vor. Denn die Zeiten haben sich geändert: Im Zuge knapper werdender IT-Budgets stehen der schnelle Return on Invest (ROI) und die Total Cost of Ownership (TCO) im Vordergrund. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorwiegend aus dem SAP-Partnerbereich informierten sich, wo auch unter diesen Vorzeichen Absatzpotenziale zu erschließen sind. Die Grundlage bildeten Erhebungen, die die Analysten und Marktforscher von RAAD und Lünendonk unter Anwendern und Anbietern von Software, IT-Beratung und IT-Services durchgeführt hatten.

SAP-Anwender im Visier

So nahmen die beiden RAAD-Analysten Nils Niehörster und Gero Brinkbäumer die SAP-Anwender ins Visier und stellten Marktsegmente, Zufriedenheiten, Produktanforderungen und Budgetplanungen vor. Eine RAAD-Umfrage zum SAP-Markt 2003 unter 4.600 SAP-Kunden ergab, dass sich 99 Prozent davon SAP R/3 bedienen, 16 Prozent der mySAP Business Suite und vier Prozent SAP R/2. Häufig wird mySAP Business Suite auf SAP R/3 aufgesetzt, so dass in einem Unternehmen beide Lösungen produktiv sind.
Während noch immer die Verarbeitende und die Grundlagenindustrie zu den Hauptabnehmern zählen, fand die SAP in den vergangenen Jahren in nahezu allen Branchen neue Kunden. Auch im Mittelstand haben sich SAP-Lösungen bereits sehr stark etabliert.
Als Anbieter überzeugt die SAP die befragten Unternehmen durch ihr fachliches Renommee, ihre wirtschaftliche Situation sowie ihre Service- und Supportqualität. Von der Produktseite her werden die Schulungen für Endanwender, die technische Ausgereiftheit der Lösung und der Aufwand für die Umstellung der IT-Infrastruktur sehr positiv beurteilt. Das SAP-Preismodell allerdings wird häufig als intransparent kritisiert.
Was künftige Investitionen betrifft, gaben 20 Prozent der befragten Unternehmen an, die Einführung von mySAP Business Suite zu planen: Zu den wichtigsten Vorhaben gehören SAP Business Information Warehouse (SAP BW), Customer Relationship Management (CRM), E-Procurement oder Supplier Relationship Management (SRM) und Supply Chain Management (SCM).

IT-Dienstleister zuversichtlich

Dass die Anbieter von IT-Beratung und -Services trotz schwierigem wirtschaftlichen Umfeld mit einem Aufschwung rechnen, zeigt die aktuelle Befragung des Marktforschungsunternehmens Lünendonk aus Bad Wörishofen. Sie wurde von Dr. Heinz Streicher vorgestellt.
Während die Hardware-Umsätze nach Einschätzung der befragten Unternehmen im laufenden Jahr sinken, wird für IT-Beratung, Systemintegration und IT-Services ein Wachstum von 1 Prozentpunkt auf 31,2 Milliarden Euro erwartet. Spitzenreiter soll dabei der Bereich Prozessing-Services/Outsourcing sein. Insgesamt wird der IT-Markt in Deutschland für 2003 auf 64,2 Milliarden Euro geschätzt. Im Jahr 2002 betrug er 63,6 Milliarden Euro: Davon entfielen 19,9 Milliarden Euro (31,3 Prozent) auf Hardware, 16,8 Milliarden Euro (26,4 Prozent) auf IT-Services, 13,5 Milliarden Euro (21,2 Prozent) auf IT-Beratung und Systemintegration und 13,4 Milliarden Euro (21,1 Prozent) auf Standard-Software. Für IT-Beratung, Systemintegration und IT-Services lagen die stärksten Marktsegmente in der Industrie, den Banken und Versicherungen. Zu den bedeutendsten aktuellen Marktthemen zählen Enterprise Application Integration (EAI), Customer Relationship Management (CRM) und E-Business.

Befragt nach derzeitigen Geschäftsproblemen gab der Großteil der befragten Unternehmen Nachfragemangel, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie niedrige Marktpreise und Honorare als Hauptgründe an. Trotzdem blickt die Branche optimistisch in die Zukunft: So erwarten führende IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen in Deutschland für die kommenden fünf Jahre ein jährliches Umsatzwachstum von fast zehn Prozent. Die meisten sind davon überzeugt, dass den Markt zunehmend Unternehmen dominieren werden, die integrierte Serviceleistungen, also Beratung, Realisierung und Betrieb in einem, anbieten.

Gute Noten für “Externe”

Wie schätzen die SAP-Kunden selbst ihren Service-Bedarf ein? Was können und wollen sie dafür investieren? Eine Befragung von RAAD Consult unter 1.800 Unternehmen beleuchtete die “Gegenseite” – und förderte interessante Markttendenzen aus Kundensicht zu Tage. So entfallen die externen IT-Services derzeit auf Schulungen, Business- und strategische Beratung, Software-Wartung/Support/Releasewechsel, Systemintegration und Beratung für Middleware, Implementierung und Customizing. Mit einer deutlichen Nachfragesteigerung ist zumindest für das kommende Jahr allerdings nicht zu rechnen: Vom weiteren Rückgang der IT-Budgets sind auch die IT-Services mit einem durchschnittlichen Budget-Anteil von 35 Prozent betroffen.
Wie die Studie der Münsteraner Analysten weiter zeigt, setzen die meisten SAP-Kunden auch bei externen Dienstleistungen auf die SAP (16 Prozent), gefolgt von IBM (9 Prozent), SBS (8 Prozent), T-Systems (6 Prozent) und SAP Systems Integration (5 Prozent). Für die Auswahl des IT-Dienstleisters ausschlaggebend sind vor allem Verlässlichkeit, Qualität und Pünktlichkeit, SAP-Fachwissen, Kompetenz und Beratungsprofil der Berater. Dass diese Anforderungen eingelöst werden, zeigen die guten Noten, die die befragten Unternehmen ihren IT-Dienstleistern durch die Bank geben.

Produktstrategie der SAP

Michael Kleinemeier, Managing Director SAP Deutschland und President Region EMEA Central, machte in seinem Vortrag deutlich, dass die SAP-Produktstrategie auf die künftigen Marktanforderungen eingestellt ist: “80 Prozent der Unternehmen investieren heute in IT-Lösungen, um ihre Betriebskosten drastisch zu senken. Mit Produkten wie mySAP Business Suite und SAP NetWeaver lassen sich diese Erwartungen nachweislich einlösen, denn sie tragen zur Optimierung und Integration von Systemlandschaften und somit zu erheblichen Kosteneinsparungen bei.”
Als Gesamtpaket aus E-Business-Lösungen, Services und Technologien vereint die mySAP Business Suite, so Kleinemeier weiter, sämtliche relevanten IT-Themen wie ERP, Integration und Web-Services: “Während eine IT-Welle früher die andere ablöste, verfolgt die SAP heute die Strategie ,Erweitern statt ersetzen’ und bietet damit das volle Leistungspotenzial technologischen Fortschritts.”

Mittelstand mit Partnern erobern

Dr. Michael Schmitt, Leiter Geschäftsbereich Mittelstand SAP Deutschland, erläuterte die SAP-Strategie für den hart umkämpften Markt der kleinen und mittelständischen Unternehmen: klare Branchenpriorisierung nach Potenzial und Marktanteil sowie gezielte Marktbearbeitung mit Partnern. “Unsere Partnerstrategie für den Mittelstand sieht einerseits den Aufbau von Top-Channel-Partnern vor, die wir mit systematischem Branchen- und Partnermanagement betreuen, andererseits die Produkterweiterung um Partnerlösungen”, so Michael Schmitt. “Mit diesem Give- & Get-Modell schaffen wir die Grundlage für ein gemeinsames Wachstum im Mittelstand.”

Sibylle Hofmeyer

Sibylle Hofmeyer

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