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Wird Augmented Reality Mainstream?

Feature | 22. Januar 2015 von Theresa Böhme 0

Augmented Reality wird immer mehr in modernste Technologien integriert. Drei Experten schildern ihre Zukunftsvisionen, wohin sich Augmented Reality bewegt.

Augmented Reality (AR) verbindet Produkte mit digitaler Information in Echtzeit. Auf der Augmented-Reality-Konferenz InsideAR in München nahmen nahezu 800 Besucher teil, um von Experten aus der Praxis Einblicke in die Welt von Augmented Reality zu erhalten. An welchem Punkt steht Augmented Reality derzeit? In der Sendung Coffee Break with Game-Changers auf SAP Radio hat sich eine Expertengruppe mit dem Thema beschäftigt.

Lesen Sie hier die Expertenmeinungen und Zukunftsaussichten zu Augmented Reality:

Bisherige Marktakzeptanz und Herausforderungen

Sascha Kiener, Business Development & Key Account Manager, Metaio: Die größte Herausforderung stellt bisweilen noch die Hardware dar, die in standardisierte Geräte für Endkonsumenten integriert werden muss. Derzeit haben Smartphones lediglich eine Kamera und damit eine 2D-Sicht. Was wir anstreben ist Hardware, die Dinge um uns erkennen kann, mithilfe mehrerer Kameras, zusätzlicher Sensoren oder kalkulierender Chips.

Raimund Gross, Strategic Technology Advisor Products & Innovation, SAP: Es entstehen Unmengen an digitalen Informationen, die immer mehr Einzug in die analoge Welt halten. Mit Google Glass wurde der Grundstein gelegt, Wearables erstmals für die breite Masse herzustellen und auch eine Art Standardhardware geschaffen. Für Google Glass ist die Marktakzeptanz da, obwohl verschiedene Meinungen existieren. Im deutschen Raum bestehen noch Fragen hinsichtlich des Datenschutzes. Viele sind jedoch neugierig, wie und wofür Google Glass eingesetzt werden kann.

Thomas Eckert, Innovation Manager, SAP: Bei der Einführung in den Massenmarkt bestehen noch Hindernisse. Meiner Meinung nach ist ein fundamentales Erfolgskriterium das Aussehen, die Attraktivität der Geräte. Seit Jahrtausenden spielt Attraktivität eine Rolle als ein Urinstinkt. Die momentan verfügbaren Hardware-Geräte sind optisch noch nicht ausgefeilt genug – und das hindert die Marktakzeptanz noch.

2018: Mehr als 200 Millionen Nutzer von Augmented-Reality-Apps

Juniper Research veröffentlicht in einer aktuellen Studie die Prognose, dass in fünf bis sechs Jahren der AR-Markt zirka 5 bis 6 Milliarden US-Dollar Marktgröße erreichen wird. 2018 werden mehr als 200 Millionen Nutzer AR-Apps auf ihren mobilen Endgeräten haben.

Kiener: Diese Ergebnisse bestätigen unsere Denke, dass AR ein großes Wachstumsfeld ist und künftig vermehrt sowohl auf mobilen Endgeräten als auch auf Wearables zu finden sein wird. Auch im Konsumgüterbereich ist AR künftig denkbar. Ein Beispiel ist das Ikea-Projekt, bei dem Gegenstände virtuell in die eigene Wohnung platziert werden können. Ein weiteres Einsatzszenario ist ein Make-Up-Produkt, das dem Kunden mithilfe von AR demonstriert wird. Die Möglichkeiten wären vielseitig: entweder als App auf dem Smartphone oder ein Spiegel, der dem Kunden zeigt, wie das Produkt aufgetragen aussähe. Ziel ist, dass AR standardisierte Features in Apps und auf mobilen Endgeräten werden – und dass so Kunden direkt mit dem Produkt im Laden interagieren können.

Gross: Vor allem in Konsumprodukten wird AR immer mehr Einzug halten und uns das Leben erleichtern. Den Menschen wird es gar nicht unbedingt bewusst sein. Bei Wearables werden Aussehen und Design erfolgsentscheidend sein. Jedoch kann durch Miniaturisierung und weitere Präzision bald erreicht werden, dass sich Produkte mit AR-Funktionen von solchen ohne kaum noch unterscheiden.

Eckert: AR bietet definitiv Vorteile sowohl im Konsumgüterbereich als auch auf Unternehmensseite. Das Beispiel von Lego, bei dem durch die Kamera das fertige Lego-Objekt in dreidimensionaler Form erscheint, bietet dem Kunden einen großen Mehrwert. Auf Unternehmensseite könnte AR beispielsweise bei der Zustellung von Produkten helfen. Mithilfe von AR könnte der Mitarbeiter den Weg zum Kunden schneller und einfacher finden.

Große Bedeutung für die Industrie

Kiener: Augmented Reality schafft Wert im Unternehmen, über verschiedene Funktionsbereiche hinweg. Vor allem die Spiele- und die Wearables-Industrie werden die großen Treiber für AR sein, da sie in die neuesten Technologien investieren.

Gross: Im Industriebereich sind Faktoren wie Kosten und Design weniger relevant. Unternehmen werden AR nutzen, da es ihnen einen Mehrwert in Form von vereinfachten und schnelleren Produktionsprozessen, Qualitätsmanagement und Kostenersparnissen bietet.

Eckert: Im Industriebereich wird Aussehen der Hardware kein Hindernis darstellen. AR wird für Unternehmen gänzlich neue Möglichkeiten in Form modernster Technologien eröffnen, von denen wir heute noch nichts wissen. Die Art und Weise, wie wir mit Computern interagieren, wird sich komplett verändern. Ein Vorreiter wird die Spieleindustrie sein, die die neuesten Geräte unabhängig von der Optik nutzen wird.

Eine Zielgruppe über Generationen hinweg

Kiener: Sobald es von Smart Glasses optisch standardisierte Modelle gibt, werden sich nicht mehr nur Technikaffine dafür begeistern, sondern auch alle anderen – und zwar generationsübergreifend.

Gross: 2017 werden 30 % der Smart Wearables komplett unauffällig und nicht als solche erkennbar sein. Das heißt sie werden früher oder später Einzug in das Alltagsleben halten – ohne, dass wir es merken.

Eckert: Ich vergleiche Wearables mit dem Smartphone. Bei Smartphones führte die Touchscreen-Funktion letztendlich zum breiten Erfolg. Sobald Wearables leichter zu bedienen sind, werden sie bei Nutzern beliebter – und sodann Mainstream werden.

Augmented Reality – die Zukunftsaussichten

Kiener: Augmented Reality wird die Art und Weise verändern, wie wir mit Technologie und digitalen Daten umgehen. Software wird zukünftig die Umgebung wahrnehmen können. Ob ein Hund auf der Straße, der erkannt und umgangen wird, oder das Licht per App von unterwegs ausschalten – den digitalen Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Vielleicht brauchen wir in ein paar Jahren lediglich Kontaktlinsen, um die Informationen abzurufen.

Gross: Die Kosten für Hardware werden sich verringern und die Miniaturisierung wird immer mehr voranschreiten.

Eckert: Die Art und Weise, wie Computer gesteuert werden, verändert sich. Vielleicht ist bald eine Steuerung über das Gehirn und Gedanken Wirklichkeit. Die zukünftigen AR-Geräte werden das komplette Sichtfeld einnehmen und es ermöglichen, zu jeder Zeit an jedem Ort mit dem Gerät Informationen zu beziehen.

Hören Sie sich die Diskussion zum Thema Augmented Reality auf SAP Radio an.

 

Bildquelle: Shutterstock

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