Aus Ideen Software schmieden

Feature | 13. Dezember 2006 von admin 0

Ob Schuhe, Handtaschen oder Uhren – wer als deutscher Tourist über den Markt im In- oder Ausland schlendert, weiß, dass er dort viele gefälschte Markenartikel kaufen kann. Mittlerweile überschwemmen die Plagiate aus der ganzen Welt die Urlaubsstrände und Flohmärkte. Vereine, Unternehmen, Organisationen und Behörden versuchen die Flut der falschen Produkte mithilfe von Gesetzen und diversen Produkttests einzudämmen. Doch nicht nur in den Köpfen der direkt davon Betroffenen bewegt sich etwas. So erkunden beispielsweise einige SAP-Mitarbeiter, ob und wie ihre Software im Fall von Produktpiraterie Unternehmen, ehrlichen Händlern, Konsumenten oder Behörden helfen kann.
Aus dieser Idee bildete sich ein Mitarbeiterteam mit Projektleiter Zoltán Nochta an der Spitze. Im Mittelpunkt dabei: die Echtheitsüberprüfung von Produkten. Die Gruppe forscht unter der Leitung von SAP INSPIRE an einer entsprechenden Softwarelösung, die den Prüfprozess unterstützt. Der Prototyp wird derzeit entwickelt. Er überprüft die Echtheit eines Produkts schon während des Kaufs oder aber beim Übertreten der Landesgrenze. SAP PROduct VErification (PROVE) identifiziert das gefälschte Produkt rasch und sicher mithilfe von fünf verschiedenen Prüfmethoden. Damit lassen sich auch Anomalien innerhalb der Wertschöpfungskette aufspüren. Die automatisierten Plausibilitätsprüfungen stützen sich dabei auf die dafür relevanten Geschäftsdaten von Unternehmen. Diese liefern zudem Hinweise auf eventuelle Grau- oder Schwarzmarktaktivitäten.

Jeder Einfall zählt

Im Prinzip ist jedes Unternehmen ein Innovationsmotor. Angetrieben wird er vor allem durch die Ideen der Mitarbeiter. SAP INSPIRE weiß um diese wichtige Kraftquelle und sorgt dafür, dass Anregungen nicht ungehört im Geist des Erfinders versickern. So kann beispielsweise jeder Mitarbeiter bei SAP über das Mitarbeiterportal auf den Seiten von SAP INSPIRE Ideen detailliert darlegen. Überzeugen sie das IINSPIRE-Team, so lädt die SAP-Gruppe den Ideengeber ein und bittet ihn, seine Vision und deren Relevanz vorzustellen.
SAP INSPIRE füllt seinen Ideentopf jedoch nicht nur mit den Einfällen der SAP-Mitarbeiter. Die Gruppe lädt zudem regelmäßig zu Think-Tank-Veranstaltungen ein. Die intensiven Diskussionsrunden zur Ideenfindung finden in SAP-Entwicklungszentren und SAP Labs statt. Bei den zweitägigen Treffen in Palo Alto, Montreal, Walldorf, Sofia, Bangalor oder Tokio bringt SAP INSPIRE den Erfindergeist von Mitarbeitern, Geschäftspartnern oder auch von Kunden auf Touren: Die Teilnehmer entwickeln gemeinsam Hunderte von Ideen. Das erfahrene Expertenteam hat die Aufgabe, den Ablauf der Konferenzen zu organisieren und den Austausch aktiv zu fördern.

Der Think-Tank als Kreativzentrum

Was SAP INSPIRE bereits erreichte

Was SAP INSPIRE bereits erreichte

Am Anfang einer jeden Innovation steht das Brainstorming. Dabei werden alle Einfälle rund um ein Schwerpunktthema zusammengetragen, das gemeinsam mit dem Management vor Ort präzise definiert wurde. Eine einleitende Präsentation stimmt die Teilnehmer auf dieses Thema ein. Anschließend setzen sie ihre Ideen dazu frei – alles ist erlaubt. Nach der Ideenfindung geht es mit einem mehrstufigen Auswahlverfahren weiter. Zunächst klopfen die Spezialisten von SAP INSPIRE die Ideen auf ihre Umsetzbarkeit ab und feilen an ihnen. Sie befreien sie von unbrauchbarem Ballast und arbeiten sie in einer weiteren Evaluierungsphase präzise aus. Es wird überprüft, ob die Ideen zum Produktportfolio von SAP passen, und welcher Nutzen und Entwicklungsaufwand zu erwarten ist.
Bevor die ausgearbeiteten Ideen dem SAP-Vorstand präsentiert werden, beurteilt und verdichtet sie zunächst ein Steering-Commitee. Manager und Entwickler agieren zusammen in einer Feedbackrunde und geben dabei wichtige Hinweise für die weitere Ausarbeitung der Ideen. Im finalen Schritt werden die besten Ideen dem Vorstand vorgelegt. Dieser analysiert die Vorschläge dann bis ins Detail und hinterfragt sie kritisch. SAP INSPIRE übernimmt in dieser Runde die Rolle der Verteidigung und setzt alles daran, die Ideen beim Vorstand durchzusetzen. Doch der intakte Qualitätsfilter bei SAP sondert gut aus. Beispielsweise ging SAP INSPIRE 2005 mit mehr als 400 Vorschlägen an den Start. Aber nur für die vier Projekte Ask SAP, SimCorp, icMap und PROVE stellte der Vorstand nach dem Qualifizierungsprozess Mittel für die anschließende Entwicklung bereit.
Gibt der Vorstand die Projektidee zur Umsetzung frei, beginnt die Incubator-Phase. Ein kleines Projektteam von bis zu fünf Mitarbeitern – oftmals vom Ideengeber geleitet – baut einen Prototyp. Dieser lässt sich bereits im Zusammenspiel mit anderen SAP-Produkten verwenden, muss aber noch nicht allen Industriestandards entsprechen. Innerhalb eines Zeithorizonts von zwölf bis 18 Monaten geht das Projekt in die Übergabephase, sprich der Prototyp wird an eine Produkt- oder Serviceabteilung oder an ein speziell zusammengestelltes Team weitergegeben. Dieses führt den Prototyp dann zur Marktreife.
Die Ideen-Spezialisten von SAP INSPIRE greifen auch erfrischende Ansätze aus anderen Märkten, anderen Ländern oder dem Internet auf. Allerdings sind alle diese Fundgruben meist weniger ergiebig wie die Think-Tank-Konferenzen. Fernab von festen Arbeitsstrukturen und dem Alltagsgeschäft beflügeln sie die Phantasie der Teilnehmer, fördern die Spontaneität sowie die Interaktivität und schaffen so einen fruchtbaren Nährboden für die Ideenproduktion – die Teilnehmer können hier ihren Gedanken freien Lauf lassen.

Gemeinsam Innovation vorantreiben

Hin und wieder bindet SAP INSPIRE auch andere Unternehmen in die Incubator-Projekte mit ein, beispielsweise dann, wenn diese über eine spezielle Schnittstellen- oder Prozesskompetenz verfügen. Doch in der Regel organisiert SAP Research die enge Kooperation mit Forschungspartnern. Dazu zählen Universitäten, Forschungsinstitutionen oder Technologiepartner, Kunden und öffentlicher Sektor. Sie führen Projekte gemeinsam durch, befruchten sich dabei gegenseitig, teilen Arbeit und Risiko. Derzeit hat die Forschungsorganisation der SAP ein globales Netzwerk mit weit mehr als 200 Partnern.
Die Zusammenarbeit mit universitären Einrichtungen beschäftigt sich oft mit Lösungsansätzen, die als Produkt nicht sofort den Durchbruch schaffen, aber über sie lässt sich herausfinden, welche Entwicklungen in den kommenden drei bis fünf Jahren relevant für den Markt werden könnten. Ein Beispiel: SAP Research untersucht gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Hier wird versucht, Informationen aus einer SAP-Lösung alleine mithilfe drahtloser Headsets und Sprachbefehlen abzurufen oder einzugeben. Auf diese Weise erhalten die Mitarbeiter Informationen aus der SAP-Lösung, ohne dabei ihre manuellen Tätigkeiten unterbrechen zu müssen. Ziel ist es, einen ganz neuen Kommunikationskanal zwischen Anwendern und SAP-Software zu öffnen.
Die Kooperation mit der Technischen Universität Darmstadt erfolgt direkt vor Ort im “Campus based Engineering Centers” (CECs). Zudem gibt es noch die “SAP Research Centers” (SRCs). Sie sind im Unterschied zu den CECs dort angesiedelt, wo sich auch die SAP Labs befinden. Gesteuert werden die globalen Forschungsaktivitäten von Walldorf aus. Zurzeit forscht SAP Research an neun Standorten weltweit.

Lutz Heuser

Lutz Heuser

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