Bankenstudie von Accenture und SAP sieht Trend zur Erneuerung von Kernbanksystemen

Feature | 6. September 2005 von admin 0

Beinahe die Hälfte der Befragten fürchten eine Einschränkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch zu hohe Gesamtbetriebs- und Wartungskosten. Ein großer Teil der IT-Entscheider geht davon aus, dass eine komponentenbasierte, serviceorientierte Architektur (SOA) ihre IT-Landschaft zukünftig entscheidend prägen wird. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in Kopenhagen auf einem der wichtigsten Jahreskongresses der Finanzindustrie, der Sibos 2005, veröffentlicht. Beinahe die Hälfte der befragten Führungskräfte nannte zudem mangelnde Systemintegration als ein weiteres Hemmnis ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Viele Banken – 30 Prozent in Europa, mehr als 35 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum und mehr als 20 Prozent in Nordamerika – planen deshalb, innerhalb der nächsten fünf Jahre ihre Core-Banking-Systeme auszutauschen.
Die Studie “Redefining Core Banking” untersucht den aktuellen IT-Status und dessen Auswirkungen auf die Prozessabläufe der Banken sowie den Planungsstand zur Umgestaltung der Kernbanksysteme. Die Studie ist die erste ihrer Art, die sowohl die Meinungen hochrangiger Fach- und IT-Verantwortlicher als auch die von Mitarbeitern auf der Geschäftsstellenebene – den tatsächlichen Nutzern der Systeme – untersucht. Die Umfrage umfasste 1.500 Teilnehmer aus Instituten aller Größen, darunter 43 der weltweiten Top-100-Banken. 40 Prozent der Befragten kamen aus dem europäischen, jeweils 30 Prozent aus dem asiatisch-pazifischen und dem nordamerikanischen Raum. “Die Wartung ihrer Kernbanksysteme ist für die IT-Abteilungen der Finanzinstitute überall auf der Welt das größte Problem”, erklärt Octavio Marenzi, CEO des Marktforschungsinstituts Celent, welches mit der Studie betraut war. “Zunehmend dynamische Märkte und ein verstärkter Wettbewerb erhöhen den Druck auf die Banken, sich mit Produktinnovationen und verbesserten Kundenbeziehungen im Markt zu behaupten. Dies wird viele Institute dazu bewegen, ihre IT-Architektur innerhalb des kommenden Jahrzehnts grundlegend zu überdenken und umzugestalten.”

Filialmitarbeiter verlangen Reduktion der Backoffice-Aufgaben

Die Kernbank-Thematik ist vor allem für Mitarbeiter in den Bankfilialen von höchster Bedeutung: In der Umfrage werden die täglichen Herausforderungen genannt, mit denen sie durch die seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen Systeme konfrontiert sind, und die vor allem den Kundenservice beeinträchtigen:

  • Fast 40 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Filialmitarbeiter mit kundenbezogenen Backoffice-Aufgaben anstatt mit direkter Kundenbetreuung. Im asiatisch-pazifischen Raum sind dies sogar 48, in nordamerikanischen und europäischen Banken hingegen “nur” 36 beziehungsweise 34 Prozent.
  • Verbesserung der Antwortzeiten (38 Prozent) und Anwendungsintegration (38 Prozent) haben für die Filialmitarbeiter Top-Priorität. Schnellere Antwortzeiten waren ein besonderes Anliegen in Europa (50 Prozent), während die Integration verschiedener Anwendungen im asiatisch-pazifischen (41Prozent) und im nordamerikanischen Raum (38 Prozent) im Vordergrund stand.
  • Prozessverzögerungen zählen zu den am häufigsten vorkommenden Schwierigkeiten, erklärten 50 Prozent der hier Befragten. Als weitere Herausforderungen wurden inkonsistente Kundendaten sowie fehlendes Verständnis für Kundenbedürfnisse genannt.
  • Die Optionen zur Ausweitung bestehender Kundengeschäfte wurden unterschiedlich bewertet. 54 Prozent der Befragten aus dem asiatisch-pazifischen Raum sind der Ansicht, dass dazu die Kundenbedürfnisse besser verstanden werden müssen. 55 Prozent der Teilnehmer in Europa und 41 Prozent in Nordamerika gaben hingegen an, mehr Zeit für die Kundenbetreuung zu benötigen.

Bankmanager fordern mehr Flexibilität und Anwendungsintegration

Veraltete Systeme sind aus Sicht der befragten Bankmanager die Hauptgründe für mangelnde Flexibilität. Durch permanente Anpassungen sind die Lösungen unnötig komplex und zudem schwer wartbar. “Die Umfrage zeigt deutlich, dass viele führende Banken die Notwendigkeit sehen, ihre internen Abläufe zu vereinfachen”, erläutert Frank Mang, Geschäftsführer im Bereich Financial-Services bei Accenture. “Sie planen daher neue Core-Banking-Systeme, die auf einer flexiblen, robusten und zukunftstauglichen IT-Architektur basieren: Dafür benötigen sie eine serviceorientierte IT-Architektur. Dieser komponentenbasierte Ansatz ersetzt unnötig komplexe IT-Systeme und erlaubt es, die IT optimal auf das Geschäftsmodell abzustimmen. Er schafft die Flexibilität, um neue Geschäftsmöglichkeiten der Zukunft zu erschließen.”
Die Umfrage ergab, dass Fach- und IT-Entscheider stark differierende Erwartungen bezüglich des hauptsächlichen Nutzens eines Core-Banking-Systems haben: 39 Prozent der Manager wünschen sich ein System, das auf Produktinnovation fokussiert, während IT-Verantwortliche vorrangig ein System erhoffen, das die Ausgaben hierfür reduziert (40 Prozent).

Die Kosten müssen sinken

Zu hohe Kosten der vorhandenen Core-Banking-Systeme wurden von der Hälfte aller befragten Führungskräfte als Problempunkt genannt. Die Studie ergab, dass Banken die Hälfte ihrer gesamten IT-Budgets für Core-Banking ausgeben. Ein Großteil dieser Ausgaben umfasst die Anpassung des Systems an neue Produkte oder die Entwicklung neuer Systemfunktionen. Im asiatisch-pazifischen Raum geben Banken sogar 70 Prozent ihres IT-Budgets für die Wartung und Pflege ihres Kernbanksystems aus.
“Banken müssen ihre Kernsysteme zukunftssicher gestalten, um eine flexible, anpassbare Lösung zu erhalten, die auch zukünftige Veränderungen der Branche und Produkte abbilden kann”, kommentiert Thomas Balgheim, Senior Vice President Financial Services bei SAP. “Wir stehen im Bankenbereich am Beginn einer Industrialisierung der Informationstechnologie, mit Parallelen zu den IT-Umwälzungen etwa in der Fertigung. Durch ein modernes Core-Banking-System können Banken Kosten sparen, die Mitarbeiter sich verstärkt auf die Kunden fokussieren und ihnen bedarfsgerechte Produkte und Preismodelle anbieten.”

Systemerneuerung mit SOA

Ein großer Teil der befragten IT-Entscheider geht davon aus, dass eine komponentenbasierte, serviceorientierte Architektur ihre IT-Landschaft zukünftig entscheidend prägt. Allerdings haben bislang nur wenige Banken eine konkrete technologische Road-Map entwickelt. Die Mehrheit der beteiligten Banken hat jedoch klare Vorstellungen davon, wie sie auf ihre geplanten Core-Banking-Systeme migrieren wollen. 49 Prozent der IT-Entscheider und 50 Prozent der fachlichen Führungskräfte wollen pro Produktlinie auf neue Systeme migrieren, die zweithäufigste Nennung lag auf der Migration pro Funktionsbereich (28 Prozent der IT-Entscheider, 29 Prozent der Geschäftsverantwortlichen).

Quelle: SAP AG

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