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BierKuLT: Integrationstests dauern länger als geplant

15. Dezember 2015 von Peter Hasmann 0

#SAPLIVEBLOG Nach ursprünglichen Planungen sollten die Integrationstests bis zum 21. November 2015 abgeschlossen sein. Doch noch immer dauern sie an. Die Gründe.

Länger als geplant laufen derzeit die abschließenden Integrationstests und zeitgleich die bereits begonnenen Vorbereitungen für den Go Live. Die Gründe liegen in neuen Anforderungen, die wir erst in den Integrationstests erkannt haben, an Funktionalitäten, die noch nicht die erwarteten Ergebnisse liefern und an personellen Engpässen. Ändern sich zum jetzigen Zeitpunkt noch Funktionen, bedeutet das für das Finanzwesen und Controlling, dass deren Integrationstests in der Regel noch nicht abgeschlossen werden können, da sie oft das letzte Glied in der Kette sind. Um den Go-Live-Termin aber wie geplant einhalten zu können, haben wir die Produktivvorbereitungen nun parallel zum Integrationstest gestartet.

Einige Gründe im Einzelnen:

1. Produktion: Funktionalität noch unvollständig und Ausfall eines Key-Players

Die Schnittstelle des SAP-Systems mit dem Produktionsplanungstool Qualifax läuft zwar technisch einwandfrei und stabil. Allerdings wurde durch die Tests klar, dass bei der Funktionalität noch Nachbesserungsbedarf besteht. Insbesondere geht es hier um Vereinfachungen der Masken, in denen die User die Rückmeldungen zu Produktionsaufträgen durchführen und anschließend per Schnittstelle ins SAP übertragen werden. Durch einen temporären Ausfall eines Key-Players waren wir zusätzlich gezwungen, die Nachtests weiter zu verschieben.

2. Nachschublieferungen: Komplexe Abhängigkeiten und Keyuser mit Ressourcenengpass

Um für die Kunden der Ottakringer Brauerei und von Kolarik & Leeb einen hohen Lieferservice und Versorgungssicherheit zu garantieren, wurden interne Liefer- und Leistungsbeziehungen etabliert, bei denen unter anderem der interne Logistikdienstleister Trinkservice GmbH bei der Beschaffung, Lagerung und Auslieferung eine wichtige Rolle einnimmt. Die damit verbundenen Prozesse sind komplex und schwierig als End-to-End-Szenario zu testen, denn dazu sind viele Beteiligte notwendig. Das haben wir ein Stück weit unterschätzt. Verbunden mit einem verspäteten Testbeginn und Ressourcenengpässen auf Key-User-Seite haben wir hier eine weitere Verzögerung zu verzeichnen. Die abschließenden Checks im Finanzwesen und Controlling schließen sich dann noch an.

3. Befundung von Rückware als interne Serviceleistung

Auch die Befundung von Rückware gehört zu jenen Serviceleistungen, die im Sinne einer effizienten und zeitnahen Abwicklung im Rahmen unserer internen Liefer- und Leistungsbeziehungen abgewickelt werden. Die Herausforderung dabei besteht darin aus dem Produkt und dem Endkunden zu ermitteln, welche Verrechnungsschritte von welcher Partei auszuführen sind, und diese dann mit den richtigen Mengen und Preisen abzubilden – und zwar alles voll automatisiert ohne Eingriff eines End-Users.

Wie der Integrationstest gezeigt hat, hat das Regelwerk, das der Automatisierung der Verrechnung zu Grunde liegt, bei der Befundung nicht wie geplant gegriffen. Die notwendigen Korrekturen an Customizing und Zusatzentwicklung wurden sofort in Angriff genommen, die Nachtests dazu stehen noch aus.

4. Schnittstelle zur Tourendisposition: Plan B erforderlich

Um bei der Tourendisposition optimale Ergebnisse zu bekommen, haben wir uns entschieden, die auf die Anforderungen der Getränkebranche spezialisierte Software LOGO3 einzusetzen und an das SAP-System anzubinden.

Leider mussten wir im Rahmen des Tests feststellen, dass das Zusammenspiel der Systeme noch nicht funktioniert. Aufgrund von Ressourcenengpässen ist auch davon auszugehen, dass zum geplanten Go-Live die volle Funktionalität noch nicht verfügbar sein wird. Das zwingt uns dazu, für die Tourendisposition einen temporären Plan B aufzustellen. Hier sind wir in der glücklichen Situation, dass das SAP-System Funktionen für die Tourenposition im Standard mitliefert. Ein Team prüft nun, wie wir diese Funktionen einsetzen können, bis die Schnittstelle zur Tourendisposition voll einsatzfähig ist. Auch der Plan B muss natürlich noch integrativ getestet werden, bevor er freigegeben wird.

Jeder einzelne durch diese Nachtests und Erweiterungen bedingte Zusatzaufwand bindet Mitarbeiter, so dass das Jonglieren mit Ressourcen jetzt zu einer enormen Herausforderung wird. Gerade die Konzentration auf funktionale Fehler erfordert in der Regel viel Zeit, die dann für vergleichsweise kleine – aber auch nötige – Eingriffe fehlt. Es wird zweifellos Improvisationstalent erforderlich sein, um bis zum 1. Januar 2016 mit allen Vorbereitungen fertig zu werden. Ich bin trotzdem absolut zuversichtlich, dass wir das schaffen werden. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Konzentration der verfügbaren Ressourcen auf das Wesentliche. Ganz ehrlich: Neue Anforderungen nach der Implementierungsphase und Nachtests zu den Integrationstests sind zwar nicht schön, kommen aber auch nicht unerwartet. Das kennt man so aus komplexen Projekten.

SIE FRAGEN, UNSERE EXPERTEN ANTWORTEN!

Stellen Sie Ihre spezifischen Fragen zu dem Projekt BierKuLT an unsere Experten von Scheer Austria und Ottakringer aus dem Blogger-Team über liveblog@sap.com und via #SAPLIVEBLOG.

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2 comments

  1. hARTwig

    Das Theme “Ressourcen” (eigentlich sprechen wir ja von Menschen) und die empirisch-auffällige Korrelation mit “Engpass” zieht sich wie ein roter Faden durch die Softwareprojekte.
    Werden Softwareprojekte in der Umsetzung unterschätzt?

    • Peter Hasmann

      Projekte definieren sich ja als neuartig, inhaltlich und sozial komplex, riskant und dynamisch. Das gilt natürlich auch für Softwareprojekte. Jede Ressourcenplanung zu Beginn eines Projektes basiert auf den zu diesem Zeitpunkt gegebenen Rahmenbedingungen und Vorgaben. Ändern sich diese während des Projektes so unterliegen auch die Ressourcen dieser Dynamik und müssen entsprechend angepasst werden. Das ist bei der Ressource Mensch = ProjektmitarbeiterInnen die spannende Herausforderung, stehen diese doch üblicherweise nicht kurzfristig mehr als geplant (Anzahl oder zeitliche Verfügbarkeit) zur Verfügung. Auch ein „Puffer“, wie das bei den Ressourcen Zeit und Budget eingeplant werden sollte um Engpässen zu begegnen, ist bei der Ressource Mensch praktisch nicht möglich. Vor diesem Hintergrund würde ich meinen: Nein, Softwareprojekte werden in der Umsetzung nicht grundsätzlich unterschätzt, aber Ja, Ressourcenengpässe sind impliziter Teil vom Projekten.

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