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Studie zu Big Data: Der Wille ist da

Feature | 5. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Die große Mehrheit von Entscheidern hält Echtzeitinformationen für essenziell, doch nur jedes vierte Big-Data-Projekt ist tatsächlich erfolgreich. Eine Spurensuche anhand einer Studie von SAP-Partner Capgemini.

Need of Speed: Auf keine Frage antworteten die mehr als 1.000 weltweit von Capgemini befragten Entscheider öfter zustimmend, als auf die Frage, ob Manager in der Zukunft Informationen in Echtzeit benötigen würden. Und kein deutscher Ausdruck beschreibt prägnanter, was Entscheider wollen: Nämlich über aktuelle Entwicklungen immer auf dem Stand sein – ohne Verzögerung.

Big Data: Deutschland hängt weltweiter Entwicklung hinterher

Auch wenn die Unternehmen in Deutschland der weltweiten Entwicklung offenbar etwas hinterherhinken: Big-Data-Projekte haben Konjunktur. So nutzt in Deutschland bislang etwa jedes fünfte Unternehmen Big-Data-Analysen, weitere zwanzig Prozent pilotieren derzeit entsprechende Projekte oder haben sie bereits abgeschlossen – so Zahlen aus der IT-Trend-Studie von Capgemini vom Januar 2015. Weltweit, das zeigt die neueste Big-Data-Studie „Big & Fast Data: The Rise of Insight-Driven Data“ vom März 2015, sind die Unternehmen schon ein Stück weiter: Etwa die Hälfte aller Unternehmen haben Big-Data-Technologien bereits implementiert, weitere 21 Prozent planen ihren Einsatz.

Klar ist: Dem Thema Big Data können sich die Unternehmen nicht länger verschließen. Denn:

  • … es besteht das Risiko, dass die Wettbewerbsfähigkeit darunter leidet, auf den Einsatz von Big Data zu verzichten. 65 Prozent der Befragten stimmten hier zu, während nur zehn Prozent gegenteiliger Meinung waren.
  • … Big Data ermöglicht branchenfremden Unternehmen, in traditionelle Industrien vorzudringen. Sogar Start-ups könnten mit datengetriebenen Ansätzen etablierten Unternehmen einen ernsthaften Wettbewerb liefern. Diese Meinung vertreten 64 beziehungsweise 53 Prozent der Befragten.

Vom Wettbewerb getrieben sollten die etablierten Unternehmen also darauf aus sein, in Prävention zu investieren. Ziel ist es, ihr eigenes Geschäft effizienter zu machen, Kosten reduzieren zu können, durch eigene disruptive Modelle den Markt weiter an sich zu ziehen und durch ein tieferes Marktverständnis neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) stehen in den kommenden drei Jahren Investitionen in Big Data an. Nur jedes zwanzigste Unternehmen will demnach weniger Geld für entsprechende Initiativen ausgeben.

Entscheider sehen 73 Prozent der Big-Data-Projekte als gescheitert an

Allerdings ist die digitale Transformation ein weitaus größeres Vorhaben als der Einstieg in Big Data mit einem Pionierprojekt. Vorreiterinitiativen müssen nicht gleich erfolgreich sein: So halten 73 Prozent der befragten Manager entsprechende Projekte bislang nicht für erfolgreich. Die Gründe liegen vor allem in der Entwicklung, die derzeit offenbar zu behäbig ist. Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) ist der Ansicht, dass die Entwicklungszyklen für die Fachverantwortlichen einfach zu lang sind und 52 Prozent der Befragten sehen den Grund im Entwicklungsprozess.

Entscheidet fordern deutlich mehr Geschwindigkeit ein. Allerdings sind die Entwicklungszyklen in der IT offenbar noch nicht immer gerüstet. Grafik: Capgemini, 2015

Entscheider fordern deutlich mehr Geschwindigkeit ein. Allerdings sind die Entwicklungszyklen in der IT offenbar nicht immer gerüstet. Grafik: Capgemini, 2015

Allerdings gibt es Hoffnung: Denn immerhin jedes fünfte Unternehmen sieht sich hier bereits gut aufgestellt – hat also die Geschwindigkeit offenbar schon den Anforderungen aus den Fachbereichen angepasst. Das zeigen auch die Erkenntnisse der Capgemini-Experten: Demnach stecken 43 Prozent der Unternehmen bereits mitten in Restrukturierungen, um die mit Big Data verbundenen Aufgaben bewältigen zu können. Eine Kernherausforderung allerdings liegt derzeit noch darin, geeignetes Personal zu finden. Immerhin jedes dritte Unternehmen verankert die Bedeutung des Themas Big Data auch für die Mitarbeiter nun mit der Einführung einer neuen Managementfunktion, der des Chief Data Officers.

Unternehmen abgeschreckt von Investitionen in Projekte, Mitarbeiter und Technologie

Doch zeigen die wichtigsten Hürden auf dem Weg zu Big Data, dass es vor allem die Mitarbeiter des dann implementierten Chief Data Officers sind, die den Unternehmen fehlen. Capgemini befragte die Manager nach den drei wichtigsten Hürden, die Unternehmen noch bewältigen müssten: Und hier zeigt sich, dass Big Data in den Unternehmen irgendwo zwischen fehlendem Geld, Zeit- und Personalmangel klemmt. Das zeigt schon das Missverhältnis derer, die Echtzeit für ihren Entscheidungsprozess beanspruchen (77 Prozent) und jenen, die mehr investieren wollen (56 Prozent). Entsprechende Projekte aufzusetzen kostet Geld und Zeit, Datenanalyse muss zunächst einmal gelernt und entsprechende Technologien müssen erst angeschafft werden.

Um Big Data richtig ans Laufen zu bekommen, fehlt es den Experten in den Unternehmen aktuell an geeigneten Spezialisten. Allerdings gehören die Kosten mit zu den Hauptbremsen beim Thema Big Data. Grafik: Capgemini, 2015

Um Big Data richtig ins Laufen zu bekommen, fehlt es den Experten in den Unternehmen aktuell an geeigneten Spezialisten. Allerdings gehören diese Kosten mit zu den Hauptbremsen beim Thema Big Data. Grafik: Capgemini, 2015

Die größte Herausforderung liegt jedoch darin, genügend gut ausgebildete Experten für Big Data auf dem Markt zu finden. Wer gute Spezialisten an sein Unternehmen binden will, muss tief in die Tasche greifen und schon wieder investieren. So gesehen krankt es in den Unternehmen weit weniger am Willen, Big Data in die Tat umzusetzen, als vielmehr an einer Idee, wie die Ressourcen im Unternehmen so intelligent verschoben werden können und Organisationen aufgestellt sein sollten, dass Big Data als Zukunftsprojekt Realität werden kann.

Hier finden Sie die komplette Studie.

Bild: shutterstock

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