Bis auf den letzten Keks genau

Feature | 13. Februar 2008 von Sabine Höfler 0

Neun Fußballfelder voll Eier, eine Kette von Schokoladentafeln, die einmal rund um den Globus reicht, und so viel Mehl, wie ein Luxusdampfer wiegt – wer jährlich mehr als 146.000 Tonnen Kekse backt, braucht Zutaten im ganz großen Stil. Bei Griesson – de Beukelaer (GdB) fahren Tag für Tag rund 30 Tankfahrzeuge vor, um die Rohstoffe für Gebäck- und Knabber-Klassiker wie die Prinzen-Rolle, Soft Cake und TUC anzuliefern. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Polch gehört mit seinen 1.865 Mitarbeitern an vier Standorten zu den größten Backstuben Europas.

Entsprechend komplex ist die Lieferkette. Von der Bestellung der Rohstoffe über die Qualitätskontrolle und die Chargenrückverfolgung bis zur Auslieferung des Gebäcks muss GdB eine Vielzahl von Anforderungen berücksichtigen. Ein kritischer Punkt ist beispielsweise die Haltbarkeit, sowohl der Zutaten als auch der fertigen Erzeugnisse. Dies gilt vor allem bei Gebäckmischungen, deren einzelne Sorten in verschiedenen Werken produziert werden.

Damit für alle Kekse in einer Packung dieselbe Mindesthaltbarkeit garantiert werden kann, muss die Produktionsplanung in den zuliefernden und den verpackenden Werken exakt aufeinander abgestimmt sein. Gleichzeitig sind auch Zwischenlager- und Transportzeiten zu berücksichtigen sowie Abläufe bei Partnern, die Kommissionier- und Logistiktätigkeiten übernehmen. “Wir müssen alles bis auf den letzten Keks steuern”, beschreibt Unternehmenssprecher Peter Gries das komplexe Zusammenspiel. Doch mit viel Erfahrung und durchgängiger Software-Unterstützung bekommt Griesson –
de Beukelaer dies alles bestens gebacken.

Der Mittelständler setzt dazu seit November 2006 auf die SAP-Business-All-in-One-Branchenlösung Foodsprint des Software-Hauses Cormeta AG und auf die Planungskomponente SAP Avanced Planning & Optimization (SAP APO) aus SAP Supply Chain Management. Im Januar 2008 nahm GdB außerdem noch SAP ERP Human Capital Management für die Lohn- und Gehaltsabrechnung in Betrieb.

Von der Hand in den Mund

Gebäckproduktion bei Griesson – de Beukelaer


Die neue Unternehmenslösung automatisiert zahlreiche Geschäftsabläufe, für die der Gebäckhersteller mit seiner alten, heterogenen IT-Landschaft viele Daten zunächst auf Papier sammeln und anschließend per Hand eingeben musste. Ein mühsames Geschäft, das aber selbst Kernprozesse wie die Produktionsplanung und -steuerung betraf. “Früher haben wir vieles auf Papier dokumentiert. Jeder Mitarbeiter hielt die relevanten Produktionsparameter seiner Schicht, also Gut-Mengen, Ausschuss, Rezepturnummern und Chargeninformationen, auf einem Formular fest.

Anschließend mussten diese Daten meist gleich in mehrere EDV-Programme eingegeben werden, da die Abteilungen mit unterschiedlichen Systemen arbeiteten. Durch die zahlreichen Schnittstellen zwischen den teilweise selbst programmierten Anwendungen und die manuelle Datenerfassung kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten”, berichtet IT-Leiter Gerd Schäfer.

Die Produktionsplanung beruhte zunächst ausschließlich auf den Erfahrungswerten langjähriger Mitarbeiter und wurde nur unzureichend von der IT unterstützt. Das machte es allerdings nahezu unmöglich, auch Faktoren wie Rüstzeiten, Kapazitätsauslastung oder den Rohstoff-Nachschub zu optimieren. Um einen Produktionsstillstand zu vermeiden, dürfen die Silos zum Beispiel nie vollständig leer sein.

Gleichzeitig müssen die anliefernden Tankwagen ohne Wartezeiten entladen werden, damit keine zusätzlichen Kosten anfallen und die Rohprodukte rasch weiterverarbeitet werden können. “Das sind immense Planungsanforderungen, die wir so gut als möglich, aber sicher nicht optimal per Hand gelöst haben”, sagt Peter Gries.

Inkonsistenzen kommen nicht in die Tüte

Heute sind sämtliche Produktionsschritte in der SAP-Business-All-in-One-Lösung abgebildet. Auf Basis dieser Daten erstellt die Komponente SAP APO die Planung weitgehend automatisch und richtet dabei die Abfolge der Aufträge optimal auf die Rüstzeiten aus. Sie berücksichtigt also, dass eine Anlage vor dem Wechsel von dunkler auf helle Schokolade gereinigt oder eine Walze vor dem Prägen einer neuen Kekssorte gewechselt werden muss.

Die Mitarbeiter kümmern sich heute vor allem darum, dass die Stammdaten korrekt gepflegt werden und die Abstimmung mit den Nachbarbereichen Absatzplanung, Lagerlogistik und Einkauf funktioniert.

Inzwischen hat GdB auch seine Subunternehmen und Logistikdienstleister über Schnittstellen in Foodsprint und SAP APO integriert, so dass Medienbrüche selbst über die Unternehmensgrenzen hinweg ausgeschlossen sind. Alle Daten können auf Knopfdruck abgerufen werden und sind absolut zuverlässig: Da keine wichtigen Informationen mehr auf Papier festgehalten und nachträglich in unterschiedliche Anwendungen eingegeben werden müssen, gehören Inkonsistenzen der Vergangenheit an.

Was dem Mittelständler ebenfalls schmeckt: Mit der automatisierten und rüstoptimierten Planung verkürzen sich die Durchlaufzeiten in der Produktion – ein immenser Vorteil gerade bei stark ausgelasteten Anlagen. Denn GdB produziert in der Regel an fünf Tagen die Woche rund um die Uhr. Das Wochenende gilt als Reservekapazität, zum Beispiel für Sonderaufträge. “Durch die gesetzlichen Zuschläge fallen bei den Samstags- und Sonntagsschichten Mehrkosten an. Deshalb versuchen wir, das möglichst zu vermeiden.
Dank unserer optimierten Planung können wir pro Anlage täglich bis zu 30 Minuten gutmachen. Das ist ein großer Fortschritt”, erläutert Unternehmenssprecher Gries.

Ein weiteres Plus: Bei gleich bleibend hoher Lieferfähigkeit konnte das Unternehmen seinen Lagerbestand verringern. So sank der Vorrat an Verpackungsmaterial um 20 Prozent, der Bestand an Fertigwaren um zehn Prozent. Das spart nicht nur Kosten, sondern ist vor allem in Bezug auf die Haltbarkeit der Produkte von Vorteil.

Wichtigste Zutat: Zukunftsfähigkeit

Produktionsstraße für den Soft Cake


Dabei standen Kosteneinsparungen nicht einmal im Vordergrund. Dem Gebäckhersteller ging es vielmehr darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. “Wir brauchen qualitativ hochwertige Daten. Außerdem wollten wir unsere Prozesse besser im Griff haben, um sie bei Bedarf ohne großen Aufwand ändern zu können. Mit SAP sind wir für die Zukunft bestens gerüstet, denn die Lösung wächst und entwickelt sich mit dem Unternehmen weiter. Ohne eine solche Software geht es heute nicht mehr“, ist Gries überzeugt.

Allerdings wollte GdB zunächst überhaupt keine SAP-Lösung einführen, da man die Software für zu komplex hielt. Nachdem sich die Verantwortlichen jedoch im Markt umgesehen und verschiedene Lösungen auf Herz und Nieren geprüft hatten, kristallisierte sich heraus, dass die vorkonfigurierte und auf die Nahrungsmittelindustrie zugeschnittene SAP-Business-All-in-One-Branchenlösung Foodsprint in Kombination mit dem Planungswerkzeug SAP APO die beste Wahl für die Anforderungen des Unternehmens war. “Die Lösung bot genau die Funktionalität, die wir brauchen. Gleichzeitig haben wir mit dem großen Anbieter SAP ein hohes Maß an Investitionssicherheit”, meint Gries.

Sorgfältige Vorbereitung für beste Ergebnisse

Dank guter Vorbereitung und der kompetenten Unterstützung durch den SAP-Partner Cormeta und das Beratungsunternehmen J&M Management Consulting AG, das SAP APO implementierte, verliefen Einführung und Produktivstart reibungslos. “Wir haben uns bewusst sehr viel Zeit für das Projekt genommen und außer unserer IT-Mannschaft auch die jeweils wichtigsten Mitarbeiter aus jeder Fachabteilung eingebunden, die dazu für rund zwei Jahre vom Tagesgeschäft freigestellt waren.

In dieser Zeit mussten wir befristet zusätzliches Personal einstellen, doch dieser Aufwand hat sich gelohnt”, erläutert Gerd Schäfer von der IT. Weitere Erfolgsfaktoren waren die lange Testphase von mehr als sieben Monaten sowie die frühzeitige Mitarbeiterschulung.

Auf diese Weise konnten alle Abteilungen sofort loslegen, nachdem die vier Standorte Anfang November 2006 in einem “Big-Bang” auf die neue Unternehmenssoftware umgestellt hatten: Vom ersten Tag an lief das Geschäft ohne Probleme weiter, und die GdB-Werke lieferten 600 Tonnen Gebäck an den Handel aus – und keinen Keks weniger.

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