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Innovations-Workshop: John D., I-duard und das Geheimnis der Blockchain

Feature | 11. April 2018 von Andreas Schmitz

Mehr als 30 SAP-Kunden trafen sich in Ratingen zum kostenlosen Innovationsworkshop „Innovate NOW!“. Das Ziel: Innerhalb von einem Tag Ideen zu den Themen Internet of Things und Blockchain entwickeln.

John D. hat es nicht einfach. Als Umweltsenator von Berlin kämpft er mit der schlechten Luft in der Stadt. Fahrverbote sind unpopulär. Doch fordern die Bürger schnelle Lösungen. Der Politiker ist in der Zwickmühle, denn die nächste Wahl steht an. Er braucht eine Idee. Was in der Praxis mindestens Monate, wenn nicht sogar Jahre dauert, ist in Ratingen innerhalb von zwei Stunden auf dem Whiteboard. „Data Driven Mobility“ heißt der Ansatz, mit dem eine so genannte adaptive Verkehrssteuerung möglich werden soll. Sensoren in Straßenlaternen und Autos messen kontinuierlich die Schadstoffe in der Luft, senden sie zur Analyse in die Cloud. Zum einen kann jeder Bürger diese Echtzeitdaten einsehen, zum anderen nutzt die Stadt Berlin sie dafür, je nach Luftbelastung Straßen zu sperren und den öffentlichen Nahverkehr zeitweise gratis oder zu geringeren Preisen anzubieten. Da die Kosten für den Nahverkehr variieren, wird die Bezahlung über die Blockchain abgebildet. Je nachdem, wie stark die Luft verschmutzt ist, werden über eine Kryptowährung mehr oder weniger Geld über eine digitale Plattform abgebucht oder Incentives ausgegeben, sofern auf das Auto verzichtet wird. Die erdachte „Persona“ des kurzen Design-Thinking-Workshops John D. dürfte zufrieden sein.

Innovate NOW!: Über 30 Interessenten für Blockchain und Internet of Things (IoT)

Von CIOs und Business Managern bis zu Softwareentwicklern, Data Scientists und Wirtschaftsförderern: Über 30 Teilnehmer aus dem Maschinenbau, der Energieversorgung, der Pharma- bis hin zur Süßwarenindustrie trafen sich zum Innovationsworkshop Innovate NOW! in Ratingen. Blockchain und Internet of Things sind die Themen, an denen künftig kaum noch ein Unternehmen vorbeikommt. „Innovationszyklen werden immer kürzer“, sagt Design Thinking Coach und Innovationsstratege Vladislav Semkin von SAP Digital Business Services. Denken und Handeln wie ein Startup sei heute gefragt. „Don’t powerpoint me“ ist konsequenterweise die Vorgabe für den Tag: Niemand bringt vorbereitete Vortragsfolien mit. Kleine gelbe „Post its“ müssen ausreichen, um Ideen und Gedanken zu vermitteln. Die Erwartungen der Teilnehmer ähneln sich: Inspirationen bekommen, neue Ideen entwickeln, erfahren, was andere machen, verstehen, was die Blockchain und das Internet of Things „können“, netzwerken. „Die Zukunft ist beständige Innovation“, erläutert Michael Benirschka, für Innovationsthemen zuständiger SAP-Manager: „Es gibt keine konstante Zielarchitektur mehr“. Zwei wichtige Werkzeuge für die anstehenden Veränderungen sind Blockchain und IoT.

SAP Digital Studio: Inspiration durch Prototypenwelten

Was das Internet der Dinge und Blockchain konkret bedeuten können, zeigt die SAP im Rahmen von Innovate NOW! als erstes in der Prototypenwelt des SAP Digital Studios. Zu sehen ist etwa eine E-Ladestation, mit der sich der Fahrer eines Elektroautos über einen digitalen Sprachassistenten verständigt. In einem Gewächshaus messen Sensoren Temperatur und Feuchtigkeit der Luft, registrieren, ob das Dach geöffnet ist oder jemand in der Pflanzenwelt unterwegs ist, der dort nicht hingehört. In einer Smart City sind freie Parkplätze transparent, Solarpanels und Windkraftanlagen vermelden Unregelmäßigkeiten direkt per Service-Ticket an den Service. Eine „Digital Manufacturing Simulation“ mit Fischertechnik zeigt, wie SAP-Software (etwa SAP TM, SAP EWM und SAP S/4HANA) und das Innovationssystem SAP Leonardo von der Bestellung des Produkts über die Fertigung bis letztlich zur Qualitätskontrolle per Scanner eine Produktion steuern.

Blockchain: „Unendlich viel sicherer als alles, was wir bis jetzt haben.“

Zudem zeigt Vladislav Semkin, wie das Nutzungsrecht von Häusern der Blockchain übergeben und „Assets“ in die digitalen Versionen verwandelt werden können. Semkin nennt es „Tokenisation“. Wenn SAP-Manager Benirschka die Blockchain beschreibt, spricht er vom „Internet der Werte“. Transaktionen gehen „peer to peer“ vonstatten, ohne Mittelsmänner, transparent für jeden. Im so genannten Distributed Ledger liegen die identischen Informationen verteilt auf diversen Rechnern vor. Jede neue Transaktion wird mitsamt den vorher gehenden Transaktionen neu verschlüsselt, so dass keine Informationen verloren gehen. „Das Verfahren ist unendlich viel sicherer als alles, was wir bis jetzt haben“, sagt Benirschka.

Braindump: Der Startschuss für neue Ideen

Mit diesen Minishowcases und einigen Kurzvorträgen im Hinterkopf – Semkin nennt es „Druckbetankung“ – geht es dann zur Sache. Welche Themen könnten für die Praxis eine Rolle spielen? In einer „Braindump“ genannten stichwortartigen Themensammlung kleben die Experten Stichworte auf das Whiteboard, die für sie spontan wichtig erscheinen. Diverse Einfälle von „Maschinenakte“ über fälschungssichere Bauteile bis hin zu Pay per Use sammeln sich an. Als wichtigste Themen kristallisieren sich Dachthemen heraus – allen voran der digitale Zwilling und neue Geschäftsmodelle, aber auch Themen wie Betrugserkennung, die digitale Lieferkette und Arbeit 4.0.

I-duard freut sich über die Blockchain

John D. ist nicht die einzige Design Thinking Persona, die letztlich in den verschiedenen in Gruppen weitergeführten Ideen zu den Themen digitaler Zwilling und Geschäftsmodelle entstanden ist. Während es bei der Idee des „Data Driven Mobility“ primär darum geht, das Leben in Berlin durch reinere Luft lebenswerter zu machen, geht es in einem anderen Ansatz etwa darum, die Ladeinfrastruktur für E-Mobile zu verbessern. Der erdachte Persona I-duard etwa liebt seinen iMac wie seinen BMW i3. Natürlich fährt er ein Elektroauto. Zudem gehört es für ihn zum guten Ton, bewusst mit der Umwelt umzugehen. Doch stört ihn, dass er immer so viele Tankkarten in der Tasche haben muss und es so wenig Ladesäulen gibt. Nicht nur das: Er möchte zudem nur Ökostrom tanken und am besten mit einer einzigen Karte unterwegs sein, die ein Kilometerguthaben enthält. Die Idee: Per Blockchain definieren die Infrastrukturanbieter und Energieversorger „smart contracts“. Sie schließen Bezugsverträge und sind nun in der Lage, individuell Energie zur Verfügung zu stellen – auch Ökostrom für I-duard. Da sie untereinander Vereinbarungen getroffen haben, bekommt der Nutzer der Ladesäulen davon gar nichts mit. I-duard meldet sich über eine App an und bekommt dort alle relevanten Infos über Ladesäulen und seine gefahrene Kilometer – inklusive einer Übersicht, wie ökologisch der Energiemix war, der ihn befördert hat.

Weitere Informationen:

Bei Interesse an Innovationsworkshops melden Sie sich bitte bei: sascha.faller@sap.com.

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