Smart für gewisse Stunden

Feature | 4. Mai 2011 von Sophie Kirsten 0

Bei car2go: Daimler können Kunden sich jetzt auch Autos leihen. (Foto: Daimler AG)

car2go: Bei Daimler können Kunden sich jetzt auch Autos leihen. (Foto: Daimler AG)

Smart statt Fahrrad – verschiedene Medien berichteten über die car2go GmbH. Das Prinzip: zeit- und ortsunabhängiges Carsharing. Je nach Bedarf können Großstadtbewohner sich einen Smart mieten – über mehrere Tage oder auch nur für ein paar Stunden. Bei car2go handelt es sich jedoch nicht um einen klassischen Mobilitätsdienstleister wie Sixt oder Europcar – sondern um einen Unternehmensbereich der Daimler AG.

Der deutsche Automobilhersteller stellte sich auf den Wandel der Konsumgewohnheiten ein und startete im Oktober 2008 das Pilotprojekt car2go – schnell wurde klar, wie gut das Konzept bei der Bevölkerung ankommt. Auch Peugeot und BMW haben inzwischen entsprechende Pilot-Projekte auf den Weg gebracht.

Doch mit dem ursprünglichen Geschäftsmodell der Autobauer – nämlich Fahrzeuge herstellen und vertreiben – hat das nicht mehr viel zu tun. Es gilt, neben der Industrie in einer ganz anderen Branche Fuß zu fassen: dem Dienstleistungssektor. Diese Transformation hat Daimler erfolgreich gemeistert. Car2go ist bereits in den Städten Ulm, Hamburg und Austin (Texas) vertreten, weltweit sollen weitere folgen.

Hilti: Bohrmaschine mieten für ein Wochenende

Einem ähnlichen Prinzip folgen heute immer mehr Unternehmen, frei nach dem Motto: „Wieso nur produzieren, wenn wir auch Dienstleistungen anbieten können?“ Weg vom Fließband, hin zum Kunden. Der Werkzeughersteller Hilti führte vor einiger Zeit sein sogenanntes Flottenmanagement ein.

Bei diesem Modell kaufen die Kunden nicht mehr einzelne Werkzeuge, sondern nur deren Nutzung bezogen auf ein konkretes Bauvorhaben. Sie mieten diese direkt bei Hilti zu einem monatlichen Fixpreis. Darin sind alle Reparatur- und Wartungskosten sowie ein kostenloser Abhol- und Lieferservice enthalten. Ein Werkzeughersteller auf dem Weg zum Service-Provider – ist das so einfach?

„Produzierende Unternehmen müssen sich komplett umorientieren, wenn sie in den Dienstleistungssektor einsteigen“, stellt Christoph Pichler von SAP Business Transformation Services (BTS) fest. Sein Kollege Christopher Megies kann dem nur zustimmen. Auf die beiden  Berater kamen in den letzten Monaten immer mehr Interessenten aus der Industrie zu.

Sie alle wollen ihr Unternehmen stärker auf innovative, hochwertige Dienstleistungen ausrichten und damit Ihre Ertrags- und Wettbewerbsposition verbessern. Doch dabei gilt es einiges zu beachten. „Service-Angebote erfordern besondere Kompetenzen, meist sind zahlreiche Schulungen oder komplett neues Personal nötig“, erklärt Pichler. „Hinzu kommen völlig andersartige Geschäftsprozesse, für die natürlich auch die nötige Software vorhanden sein muss.“

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Planung und Beratung von SAP

Von der Produktion zur Dienstleistung ist es in Gedanken kein langer Weg. Ein Konzern wie Daimler baut Autos, warum sollte er diese nicht auch vermieten? In der Realität erfordert eine solche Transformation des Geschäftsmodells jedoch viel Planungs- und Organisationsaufwand – und damit auch Investitionen. SAP BTS erkannte den Trend und entwickelte ein speziell angepasstes Beratungsangebot.

„Wir ermöglichen produzierenden Unternehmen den Wandel hin zu eigenen Dienstleistungen“, erklärt Christoph Pichler. „Unsere Aufgabe besteht darin, Kunden von der Strategie-Planung bis zur Implementierung zu begleiten. Wir strukturieren Geschäftsprozesse und die zugehörige Systemlandschaft  so um, dass sie auch den neuen Geschäftsanforderungen entsprechen.“

Oft können SAP-Kunden einen Teil ihrer bereits vorhandenen Lösungen auch für den neuen Geschäftszweig nutzen. Wenn Kunden spezielle Branchenlösungen im Einsatz haben, müssen deren spezielle Funktionen auch beim Sprung zwischen Industrie- und Dienstleistungssektor erhalten bleiben.

Daher arbeiten die Berater von SAP BTS intensiv mit den Kunden zusammen. Sie bereiten sie bestmöglich auf die Transformation vor und begleiten sie bei der Umsetzung. Auf Basis eines gemeinsam erstellten Transformationsplans wird die Prozess- und Systemlandschaft umgebaut und erweitert. Das Ziel ist dabei ein optimales Change-Management – also alle nötigen Anpassungen im Unternehmen und in der IT-Landschaft kontrolliert und möglichst effizient durchzuführen.

Kooperation mit Servicepartnern

In manchen Fällen bietet es sich an, für den neu erschlossenen Dienstleistungszweig ein Tochterunternehmen zu gründen – wie es beispielsweise Daimler mit der car2go GmbH getan hat. Christoph Pichler wägt ab: „Von Fall zu Fall sind die Größe und der Aufwand einer solchen Transformation unterschiedlich.“

Manchmal ist es ausreichend, die Dienstleistungsangebote in einer eigenen Line of Business zu bündeln. Bei einigen Unternehmen bieten sich auch gezielte Kooperationen mit Service-Partnern an. „Wenn die Erfolgschancen im Dienstleistungssektor vielversprechend sind, lohnt sich der Aufwand auf jeden Fall“, so Pichler.

Eines ist sicher: Sowohl Kunden als auch Verbraucher profitieren vom Transformations-Trend. „Unternehmen bemühen sich heute natürlich schon, gute Produkte für den Verkauf herzustellen“, meint Christoph Pichler. „Doch wenn sie die eigenen Produkte auch bei eigenen Dienstleistungen einsetzen, müssen sie noch mehr Wert auf Aspekte wie Langlebigkeit und Wartungskosten legen.“ So könnte etwas entstehen, das in jeder Branche bekannt und gern gesehen ist: eine Win-win Situation.

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