Aus der Grube an die Spitze der IT

Feature | 22. Mai 2012 von Tim Clark 0

Foto: Joy Global

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde bereits am 21. März 2012 als Blog in der Online-Ausgabe von Forbes veröffentlicht und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors erneut publiziert.

Als Mark Shaver IT-Leiter bei Joy Global wurde, hatte er ganze 20 Jahre Arbeit unter Tage hinter sich. Joy Global ist ein führender Hersteller von Maschinen für den Bergbau mit einem Jahresumsatz von 4,5 Milliarden US-Dollar.

In seiner Funktion als Servicetechniker hatte Shaver die Aufgabe, die Minenarbeiter in der Bedienung der Geräte und Maschinen von Joy zu unterweisen – rund um die Uhr und inmitten von Gefahren wie Gasexplosionen, Bränden oder Deckeneinstürzen.

„Es liegt auf der Hand, dass diese Arbeit höchste Disziplin bei der Befolgung von Sicherheitsprozessen verlangt“, berichtet er. „Wenn man sich in einer Mine mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche befindet, hofft man einfach, dass auch alle anderen bei ihren Aufgaben die nötige Disziplin an den Tag legen.“

Der CIO ist überzeugt, dass die vielen Jahre unter Tage seine Vorstellungen von echtem Service nachhaltig geprägt haben. Ein proaktiver Service bedeute im Bergbau, dass die Geräte dauerhaft einsatzfähig bleiben. Ein reaktiver Service hingegen führe meist nur zu weiteren Problemen. Nach Shavers Auffassung lässt sich dieses Grundprinzip auf fast alle Branchen übertragen.

„Das Ziel sollte stets eine möglichst hohe Servicequalität sein. Auf diese Weise kann auch eine optimale Rendite sichergestellt werden.“

Der Wendepunkt

Nach seiner Zeit als Servicetechniker bei Joy Global war Shaver  im Vertrieb tätig, arbeitete an IT-Projekten und beschäftigte sich mit den globalen Prozessen des Unternehmens. Als er zum Director of Operations Australasia berufen wurde, bedeutete dies einen Wendepunkt für seine Karriere: Statt Behelfslösungen zu nutzen machte er sich daran, die Produktion mithilfe der SAP-Systeme des Unternehmens von Grund auf zu optimieren. Diese bereichsübergreifende Disziplin sei für Joy Global der Ansporn gewesen, sich von „gut“ zu „sehr gut“ zu steigern, berichtet Geschäftsführer Mike Sutherlin. In den vergangenen zehn Jahren konnte Joy Global unter der Führung von Sutherlin und seinem Team ein organisches Wachstum von 17 Prozent pro Jahr verzeichnen. Gleichzeitig stiegen die operative Marge um den Faktor 26 und der Gewinn pro Aktie um das 48-fache an.

Mark Shaver wurde deshalb beauftragt, die IT-Organisation des Unternehmens zu einem erstklassigen und serviceorientierten Anbieter innovativer Unternehmenslösungen weiterzuentwickeln.

Mark Shaver, CIO von Joy Global (Foto: Joy Global)

Foto: Joy Global

Lösungen für globale Abläufe

Die Produkte und Services von Joy Global werden von Minengesellschaften beim Abbau von Kohle, Eisenerz, Ölsand, Hartgestein, Gold und anderen Mineralien ausgiebig gebraucht. Wie der Name schon sagt, ist Joy Global ein weltweit aufgestelltes Unternehmen. Über 50 Prozent der Umsätze werden außerhalb der USA erwirtschaftet und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ist an internationalen Standorten beschäftigt. Aufgrund der starken Dezentralisierung von Joy Global muss ein IT-Leiter wie Shaver bei der konzernweiten Standardisierung der IT-Prozesse ganz besondere Herausforderungen bewältigen. Dies war die Geburtsstunde des Joy Business System, eines umfassenden Instrumentariums zur Unterstützung eines erstklassigen Kundenservices.

Wie bei vielen Unternehmen hängt auch die Rentabilität von Joy Global entscheidend davon ab, dass Bestände jederzeit optimal genutzt werden können. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine herausragende Servicequalität ist zudem die rechtzeitige Lieferung von Maschinen und Ersatzteilen. Darüber hinaus sind Prognosen, Kapazitätsplanung, Zusammenarbeit in der Lieferkette und eine präzise Produktionssteuerung wichtige Elemente eines erstklassigen Services. Die Geschäftsführung von Joy Global hatte sich jedoch ehrgeizige Serviceziele gesetzt: Die Serviceorganisation sollte statt einfachen Ergebnisberichten einen Einblick in die laufende Produktion bekommen – in Echtzeit. Mithilfe von SAP-BusinessObjects-Lösungen kann das Unternehmen nun die Performance für eine Vielzahl von Kennzahlen sowie Trends und Fortschritte grafisch darstellen. Auf der Grundlage von Abfragen können schnell und einfach Berichte mit Drilldown-Funktionen erstellt werden. Broadcasting ermöglicht das Planen und automatische Erstellen von Berichten und Diagrammen, die dann per E-Mail an interne und externe Empfänger gesendet werden können.

Durchgängige Integration der IT in das Unternehmen

Bei einem Unternehmen wie Joy Global, das mehr als 14.500 Mitarbeiter beschäftigt, ist ein solcher Wandel kein einfaches Unterfangen. Insbesondere wenn es darum geht, die Sicherheit zu verbessern, die Produktion zu steigern und die Kosten an 126 Standorten in 20 Ländern zu senken. Auch hier erwies es sich als Vorteil, dass Mark Shaver ursprünglich nicht aus dem IT-Bereich kommt. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass er die IT nicht als separate Kostenstelle oder separates Service-Center versteht, sondern direkt in die Fertigungsprozesse integriert und damit gewissermaßen auch in der Unternehmenskultur von Joy Global verankert.

„Wir warten nicht, bis man uns ruft“, erläutert Shaver. „Wir verfolgen einen proaktiven Ansatz und betreiben die IT-Organisation als internes Unternehmen, das Lösungen bereitstellt. Dieses Modell setzt eine Struktur voraus, bei der die Verantwortlichkeiten klar definiert sind und das Management klare Ziele vorgibt. Die Manager übernehmen die vollständige Verantwortung für einen gesamten Prozess, selbst wenn nicht alle beteiligten IT-Mitarbeiter ihnen direkt unterstellt sind.“

Im Rahmen dieses Modells sind leitende Angestellte aus der IT angehalten, sich nicht nur der technischen Seite von Prozessen zu widmen, sondern diese ganzheitlich auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu betrachten. Dieses Konzept kommt auch bei den Smart Services von Joy Global zum Tragen. Die IT-Abteilung arbeitet Hand in Hand mit dem Serviceteam, sodass die in den Abbauminen eingesetzten Geräte und Maschinen über eines der vielen Smart Services Center von Joy Global überwacht werden können. Einige Systeme überwachen beispielweise die Performance der Geräte und Maschinen in Echtzeit und übertragen die Daten an ein Smart Services Center. „Wir können sofort reagieren, wenn sich die Gelegenheit bietet, die Produktivität der Maschinen durch ein Serviceteam vor Ort noch weiter zu verbessern“, berichtet Shaver.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Mark Shaver weiß, dass der Wandel mithilfe messbarer Kennzahlen weiter vorangetrieben werden kann. Aus diesem Grund macht sich die Abteilung Global Business Solutions (GBS) von Joy Global das gesamte IT-Portfolio des Unternehmens zunutze, um inkrementelle Produktivitätssteigerungen in Bereichen wie „Prozessdisziplin“, „Unternehmensgesundheit“ und „optimierte Fertigungsprozesse“ zu ermöglichen. Die Daten werden meist von den Mitarbeitern selbst eingegeben. Ein für die Produktionssteuerung verantwortlicher Mitarbeiter aktualisiert dann zur Durchführung der Kapazitätsplanung die Serviceaufträge. Anhand dieser Daten kann analysiert werden, ob ein Auftrag gemäß den Vorgaben durchgeführt wird und das erwartete Ergebnis liefert. Digitale Anzeigen in den Anlagen von Joy Global geben Aufschluss über die Performance in diesen Bereichen: rote, gelbe und grüne Statusanzeigen liefern Informationen über die zu erwartende Performance der jeweiligen Regionen, Fertigungsstätten oder Arbeitsplätze.

„Unsere Mitarbeiter haben die Initiativen zur Optimierung der Betriebsabläufe, die auf unserer Lean-Methodik basieren, gut angenommen“, zeigt sich Shaver zufrieden.

Er ist davon überzeugt, dass die Partnerschaft mit SAP entscheidend zur Weiterentwicklung von Joy Global zu einem Bergbauzulieferer von Weltklasse beigetragen hat. Den wichtigsten Impuls für die Entwicklung der zukünftigen IT-Strategie des Unternehmens verdankt er jedoch den Erfahrungen, die er unter Tage gemacht hat: eiserne Disziplin bei der Einhaltung von Prozessen.

„Wenn man viele Kilometer unter der Erdoberfläche in einer gefährlichen Umgebung arbeitet, müssen das Betriebspersonal, die Arbeiter an den Bohrern, die Elektriker und die Reviersteiger ihre Aufgaben zuverlässig erledigen – sonst sieht man das Tageslicht nie wieder.“

Joy Global ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und untersucht daher auch, welche Auswirkungen seine Geschäftstätigkeit auf die Gesellschaft im Allgemeinen hat. Lesen Sie hier mehr über die Grundsätze von Joy Global für verantwortliches unternehmerisches Handeln.

Tags: , ,

Leave a Reply