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Schweiz baut Tunnelsystem, um den Güterverkehr um 40 Prozent zu reduzieren, und nutzt dabei Sonnenenergie und IoT

Feature | 20. September 2017 von Robin Meyerhoff 53

Cargo Sous Terrain möchte in der Schweiz bis 2040 mit Hilfe von SAP-Software ein unterirdisches Transport- und Logistiksystem bauen.

„Die Schweiz ist vielleicht nicht gerade für große Städte bekannt. Aber im Norden des Landes wird die Zahl der Einwohner in den nächsten 15 Jahren auf 10 Millionen ansteigen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Los Angeles“, sagte Daniel Wiener, Mitglied im Verwaltungsrat von Cargo Sous Terrain, einem Unternehmen, das das Ziel hat, ein unterirdisches Transport- und Logistiksystem in der Schweiz zu bauen.

Zentrale Anschlussstellen für den Güterverkehr

Er erläutert: „Wir haben die gleichen Verkehrs- und Logistikprobleme wie Großstädte. Auch wenn die Schweiz eine großartige Infrastruktur hat, ist die Qualität der Logistik doch nicht auf demselben Niveau.“

Cargo Sous Terrain möchte das ändern und bis 2040 eine „erstklassige Infrastruktur für die Logistik“ schaffen. In Cargo Sous Terrain sind zahlreiche Privatunternehmen zusammengeschlossen, die planen, ein Netz unterirdischer Tunnel zu bauen, die verschiedene Großstädte im Norden der Schweiz miteinander verbinden. Ziel ist es, in den Städten zentrale Anschlussstellen für den Güterverkehr zu schaffen, die den landesweiten Transport von Gütern für Unternehmen erleichtern.

In seinem Vortrag auf der SAP Leonardo Live in Frankfurt erläuterte Wiener, dass die Schweiz neben dem Bevölkerungszuwachs in den nächsten 20 Jahren auch mit einer Zunahme des Frachtverkehrs von 37 Prozent rechne. Cargo Sous Terrain ist davon überzeugt, dass sein 24-Stunden-Liefersystem die Straßen um bis zu 40 Prozent entlasten wird.

Automatisiert und nachhaltig dank digitaler Technik

Die Pläne von Cargo Sous Terrain für das Tunnelsystem lesen sich wie ein Science-Fiction-Roman. Fahrerlose Transportmittel werden Güter von einem städtischen Knotenpunkt zum nächsten transportieren. Dann werden die Waren auf Fahrzeuge geladen, die zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes elektrisch betrieben werden, und direkt an den Empfänger geliefert. Cargo Sous Terrain hofft, dass irgendwann selbstfahrende Autos diese letzte Phase der Paketlieferung übernehmen werden. Das gesamte System wird mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben, was die CO2-Emissionen um 80 Prozent senken soll.

Um dieses riesige Transportnetz, das Millionen von Bürgern zugute kommen wird, steuern zu können und sämtliche Abläufe zu digitalisieren, hat sich Cargo Sous Terrain mit der SAP zusammengetan. Da die Transportfahrzeuge und praktisch das gesamte Tunnelsystem unbemannt sein werden, ist es wichtig, eine Technologielösung zu haben, die technische Probleme und terminliche Engpässe erkennt. Die SAP und Cargo Sous Terrain entwickeln gemeinsam eine Lösung, die Technologien für das Internet der Dinge und maschinelles Lernen nutzt, um einen reibungslosen Betrieb und pünktliche Lieferungen sicherzustellen.

SAP Leonardo ermöglicht intelligente Routenplanung und vorausschauende Instandhaltung

Wiener, der auch die Bereiche Kommunikation, Investor Relations und Nachhaltigkeit bei Cargo Sous Terrain verantwortet, sagte: „Kunden erwarten heute, dass sie ihre Bestellung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erhalten. Wir müssen eine genaue Anlieferzeit garantieren. Wenn jemand zum Beispiel Tennisschuhe bestellt, die bis 15:00 Uhr am nächsten Tag zugestellt werden sollen, können wir das nur gewährleisten, wenn wir von Anfang bis Ende automatisierte Prozesse haben.“

Das automatisierte System wird Sensordaten von Paletten und Fahrzeugen in die gesamten Logistik- und Lieferprozesse integrieren, die Cargo Sous Terrain entwickelt. SAP Leonardo ermöglicht Betriebsleitern eine intelligente Routenplanung in Echtzeit und eine vorausschauende Instandhaltung, damit Pakete termingerecht geliefert werden.

Im weiteren Verlauf des Projekts erwartet Wiener, dass Logistikleiter durch maschinelles Lernen besser vorhersagen können, wie sich bestimmte Faktoren wie zum Beispiel das Wetter oder das Gewicht der Waren auf die Lieferung auswirken. Probleme sollen dann vorher automatisch behoben werden, noch bevor sie entstehen

Cloud Computing führt IoT-Informationen zusammen

Uwe Kubach, Chief Evangelist IoT bei der SAP, arbeitet eng mit Cargo Sous Terrain zusammen. Er erklärte: „In städtischen IT-Projekten werden IoT-Informationen häufig in isolierten Anwendungen hinterlegt. Zum Beispiel liegen die Informationen von Sensoren der Straßenbeleuchtung nur in Anwendungen zur Verwaltung der Straßenbeleuchtung. Das Gleiche gilt für Verkehrsinformationen. Dadurch ist es schwieriger, Daten aus anderen Quellen einzubinden und anschließend Algorithmen für maschinelles Lernen darauf auszuführen.“

Er erläutert weiter: „Cloud Computing kann alle diese Quellen miteinander verbinden. Damit ist es möglich, mithilfe von Analysen Muster zu erkennen und durch maschinelles Lernen Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.“ Zusammen mit Cargo Sous Terrain plant die SAP, eine IT-Grundlage und die erforderlichen Anwendungen für eine integrierte City-Logistik zu entwickeln, die die Herausforderungen der Urbanisierung und Verkehrsbelastung in der Nordschweiz meistert. Die SAP hat bereits Städten wie Peking und Buenos Aires mit SAP Leonardo IoT und der SAP Cloud Platform geholfen, Probleme wie das Verkehrsmanagement und Überschwemmungen zu bewältigen.

Das Projekt von Cargo Sous Terrain befindet sich derzeit in der Planungs- und Baubewilligungsphase. Die Bauphase soll 2024 beginnen und bis 2030 laufen. Dann soll das Netz in der gesamten Schweiz ausgebaut werden.

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