Harte Nüsse, smarte Software

Feature | 7. Juli 2011 von Thomas Leonhardi 0

SAP TV went to Ghana to report on SAP's role in the African Cashew Initiative (photo: SAP TV)

SAP TV drehte eine Reportage über die Cashew-Initiative in Ghana (Foto: Thomas Leonhardi)

Ob geröstet und gesalzen, als Snack oder in Currys und anderen exotischen Gerichten: Cashew-Nüsse sind köstlich und begehrt. Die Nüsse haben eine lange Reise hinter sich, bis sie im Studentenfutter oder in den Spezialitätenrestaurants landen.

Viele Cashews kommen aus Ghana. Das afrikanische Land ist einer der Hauptexporteure. Obwohl die Einnahmen aus dem Verkauf des Roherzeugnisses relativ gering sind – Schädlinge, schwache Ernten, Qualitätsmängel und eine unzureichende Infrastruktur machen den Landwirten zu schaffen –, leben davon rund 70.000 Kleinbauern mit ihren Familien.

Die lukrative Veredelung und Vermarktung der Cashew-Nüsse erfolgt in der Regel außerhalb Afrikas. Wären afrikanische Länder wie Ghana an der weiteren Wertschöpfungskette beteiligt, würden dort neue Arbeitsplätze entstehen und die Einkommen der Landbevölkerung steigen.

Afrikanische Cashew-Initiative

Hier setzt die Afrikanische Cashew-Initiative (ACi) an. Sie wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sowie der Stiftung von Bill und Melinda Gates finanziert. Die ACi will den Kleinbauern zu mehr Wohlstand verhelfen.  SAP Research in Karlsruhe beteiligt sich als Partner an diesem Projekt. Die Forscher untersuchen, wie mobile Geschäftsanwendungen Landwirte und Genossenschaften unterstützen können, an der Vermarktung teilzuhaben. „Ziel ist es, Kleinbauern, Käufer vor Ort, verarbeitende Betriebe und multinationale Konzerne zusammenzubringen“, sagt Softwareentwickler Tirdad Rahmani von SAP Research.

Rahmani betont, dass die Beteiligung der SAP nicht nur durch soziale Verantwortung motiviert sei, sondern der Konzern hier ein gutes Geschäftsmodell sehe. Projektleiter Christian Merz: „Wir verbessern die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wie Kleinbauern und den etablierten Wirtschaftsakteuren, zu denen auch SAP-Kunden gehören. Berücksichtigt man die Überschneidungen mit landwirtschaftlichen Pflanzen wie Kaffee, Kakao, Shea-Nüssen und anderen Anbauprodukten, so bietet das Projekt der SAP am unteren Ende der Wirtschaftspyramide einen Einstieg in einen attraktiven Zukunftsmarkt.“

SAP TV hat die Kollegen von SAP Research begleitet. Das Video können Sie sich auf SAP.info oder auf der SAP-TV-Website anschauen.

barcodes

Jeder Sack mit Cashew-Nüssen wird mit einem Strichcode versehen und per Smartphone eingescannt. (Foto: Thomas Leonhardi)

Smartphone als Strichcode-Scanner

In Paninamisa, rund zwei Autostunden von Ghanas Hauptstadt Accra entfernt, wird das Projekt greifbar. In der Dorfmitte haben Mitarbeiter des lokalen Bauernverbands die Cashew-Sammelstelle eingerichtet und eine große Waage aufgestellt. Die Bauern aus der Umgebung schleppen ihre bis zu 90 Kilogramm schweren Säcke heran, um sie zu verkaufen.

Dazu wird jeder Sack mit einem Strichcode versehen und der Code eingescannt. Ein Smartphone erfasst die Daten und sendet sie direkt an die Genossenschaft. Dort wird der Tagespreis für die Cashew-Nüsse bestimmt und an alle Käufer weitergeleitet. Sobald das Gewicht der Säcke und der Preis ermittelt wurde, erhält der Verkäufer per SMS einen Beleg auf sein Mobiltelefon. Alternativ ist auch ein Ausdruck möglich. Das System erlaubt die Nachverfolgung aller Säcke.

Bauern wie Alhaji Amadu Mahamad sind froh, dass die Genossenschaft faire Preise aushandelt. Seit  der ehemalige Schneider im Rahmen des ACi-Programms Cashew-Nüsse anbaue, sei sein Einkommen erheblich gestiegen. Davon profitierten auch seine Frau Mariyama und die drei Kinder, erzählt Mahamad. Bald könne er sich sogar einige Rinder zulegen.

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Mit dem Cashew Manager erhält die Genossenschaft einen Überblick über sämtliche Transaktionen. (Foto: Thomas Leonhardi)

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Ghana ist einer der Hauptexporteure von Cashew-Nüssen. (Foto: Thomas Leonhardi)

Die Genossenschaft freut‘s. In seinem kleinen Büro in Wenchi erklärt Verbandssekretär Yahya Abu Baro, dass das Pilotprojekt von SAP Research ihm viel Schreibarbeit erspare. Außerdem könne er dank Softwareunterstützung die Bauern nun viel schneller und unkomplizierter über Preisänderungen informieren. Früher sei dies nur durch zeitaufwändige Telefonate oder gar per Motorrad-Kurier möglich gewesen.

Mit der Anwendung „Cashew Manager“ behält Abu Baro zudem stets den Überblick über alle Transaktionen der Genossenschaft. Der Cashew-Handel sei dadurch transparenter und zuverlässiger geworden.

Globale Aufkäufer wie Kraft Foods oder Olam könnten mit diesem System von den besseren Prognosen und Planungen profitieren und nachhaltiger wirtschaften. Für die Zukunft sei das ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, so Abu Baro: Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und ob sie fair gehandelt werden.

SAP Business One in der Provinz

Von der ghanaischen Kleinstadt Mim aus liefert das gleichnamige Unternehmen seine hochwertigen Cashew-Kerne an multinationale Konzerne wie Kraft Foods. Im vergangenen Jahr hat Mim Cashew zirka 1.300 Tonnen Rohnüsse verarbeitet. Dieses Jahr rechnet man mit rund 1.700 Tonnen. Um über alle Prozesse Informationen aus erster Hand zu haben, setzt die Firmenleitung SAP Business One ein. Damit lässt sich der weite Weg der Cashew-Nuss per SAP-Software nachverfolgen.

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