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Die 6 Erkenntnisse der CIOs

Feature | 20. Februar 2017 von Andreas Schmitz 2

Am Rande der Hamburger IT-Strategietage diskutieren CIOs über Geschwindigkeit in der IT. Tempo ist gut, aber nicht alles. Die wichtigsten Erkenntnisse.

1. Innovation: Fehlerkultur zulassen

Wenn Thomas Saueressig auf dem Podium der Hamburger IT-Strategietage seine Virtual-Reality-Brille aufzieht und das Augmented Office vorstellt, gelingt es erst im zweiten Anlauf. Kein Problem für den 31-jährigen, der seit einem Dreivierteljahr CIO bei SAP ist. „Man muss neue Dinge einfach ausprobieren“, sagt Saueressig, „das kann nicht immer im ersten Anlauf klappen.“ Fast nebenbei stößt der IT-Manager hier einen wunden Punkt in vielen Unternehmen an. Denn Fehler zu machen gilt im perfektionistischen Deutschland noch immer als Makel. Für einen „Fehler des Jahres“-Award plädiert Analyst Frank Ridder von Gartner deswegen sogar. Schließlich erscheint er doch noch, der „Co-Pilot“ genannte virtuelle Assistent, der auf anstehende Meetings und unbeantwortete Mails hinweist. Wie in einem virtuellen digitalen Boardroom erscheinen Verkaufszahlen und -entwicklungen vor den Augen des IT-Chefs.

2. VR, Machine Learning, virtuelle Assistenz und Co.: Die neue Geschwindigkeit akzeptieren

„Es ist naiv zu glauben, dass diese Brillen so groß und klobig bleiben“, sagt der Manager von SAP, der sich selbst als Vollblut-IT-ler bezeichnet und in seinem Augmented Office Machine Learning, Video Conferencing, virtuelle Assistenz und Augmented Reality miteinander verschmelzen lässt. „Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass das Smartphone sich so schnell durchsetzt, sich die Cloud etabliert oder Netflix Videotheken überflüssig macht?“, fragt Saueressig, der davon überzeugt ist, dass Bilder eines Tages auf die Iris projiziert werden können und eine erweiterte Realität möglich machen. Die neue Geschwindigkeit fordert das Geschäft. „Früher brauchte ein Unternehmen 20 Jahre von der Gründung bis zur ersten Milliarde Marktkapitalisierung, heute sind es dreieinhalb Jahre“, erläutert der SAP-CIO – „der nächste Wettbewerber ist also maximal vier Jahre entfernt.“

3. Studie Oliver Wyman: Auf Disruption einstellen

Klar ist: Die IT hat in den letzten Jahren enorm Tempo aufgenommen. Nicht zuletzt deswegen stehen die Hamburger IT-Strategietage auch unter dem Motto „It’s all about speed“. Und für eine hohe Geschwindigkeit in den Prozessen und für die Umsetzung von neuen Geschäftsideen braucht es die Digitalisierung. „Die Einschläge durch Disruption kommen immer näher“: Das ist für Kai Bender von der Oliver Wyman Group einer der wichtigen Gründe, warum Unternehmen im DACH-Raum stark in die Digitalisierung und die Strategie dahinter investieren. Die Studie 4 Digital, die Oliver Wymann am Rande der IT-Strategietage in Hamburg vorstellte, macht klar: Die Digitalisierung ist in vielen Unternehmen bereits angekommen. Demnach haben nur 40 Prozent der Befragten derzeit noch keine Digitalisierungsstrategie. Jede dritte IT-Führungskraft erkennt bereits zahlreiche, aufeinander abgestimmte Digitalisierungsprojekte, jeder zweite Befragte immerhin mehrere eher lose Initiativen oder „erste Projekte“. Sowohl der Abschied vom Silodenken als auch schnellere Entwicklungsmethoden sind im Kommen: Das Miteinander-Reden und -Arbeiten sowie bereichsübergreifendes Denken sehen drei von vier Befragte als wichtig an, die agile Entwicklung ist der Studie nach die wichtigste Methode. Da ist es auch kein Wunder, dass das Thema Analysen als die Schlüsseltechnologie in der Digitalisierung angesehen wird, denn erst über aktuelle Zahlen sind Entscheidungen möglich, die so nah am Markt sind, wie es die Zeit erfordert.

4. Linde Group: Leuchtturmprojekte auf den Weg bringen

Ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung Einzug in Unternehmen hält, zeigt Armin Kress, Senior Enterprise Architect bei der Linde Group. Er bestückte ein Zylinderventil mit einer smarten Manschette, die den Druck und die Temperatur in einer Gasflasche und deren Füllgrad misst, per GPS seine Position verrät und per mobiler Kommunikation diese Daten permanent auf eine Cloud-Plattform spielt. Die Idee wird schnell klar: „Aus Sensordaten Mehrwerte bekommen“, nennt das Kress. Das sei beispielsweise nützlich für die Logistik, wenn das System ein Stück weit mitdenkt. Ein „Total Gas Management“ soll über eine vorausschauende Analyse herausfinden, wann der Kunde Nachschub benötigt. „Der Kunde bestellt nicht mehr bei uns, sondern wir generieren die Lieferungen beim Kunden“, so die Vorstellung des Linde-Managers, der nun „erste Business Cases implementiert“ hat.

5. Würth Group: Das gesamte Unternehmen mitnehmen

Um die Digitalisierung in Gang zu bringen, braucht es Leuchtturmprojekte, die zeigen, wie sich Digitalisierung in die Praxis umsetzen lässt. Damit allein ist es jedoch nicht getan. Wenn Unternehmen wie Schraubenhersteller Würth seine 72.000 Mitarbeiter in die Digitalisierung mitnehmen will, braucht es eine klare Strategie. „Digitalisierung durchdringt eigentlich alle Unternehmensbereiche – vom Marketing über die Produktentwickelung bis zur Logistik“, erläutert Bernd Herrmann aus der Konzernführung der Würth Gruppe, der eine „Omnibusladung Change-Management-Experten“ herankarrte, um den anstehenden Veränderungsprozess zu begleiten. Der Druck kommt aus dem Markt – und er betrifft das E-Business. 14 Prozent des Umsatzes macht Würth derzeit über das Internet, doch haben sich etwa Amazon Business und Grainger im Geschäftsfeld von Würth als digitale Konkurrenten inzwischen etabliert. Entsprechend lautet das Ziel nun, den Anteil aus dem E-Business zu erhöhen – auf 25 Prozent, nicht zuletzt, da das Internetgeschäft höhere Margen ermöglicht. Um die Transformation schnell zu bewerkstelligen, hat Herrmann ein einfaches Rezept: Er wählte 45 Personen aus den Geschäftsbereichen aus, die sich einmal im Monat einen gesamten Tag aus dem Tagesgeschäft herausziehen, über Suchmaschinenoptimierung, bessere Integration des Vertriebs, nötige Budgets und konkrete Maßnahmen diskutieren und Fortschritte zu überwachen. „Es entstand ein Interesse für Digitalisierung – das Schwungrad kam in Bewegung“, resümiert Herrmann, der weiß wie wichtig eine perfekte Lieferkette ist, wenn der Auftragswert bei durchschnittlich gerade einmal 270 Euro liegt.

6. Feedbackshake: Zeigen, was Nutzer-orientierte IT ist

Für Thomas Saueressig von SAP ist der Austausch zwischen den diversen Beteiligten an einem Produkt essentiell. Entwickler, Vertriebler, Nutzer: Über Kommunikation entsteht Nutzer-zentrierte IT, so lautet sein Credo. Nur über Feedback und Diskussion besteht die Chance, auch bestehende Produkte weiter zu verbessern. Für jene, die nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, wenn eine Applikation (auf dem Smartphone) hakt oder nicht so recht funktioniert, hat Saueressig nun den „Feedbackshake“ auf den Weg gebracht. Einmal das Smartphone schütteln und schon poppt ein Fenster auf, in dem man seinem Unmut Luft machen kann. „Diese Nachricht erreicht direkt den Entwickler dieser Anwendung“, so Saueressig. Schneller geht’s nicht.

Bild: Foto Vogt

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