CIOs verbreiten Optimismus

Feature | 21. Februar 2005 von admin 0

Der alljährliche Ansturm der Vorhersagen für den IT-Markt hat begonnen. Eine wichtige Erkenntnis für 2005: Analysten und Medien prognostizieren steigende Investitionen im Bereich IT-Outsourcing, da immer mehr Unternehmen die Pflege ihrer Software und Hardware abgeben wollen. Unabhängig voneinander sagen verschiedene Marktforschungsunternehmen für dieses Jahr ein weltweites Wachstum der IT-Investitionen um vier bis sieben Prozent voraus. Dabei entfällt der Löwenanteil auf kleine und mittelständische Betriebe. Ein einheitliches Bild stellt sich allerdings kaum ein, da jeder Analyst die Wachstumsraten etwas anders interpretiert. So erscheint es am besten, die Zahlen aus einer Auswahl von Prognosen für 2005 für sich sprechen zu lassen.

Forrester Research gibt sich konservativ. In ihrer vierteljährlichen Umfrage “CIO Confidence Poll” mit mehr als 1.300 IT-Entscheidungsträgern fanden die Marktforscher aus Cambridge, Massachusetts, heraus, dass Unternehmen ihre IT-Ausgaben in diesem Jahr um 3,9 Prozent erhöhen wollen. Sollte sich diese Vorhersage bestätigen, fällt das Wachstum schwächer aus als im Vorjahr, für das viele Analysten fünf bis sechs Prozent Steigerung angeben.
Forrester sieht Hinweise dafür, dass sich der Trend zum Outsourcing von IT-Systemen und -Diensten noch verstärken wird. Danach gaben US-Firmen im Jahr 2000 rund 47 Milliarden Dollar für ausgelagerte IT aus. In diesem Jahr werden es 84 Milliarden sein, und bis 2008 sollen die Investitionen für das Outsourcing auf Schwindel erregende 99 Milliarden Dollar klettern. Laut Forrester planen zahlreiche Unternehmen, mehr Geld für das Outsourcing auszugeben als im vergangenen Jahr. Vor allem kleine und mittlere Betriebe wollen ihre IT-Ausgaben erhöhen.
Für 69 Prozent der Geschäftsführer, die ein Upgrade ihrer Anwendungen planen, haben Investitionen in Beratungsleistungen Priorität. Die Nachfrage nach Systemintegrationsdiensten soll in diesem Jahr im Vergleich zu 2004 um zehn Prozent auf 44 Prozent steigen. Außerdem prognostiziert Forrester eine 27-prozentige Zunahme des Outsourcings von Wartung und Pflege.

Wachstum trotz unsicherer Wirtschaftslage

Die International Data Corp. (IDC) aus Framingham, Massachusetts, hat die Ergebnisse zweier großer Studien veröffentlicht: “Worldwide IT Spending 2004-2008 by Vertical Market Forecast Update: North America, Western Europe, Asia/Pacific, and Rest of World” und “U.S. IT Spending by Vertical Market 2004-2008 Forecast”. Das Unternehmen sieht die IT-Investitionen trotz der nach wie vor unsicheren Weltwirtschaftslage weiter steigen. Sie lagen 2004 bei weltweit 965 Milliarden Dollar und werden mit einer jährlichen Gesamtwachstumsrate von sechs Prozent bis 2008 auf 1,2 Billionen Dollar zulegen. “Wir bleiben optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten für IT-Anbieter in den USA und weltweit”, schrieb Anne Lu, Managerin des IDC-Forschungsprogramms “Worldwide Vertical Markets” in einer Pressemitteilung.
Unter anderem werden die Investitionen für Software international um sieben Prozent wachsen und 2005 einen Umfang von 213 Milliarden Dollar erreichen. Die Ausgaben für IT-Dienste sollen auf 423,8 Milliarden Dollar klettern; das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 5,7 Prozent. Für den Hardwaremarkt prognostiziert IDC bis 2008 ein Volumen von 465 Milliarden Dollar.
In Stamford, Connecticut, veröffentlichte die Meta Group ihren “Annual Worldwide IT Benchmark Report”, für den sie mehr als 1.900 Unternehmen aus mehr als 30 Ländern und 20 Industriezweigen untersuchte. Die Analysten prognostizieren danach ein weltweites Wachstum der IT-Investitionen um vier bis fünf Prozent. Bei den Investitionen liegt der asiatisch-pazifische Raum vorn, zudem wachsen die Ausgaben in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika stärker als in Nordamerika. Laut der Meta Group versuchen Unternehmen, den Wert ihrer IT zu erhöhen, indem sie die Fixkosten für ihre Systeme zugunsten variabler Kosten verringern und Software, Hardware und Arbeitskräfte auslagern.
Nach Erhebungen des Analystenhauses Gartner aus Stamford, Connecticut, werden die weltweiten IT-Investitionen 2005 um fünf Prozent steigen. Und das Unternehmen eMarketer aus New York, das die Prognosen verschiedener anderer Marktforscher zusammenfasst, ermittelte, dass kleine und mittelständische Betriebe das meiste Geld für IT ausgeben und ihre Investitionen um sechs bis acht Prozent aufstocken werden.
Weitgehende Übereinstimmung herrscht unter vielen Analysten darüber, dass Unternehmen im Bereich der Bildung, des Versicherungs- und Gesundheitswesens in diesem Jahr die größten Ausgaben bei der IT tätigen werden. Sparsamer sind dagegen Firmen aus dem Bau-, Ingenieurs- und Transportbereich.
Besonders gefragt sind nach Ansicht von Marktbeobachtern Sicherheitssoftware, Speichersysteme und serviceorientierte Architekturen (SOA). “SOA war die Abkürzung des Jahres 2004, und alle großen Firmen … wetteifern im SOA-Bereich und vermarkten komponentenbasierte, austauschbare Anwendungsarchitekturen als die neue Welle der IT-Infrastruktur”, schrieb der Nachrichtendienst InfoWorld Ende Dezember 2004. SAP liegt mit ihrer Enterprise Services Architecture (ESA), SAP NetWeaver und den zusammengesetzten Anwendungspaketen SAP xApps genau im aktuellen Trend der Web-Dienste und der SOA.

CIO steht für “Chief Information Optimist”

Wer sagt, CIOs seien Pessimisten? Die Ergebnisse von Forrester lesen sich anders. 54 Prozent der von den Marktforschern befragten IT-Leiter bewerten die Aussichten ihres Unternehmens für 2005 positiv. Im Jahr davor waren es 44 Prozent. Laut Forrester nahm schon im vergangenen Jahr der Optimismus von Quartal zu Quartal zu. 2005 kann sich sogar noch besser entwickeln. Denn im ersten Quartal 2004 beschrieben nur rund 33 Prozent der CIOs das Geschäftsklima als gut.
Auch das “CIO Magazine” bescheinigt den CIOs eine verbesserte Einschätzung ihrer Situation. In ihrer monatlichen Umfrage unter IT-Leitern aus den verschiedensten Branchen ermittelte die Zeitschrift für die nächsten zwölf Monate ein Wachstum der IT-Budgets um durchschnittlich 5,4 Prozent. Dies liegt geringfügig unter dem Ergebnis vom Dezember 2004, als CIOs noch mit einem Anstieg von 6,7 Prozent rechneten. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Vorhersagen bestätigen werden. 2004 rechneten die CIOs mit einem Anstieg der Investitionen um 8,2 Prozent, tatsächlich aber nahmen die Ausgaben nur um 5,8 Prozent zu.
Der InfoWorld-Redakteur Ephraim Schwartz hat im Dezember 2004 in seiner Kolumne “Delivering the Goods” eine eigene Liste mit Punkten erstellt, die 2005 im IT-Bereich Priorität haben werden. Dies sei allerdings keine Prognose, unterstrich er. Laut Schwartz wollen Unternehmen ihre IT-Investitionen senken und Mehrwert aus der Technologie schöpfen. “Es war schon immer der Königsweg, die Zahl der Plattformen, die das Unternehmen unterstützen muss, zu minimieren”, betonte Schwartz. Im Mittelpunkt stehen seiner Meinung nach die Themen Kostenreduzierung und Outsourcing: “Gehostete und verwaltete Anwendungen sowie Offshoring werden attraktiver als jemals zuvor.”

Sarah Z. Sleeper

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