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2-Tier-ERP: Unternehmenszentrale und Filialen mit unterschiedlichen ERP-Systemen

Feature | 12. Dezember 2017 von Holger Eriksdotter 16

Kleinere Filialen oder Produktionsstandorte benötigen in der Regel einen geringeren Funktionsumfang als das ERP-System in der Konzernzentrale. Immer häufiger kommen dabei Cloud-basierte ERP-Lösungen zum Einsatz.

Die digitale Transformation führt fast überall zum zunehmenden Einsatz von Services aus der Public Cloud. Egal welches Liefermodell – Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) oder Software as a Service (SaaS): Die dynamischen Cloud-Ressourcen verhelfen Unternehmen zu mehr Agilität, kürzerer Reaktionsfähigkeit, schnellerem Time-to-Market, Reduzierung der Komplexität der IT-Landschaften und nicht zuletzt zu sinkenden Kosten. Allerdings widersetzen sich mächtige ERP-Systeme in großem Unternehmen diesem Trend. Dafür gibt es gute Gründe.

On-Premise-Betrieb in eigener Verantwortung behalten

Denn gerade bei global agierenden Konzernen oder Unternehmen mit ausgedehntem Filialnetz sind die ERP-Systeme der Dreh- und Angelpunkt der weltweiten IT-Landschaft. Sie bilden gleichsam das Know-how des Unternehmens ab und sind das Zentrum für die Steuerung des weltweiten Geschäfts. Dabei spielt die uneingeschränkte Fähigkeit, die Prozesslandschaft jederzeit an sich verändernde Geschäftsbedingungen anzupassen, eine zentrale Rolle. Und dies gilt auch dann, wenn zunehmend neue, digitale und Cloud-basierte Anwendungen an das System angeschlossen werden. Der On-Premise-Betrieb in eigener Verantwortung gilt in vielen Unternehmen nach wie vor als Voraussetzung, um diese Anpassungsfähigkeit in der eigenen Hand zu behalten.

Hinzu kommen in vielen Fällen Sicherheitserwägungen: Auf der einen Seite sind es gesetzliche Regelungen, die den Umgang mit sensiblen Kundendaten einschränken und deren Auslagerung in die Cloud nur unter strengen Auflagen zulassen. Auf der anderen Seite liegt es im essentiellen Interesse jedes Unternehmens, dass das geistige Eigentum wie Blaupausen und Konstruktionspläne oder sensible Informationen wie Wettbewerbsanalysen oder Ausschreibungsunterlagen nicht in fremde Hände gerät. Insofern steht das selbst betriebene ERP-System bei der Mehrzahl der großen Unternehmen nicht zur Diskussion.

Zweistufige ERP-Strategie: Schnellere Einführung, kostengünstigere Einführung

Allerdings kann der grundsätzlich sinnvolle Ansatz eines zentralen ERP-Systems, das die Anforderungen aller weltweiten Geschäftsstellen, Fabrikationsstätten und Vertriebsniederlassungen abbildet, auch zu einer Komplexität führen, die Anpassungen erschwert und die Flexibilität der lokalen Organisationen behindert. Wenn Dutzende von nationalen Zeichensätzen und Landeswährungen, Formulare und Briefvorlagen in verschiedenen Sprachen, abweichende Mehrwertsteuersätze und gesetzliche Regelungen nur im zentralen ERP-System eingerichtet und gepflegt werden können, schränkt das die Bewegungsfreiheit der Niederlassungen erheblich ein.

„Eine globale ERP-Strategie bewegt sich grundsätzlich in einem Spannungsfeld zwischen konzernweit gültigen und lokal unterschiedlichen Prozessen, Daten und IT-Systemen“, schreiben Heiko Thimm und Dirk Brümmer, Autoren der Studie „Vorgehensmodelle zur Einführung von Second-Tier-ERP-Systemen“. Eine zweistufige ERP-Strategie biete hier eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehöre neben schnellen Einführungszeiten und geringeren Implementationskosten, dass die zentrale Steuerungsfähigkeit durch das „Haupt-ERP-System“ gewährleistet bliebe, während sie gleichzeitig den Niederlassungen eine größere Flexibilität ermögliche.

„Global agierenden Unternehmen mit einem weit verzweigten Netz an Niederlassungen, Tochtergesellschaften oder internenStart-ups mit abweichenden Geschäftsmodellen raten wir in vielen Fällen einer 2-Tier-ERP-Strategie zu folgen“, sagt Detlef Krause, Senior Vice President SAP S/4HANA Cloud für Mittel- und Osteuropa. Im Mittelpunkt des 2-Tier-ERP-Ansatzes steht die Idee, die Niederlassungen mit eigenen ERP-Systemen auszustatten, die an das System in der Unternehmenszentrale angeschlossen werden. Es komme vor allem darauf an, die Systeme optimal aufeinander abzustimmen. Die Installation eines identischen Systems wie in der Zentrale sei in vielen Fällen einfach nicht der richtige Weg: „Große, kundenspezifisch angepasste ERP-Systeme sind für Tochtergesellschaften meist überdimensioniert und verursachen einen hohen Installations- und Wartungsaufwand, und benötigen zu viel Zeit, diese dann anzubinden“, sagt der SAP-Manager. Deshalb sei in den Niederlassungen ein ERP-System aus der Public Cloud fast immer die beste Lösung. „Wir haben schon sehr viel Erfahrung mit 2-Tier-ERP-Lösungen gesammelt und bieten ERP-Systeme aus der Public Cloud für unterschiedliche Unternehmensgrößen an“, sagt SAP-Experte Detlef Krause.

Die Unternehmenstöchter erhalten Agilität und Geschwindigkeit. (Detlef Krause)

Cloud-Systeme im SaaS-Liefermodell entlasten die Unternehmenstöchter auf mehrfache Weise: Die Belegschaft vor Ort, die oft über nur geringes IT-Know-how verfügt, muss sich weder um Hardware noch um Updates und Wartung kümmern. Die jeweils neueste Programmversion wird regelmäßig automatisch zur Verfügung gestellt, die benötigten Rechen- und Speicherkapazitäten werden automatisch an den Bedarf angepasst, die einfache Browser-basierte Bedienung verringert den Schulungsaufwand. Gleichzeitig erhält die Filiale die Freiheit, alle in ihrem Verantwortungsbereich liegenden Anpassungen selbständig zu erledigen: „Die Unternehmenstöchter erhalten damit die Agilität und Geschwindigkeit, die sie brauchen, um, wenn gewünscht, unabhängig von der Zentrale jederzeit flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren zu können“, verspricht SAP-Manager Detlef Krause.

Weitere Informationen:

Weiterführende Informationen erhalten Sie im Webinar „Wie ERP aus der Cloud Effizienz und Wachstum in ihren Tochtergesellschaften fördert“

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