Sirius: Der Weg der Partners Group in die Public Cloud

Für seine Corporate-Prozesse setzt die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Partners Group künftig auf ERP in der Public Cloud. Die ersten drei Gesellschaften arbeiten bereits mit dem neuen Cloud-Standard. „Eine gute Chance, bestehende Prozesse zu überdenken und anzupassen“, befindet Patrik Bless, Leiter des „Sirius“ genannten Programms.

2017 war das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte der Partners Group. Der auf die Finanzierung und Entwicklung erfolgreicher Unternehmen, von Immobilien und Infrastruktur-Projekten fokussierte „Privat Market Investment Manager“, wie Patrik Bless den Finanzdienstleister nennt, steigerte das Volumen seiner weltweit betreuten Werte auf knapp 62 Milliarden Euro, fast 40 Milliarden mehr als noch vor sechs Jahren. Gleichzeitig stieg der Gewinn von 212 Millionen Schweizer Franken kontinuierlich von Jahr zu Jahr auf mehr als das Dreifache (752 Millionen Schweizer Franken bzw. 633 Millionen Euro in 2017). „Unterstützung des Gruppenwachstums“, ist für den Vice President Technology der Partners Group Bless neben effizienteren Prozessen durch stärkere Integration der Systeme sowie optimiertem Risikomanagement entsprechend einer der drei wichtigsten Treiber für eine neue Corporate IT-Landscape.

Sirius: Public Cloud mit drei Zacken

Als dazu Anfang 2016 erstmals sondiert wurde, war die Public Cloud „nur“ eine der Optionen. Heute sind bereits die ersten drei Gesellschaften mit dem neuen Cloud-ERP (SAP S/4HANA Public Cloud) live. In einer gestaffelten Einführung sollen bis Ende des Jahres alle 19 Landesgesellschaften die Software im Einsatz haben. „Sirius“ heißt das Programm heute, das vorsieht, die Corporate-Seite des Unternehmens in der Cloud abzubilden – und zwar nicht nur die Finanzprozesse, sondern auch das Personalmanagement sowie Reise- und Spesenabrechnungen. Entsprechend hat das Logo des nach dem hellsten Stern am Firmament benannten Projekts drei Zacken, einen für jeden „Hauptstream“ – softwaretechnisch gesehen also für SAP S/4HANA Public Cloud, SAP SuccessFactors und SAP Concur.

Cloud-ERP: Prozesse überdenken, Standard akzeptieren

Als Finanzlösung hatte die Partners Group bis jetzt eine klassische Mittelstandslösung aus der Schweiz im Einsatz. „Sie lief stabil und sämtliche Prozesse waren erprobt, doch war für unsere globale Ausrichtung nicht mehr optimal geeignet“, erläutert der für Sirius verantwortliche Manager Bless, dem sich die Chance bot, die Abläufe im Unternehmen grundsätzlich zu hinterfragen. Nach 20 Jahren mit gewachsenen Prozessen, vielen Einzelsystemen und zunehmender Komplexität hieß die Antwort nun: Auf standardisierte Lösungen setzen. „Wir sahen in der Public Cloud die Chance, unsere Prozesse zu überdenken, anzupassen und an einem erprobten Standard zu orientieren“, erläutert Bless: „Denn es macht wenig Sinn, Prozesse intensiv zu prüfen und sie zum Schluss identisch wieder abzubilden – wenn auch über ein innovativeres Tool.“

Nach Erfahrungen von Victor Leuenberger, dessen Team Bless von SAP-Digital-Business-Seite als Berater und Implementierungspartner unterstützte, helfen die Standardprozesse von Public-Cloud-Anwendungen Unternehmen oft über langwierige interne Diskussionen hinweg. Individuelle Funktionalitäten und Sonderwünsche werden schon von Beginn an vermieden. „Denn es heißt: Das ist der Standard. Damit müsst ihr jetzt umgehen“, sagt der SAP-Manager aus der Geschäftsleitung der SAP Schweiz. Gerade in der Phase der „Exploration“, wie Bless das Herantasten an Cloud-Standards im Unternehmen im vergangenen Jahr nennt, war das eine Herausforderung: „Wir haben die Zeit genutzt, die Grenzen der Cloud zu verstehen“, sagt Bless heute. Er kennt nun die Funktionen, die durch die Software limitiert sind. Aber er weiß auch die Vorteile zu schätzen – etwa die Update- und Zukunftsfähigkeit der Lösung. Inzwischen laufen die Trainings für die Mitarbeiter, die sich mitten in der „Change-Kurve“ befinden – auf dem Weg zur Akzeptanz der neuen Prozesse.

Public Cloud statt On-premise: Aufs Kerngeschäft konzentrieren

In den Augen von SAP-Manager Leuenberger gibt es derzeit zudem einen Wandel in der IT-Branche: „Weg vom Softwareverkauf, hin zur Bereitstellung der Software in der Cloud.“ Anwendungen aus der Public Cloud decken zuverlässig viele Leistungen ab, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören. Dienstleistern wie die Partners Group kommt dieses Modell entgegen. Denn deren Kernkompetenz liegt im Investment- und Kundenbereich und nicht darin, IT für den Corporate-Bereich selbst zu betreiben. „Wir haben keine Ambitionen, ein eigenes SAP-Team aufzubauen“, betont Bless, der „Sirius“ ohnehin als Business- und nicht als IT-Projekt ansieht. „In erster Linie geht es uns darum, im Business neue Prozesse einzuführen“, erläutert Bless, weshalb Projektleiter für die einzelnen „Streams“ genauso aus Fachbereichen wie aus der IT kommen können.

SAP und Partners Group: Vom Early Adopter zum engen Partner

In den ersten drei Gesellschaften hat die Partners Group seit Anfang April 2018 das neue Cloud-ERP im Einsatz. Diese „legal entities“, die SAP S/4HANA Public Cloud nun einsetzen, wurden nach definierten Kriterien ausgesucht, so dass nun bestätigt ist, dass die Software in der Lage ist, die erforderliche Gesamtfunktionalität abzudecken. So wurde beispielsweise eine Gesellschaft ausgewählt, die es „auf der SAP-S/4HANA-Weltkarte in der Kombination Land und Währung noch nicht gab“, sagt Bless, der mit der Partners Group zu den „Early Adopters“ der Public-Cloud-Anwendung von SAP in der Schweiz gehört. Doch ist er von einigen nötigen Nachbesserungen nicht überrascht – etwa über den Aufwand, Regulatoren zu erklären, wie ihre Anforderungen in der Public Cloud umgesetzt werden. Zudem gibt es aktuell noch Nachbesserungsbedarf hinsichtlich einiger Funktionalitäten, die im Mai-Release enthalten sein sollen. „Basierend auf dem Feedback von Partners Group wurden einige Funktionalitäten bereits in den Standard aufgenommen und weitere sind auf unserer Roadmap“, erläutert SAP-Manager Leuenberger, dessen Cloud-Standard nun immer mehr die „Good Practices“ im Unternehmen abdeckt.

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