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Cloud: Viele SAP-Kunden gehen strategisch heran

12. Februar 2015 von Andreas Schmitz 0

SAP bezieht in seiner Hybrid-Strategie die Cloud als wichtigen Bestandteil mit ein. Wo stehen die Kunden heute? Antworten von Vice-President Frank Niemann vom Beratungshaus Piere Audoin Consultants (PAC).

SAP hat ambitionierte Ziele mit der Cloud. Gehen die hiesigen Kunden da mit?

Immerhin knapp 40 Prozent der von uns befragten Unternehmen setzen sich bereits strategisch mit dem Thema Cloud auseinander. Auch wenn 15 Prozent von ihnen erst noch in die strategische Planung einsteigen wollen: Die Ergebnisse zeigen, dass SAP-Anwender bereit sind für die Cloud. Viele überlegen sich ernsthaft, wo entsprechende Anwendungen die bestehende On-Premise-Welt sinnvoll unterstützen können. Die Offenheit ist sicher noch nicht vergleichbar mit jener, die man etwa von US-Unternehmen kennt. Doch verändert sich auch in Deutschland gerade etwas.

Sie haben CIOs, Geschäftsführer und SAP-Verantwortliche aus über hundert deutschen Unternehmen befragt, Mittelständler wie Großunternehmen. Gab es Überraschungen?

Erstaunlich fand ich, dass sich derart viele Unternehmen – gut die Hälfte – Gedanken über eine Cloud-Strategie für die betriebswirtschaftlichen Prozesse machen. Diese Firmen überlegen also, ob und wie sie Bereiche wie Finanzen, den Vertrieb und den Einkauf künftig zumindest teilweise in der Cloud abbilden können. Für mich ist das der Beweis, dass die Cloud immer weniger von der IT-Perspektive aus betrachtet wird. Interessant ist auch, dass sich drei Viertel der Befragten von Software as a Service vor allem die Standardisierung von Prozessen verspricht. Und das sind ja die Ziele, die SAP seit Jahren schon mit seiner On-Premise-Software verfolgt.

Wo liegen die besonderen Hemmnisse, die SAP-Kunden noch häufig davon abhalten, sich mit Cloud-Anwendungen zu beschäftigen?

Nach unseren Erfahrungen sind besonders die Unternehmen, die keine Outsourcing-Dienste in Anspruch nehmen, auch weniger bereit, sich mit dem Betrieb von SAP-Systemen in der Cloud – SAP IaaS – zu beschäftigen. Und wer schon Outsourcing-Services für SAP-Systeme nutzt, muss nicht erst einmal überzeugt werden, dass SAP IaaS genügend Mehrwerte bietet. Laut der Studie nutzt rund die Hälfte der Firmen Outsourcing für die gesamte SAP-Umgebung oder zumindest für Teile davon. Das Sicherheitsbedürfnis, das zeigt unsere Befragung, ist natürlich ein sehr wichtiger Faktor. Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung ist, dass besonders deutsche Unternehmen gründlich planen und über Jahre Kompetenzen im SAP-Betrieb aufgebaut haben. Sie haben die Dinge im Griff. Diese Unternehmen brauchen schon überzeugende Argumente, bevor sie ihre SAP-Systeme in die Cloud geben. Obwohl sie auch die Vorteile wie die Entlastung der IT-Organisation und die mögliche Kostenreduktion kennen, sind mehr als 80 Prozent derzeit nicht davon zu überzeugen, in entsprechende Technologien für den Betrieb von SAP-Systemen in einem Cloud-Rechenzentrum zu investieren. Eher bereit sind die Firmen, SAP Software as a Service anzuschaffen, also Cloud-basierende Anwendungen für bestimmte Fachbereiche.

Die SAP setzt in ihrer Strategie immer mehr auf das Motto Einfachheit. Ist das für den Kunden nachvollziehbar?

Es gibt in der Studie einige Indizien dafür, dass Einfachheit mehr als willkommen ist. Wenn 96 Prozent der Kunden eine verständliche Cloud-Roadmap für wichtig oder sehr wichtig halten und sämtliche Kunden leicht verständliche Subskriptions- und Nutzungsmodelle mindestens für wichtig halten, sind dies klare Zeichen dafür.

In letzter Zeit setzt SAP etwa mit der SAP Business Suite 4 HANA oder kurz SAP S/4HANA stark eigene Akzente. Hier steckt alles drin, was SAP derzeit an Innovationen zu bieten hat, von SAP HANA über Cloud bis hin zu den intuitiven Oberflächen via SAP Fiori oder SAP Screen Personas. Ist das die neue Cloud-Strategie?

Die SAP Business Suite 4 HANA ist ein Ansatz dafür, wie die versprochene Einfachheit im Kernprodukt umgesetzt werden soll. Zwar sind die Innovationen als erstes in der Cloud zu haben, SAP schreibt aber nicht vor, diese ausschließlich aus der Cloud zu beziehen. Und das wäre in Deutschland auch nicht realistisch: Wie auch die Befragung zeigt, sind hybride Systeme der pragmatische Mittelweg für die SAP-Anwender. SAP S/4HANA zeigt vor allem eines: Die SAP kümmert sich um ihre Bestandskunden, denn hier geht es um die Weiterentwicklung der SAP Business Suite. SAP zwingt aber niemanden dazu, sich ein komplett neues System zuzulegen. Stattdessen wird das bestehende nun permanent verbessert. SAP hat viel versprochen – jetzt muss geliefert werden.

 

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