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Co-Leadership: Führungsrolle im Tandem

Feature | 24. Januar 2018 von Andreas Schmitz 0

Seit Anfang 2018 ist jede Führungsrolle so ausgeschrieben, dass sie von zwei Mitarbeitern besetzt werden kann, die sich die Arbeit teilen. Cawa Younosi, HR Director für SAP Deutschland sowie SAP SE in Deutschland über die neue Flexibilität für Mitarbeiter.

Herr Younosi, im September 2017 haben Sie intern einen Brief an 22.000 Mitarbeiter verschickt und das Co-Leadership-Programm vorgestellt, das Anfang 2018 zunächst in Deutschland gestartet ist. Was steckt dahinter?

Im Prinzip gibt es die Möglichkeit bei SAP schon mehrere Jahre, dass sich zwei Mitarbeiter eine Führungsrolle teilen. Zunächst einmal ist ein derartiges Job-Sharing besonders für Frauen interessant. Denn immer wieder zeigte sich auch bei SAP: Wenn Mitarbeiterinnen Kinder bekamen und nach einiger Zeit wieder in ihren Job zurückkehrten, konnten besonders Frauen, die vorher Führungsfunktionen inne hatten, nicht mehr an die Aufgaben anknüpfen. Viele von Ihnen hatten sich entschieden, künftig in Teilzeit zu arbeiten, konnten ihre ehemalige Arbeit allerdings nicht in 20 oder 30 Stunden erledigen. Im vergangenen Jahr sind wir dann dazu übergegangen, einzelne Positionen direkt als Co-Leadership-Positionen auszuschreiben. Das bedeutet, dass sich zwei geeignete Kandidaten zusammen auf diese Stelle bewerben und sich die Arbeit teilen. Ab sofort schreiben wir ausnahmslos jede Führungsrolle in Deutschland so aus, dass sie prinzipiell von zwei Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen besetzt werden kann.

Gemeinsam führen: Job-Sharing bei SAP

„Ab sofort schreiben wir jede Führungsrolle in Deutschland so aus, dass sie prinzipiell von zwei Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen besetzt werden kann”, sagt Cawa Younosi, Personalchef Deutschland bei SAP.

Dafür ist es nötig, zwei Personen zu finden, deren Qualifikationen für diese Positionen geeignet sind und die beide nicht mehr ganztags arbeiten wollen. Wie bringen Sie die Bewerber zusammen?

Das ist tatsächlich die größte Herausforderung, vor der wir stehen. Wir benötigen dafür ein Tool, das die Präferenzen der Kandidaten abfragt und auf einer Plattform anonym sammelt. Wie viele Stunden möchten sie arbeiten? Welche Qualifikationen bringen sie mit? Wo würden sie gerne arbeiten? Wann stehen sie für eine neue Aufgabe in Teilzeit zur Verfügung? Unser Tool funktioniert wie eine Partnerbörse. Passen die Präferenzen zusammen und versteht sich das potenzielle Co-Leadership-Tandem, bekommt es für die Bewerbung auf die Position die gleichen Chancen wie ein einzelner Bewerber. Seit Oktober haben wir unser Kollaborationstool SAP Jam für das Matching der Tandems im Einsatz. Hier lassen sich die Angaben allerdings nicht anonymisieren. Das wird sich ab dem zweiten Quartal mit einem neuen Tool ändern.

Co-Leadership-Tandem: Partner finden sich via SAP Jam

An wen richtet sich das Angebot?

Vordergründig sind es vor allem Mütter und auch Väter, die nach der Geburt ihrer Kinder kürzer treten wollen. Allerdings ist das Modell auch hervorragend dafür geeignet, etwa die Zeitverschiebung zu managen. Bei einem international arbeitenden Team kann es sich also gut ergänzen, wenn eine Führungskraft in Deutschland und die andere in den USA in Teilzeit arbeiten. Ein anderes Beispiel ist die Altersteilzeit. Führungskräfte mit viel Erfahrung können ihr Zeitpensum schon herunterfahren und sich ihre Verantwortung mit einem jüngeren Kollegen teilen. Der Vorteil liegt dabei auch darin, dass das Wissen des erfahrenen Kollegen nicht verloren geht. Hinzu kommen Mitarbeiter, die mehr Zeit für ihre Hobbys haben wollen, sich um erkrankte Angehörige kümmern müssen oder für ihre Karriere schlicht nicht ihre gesamte Zeit aufbringen möchten.

Für 20 Stunden pro Woche eine Führungsrolle zu übernehmen, ist auch eine Herausforderung und erfordert Vertrauen. Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für Tandems?

Natürlich stellen einige Kandidaten zunächst einmal die Frage, wie sie ihre Arbeit in Teilzeit schaffen sollen, wenn vorher der ganze Tag dafür selten ausgereicht hat. Die einfache Antwort lautet: Man kann seine Arbeit auch erledigen, wenn man weniger arbeitet. Wichtiger wird es dann, Aufgaben zu delegieren und zu priorisieren. Dafür bieten wir Coachings an, die Mitarbeitern helfen sollen, diese Fähigkeiten, die übrigens für jede Führungskraft ohnehin sehr wichtig sind, zu verbessern. Vielen Kollegen gelingt das ja bereits: Schließlich arbeiten schon mehr als 80 Mitarbeiter in Deutschland – vorwiegend Frauen – als Teilzeitführungskräfte bei SAP.

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