Customization auf dem Prüfstand

Feature | 13. Juli 2005 von admin 0

Ein mittelständisches Unternehmen, das ein IT-System bis ins Detail an die eigenen Bedürfnisse anpassen will, sollte genau abwägen, was dafür oder dagegen spricht. Die Bandbreite an kundenspezifischen IT-Systemen ist enorm – die Grenzen zwischen Sinn und Sinnlosigkeit sind fließend. Modifikationen können von einfachen Veränderungen einiger Systemparameter bis hin zu einem umfangreichen, komplexen Reengineering der Software reichen.
Daher sollten mittelständische Unternehmen zuerst die treibenden Faktoren hinter einer solchen Investition untersuchen und klar definieren, bevor sie sich für eine individuelle Softwarelösung entscheiden. Denn die Wartungskosten steigen mit dem Grad der Software-Individualisierung. Es ist ein aussichtsloses Unterfangen – von der Verschwendung von Unternehmensressourcen ganz abgesehen –, wenn kleine und mittelständische Unternehmen im Nachhinein feststellen, dass die selbst gestrickte Lösung nicht mit dem Unternehmen mitwachsen kann. Die Entscheidung für ein ERP-System sollte sich daher an den langfristigen Zielen des Unternehmens orientieren. Hierbei hilft beispielweise eine Return-on-Investment-(ROI)-Analyse.
Im Gegensatz zu multinationalen Konzernen verfügen mittelständische Unternehmen oft nur über begrenzte IT-Ressourcen und Budgets. Wenn Geschäftsmodell und IT nicht zu 100 Prozent in Einklang gebracht werden, sind Probleme im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Denn künftige Upgrades können sich bei individuellen Softwarelösungen als ausgesprochen mühsam und ressourcenintensiv erweisen, so dass oft ein großes Stück der IT-Infrastruktur entfernt und durch eine Neuimplementierung ersetzt werden muss.

Herausforderungen bei der Anpassung

Die Höhe des Risikos, das mit Softwareanpassungen verbunden ist, hängt von der Komplexität der jeweiligen Änderungen ab. So besteht bei einer Modifikation der Application Programming Interface (API) nur ein sehr geringes Risiko, während bei Änderungen an Grundfunktionen die potenzielle Gefahr für das Unternehmen zunimmt – allerdings bietet letzteres auch größere Flexibilität für die Anpassung der Software.
Auch die Kompatibilität kann zu einem Problem werden. Je öfter ein Unternehmen Modifikationen an seinen IT-Systemen vornimmt, umso mehr muss es sich Gedanken um die Ab- und Aufwärtskompatibilität der geänderten Lösung mit den restlichen Produkten in seinem IT-Ökosystem machen. Kompatibilitätsprobleme können selbst dann auftreten, wenn Softwareanbieter im Rahmen ihres Verbesserungs- und Upgradeverfahrens Änderungen an ihren Produkten vornehmen.
Viele IT-Dienstleister bieten zwar noch lange Support für ältere Produkte an und garantieren bis zu einem gewissen Grad die Abwärtskompatibilität von Neuentwicklungen. Trotzdem besteht die Gefahr, dass diese Support-Leistungen irgendwann eingestellt oder strukturelle Veränderungen an den Lösungen vorgenommen werden. Infolgedessen kann es passieren, dass ein Unternehmen letzten Endes eine angepasste Software besitzt, die vom Anbieter nicht mehr unterstützt wird.

Nur anpassen, wenn erforderlich

Trotz dieser Herausforderungen müssen mittelständische Unternehmen keinen großen Bogen um Anpassungen machen. Allerdings sollten sie Modifikationen auf ein Minimum beschränken und nur dann durchführen, wenn erstens eine geschäftliche Notwendigkeit besteht und zweitens Neuerungen zum Ausbau des Geschäfts zwingend erforderlich sind. Im Rahmen ihres Bewertungsprozesses sollten die Unternehmen auch den Aufwand für den Support der jeweiligen Lösung gegen die Vorteile abwägen, die sie tatsächlich erbringt. Wenn der Umfang des erforderlichen Supports den Return on Investment (ROI) übersteigt, führen Anpassungen in eine Sackgasse.
Ist eine Anpassung jedoch gerechtfertigt, so ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Führungskräfte interne Change-Management-Prozesse in die Wege leiten, um die Akzeptanz und Nutzung der Veränderungen auf Seiten der Anwender sicherzustellen. Darüber hinaus sollten Softwareanpassungsinitiativen – wie alle IT-Projekte – eine kurze Umsetzungszeit haben. Statt eines langwierigen Verfahrens, bei dem alle Umstellungen auf einmal erfolgen, sollte lieber ein gestaffelter Ansatz angestrebt werden, bei dem schnell und häufig zu beobachten ist, dass die Investition sich tatsächlich auszahlt.
Nur wenn all diese Faktoren berücksichtigt werden, können mittelständische Unternehmen von den Vorteilen einer Softwareanpassung profitieren. Doch Customization muss nicht das A und O bedeuten. Für mittelständische Unternehmen stehen heute zahlreiche vorkonfigurierte Produkte, beispielsweise von SAP, zur Verfügung, die schon auf die speziellen Bedürfnisse verschiedener vertikaler Sektoren zugeschnitten sind.
Die gebündelten Softwarelösungen von SAP sind nicht nur kostengünstig und einfach zu implementieren, sondern auch auf die speziellen Probleme abgestimmt, denen sich der Mittelstand in bestimmten Teilbranchen gegenübersieht. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie speziell für Unternehmen entwickelt wurden, denen sowohl die Zeit als auch das Personal und das Budget für die Durchführung umfangreicher Softwarekonfigurationsprojekte fehlt. Mit diesen Lösungen lassen sich die meisten, wenn nicht sogar alle Anforderungen eines mittelständischen Unternehmens abdecken, ohne dass Anpassungen erforderlich sind.

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