Das Geschäft brummt

Feature | 31. März 2009 von Sarah Z. Sleeper, Journalistin, Solana Beach, Kalifornien 0

Während nicht nur für Amerikas Großunternehmen die Sterne ungünstig stehen, reitet ein kalifornischer Mittelständler auf der Erfolgswelle: Der Lebensmittelvertrieb Saladino’s aus Fresno besteht seit 1944 und verzeichnete in den letzten drei Jahren ein Umsatzwachstum von 230 Prozent. Innerhalb von sechs Jahren stieg der Erlös von 100 Millionen Dollar auf fast 400.

Den Erfolg führt CIO Craig Urrizola auf gediegenen Service sowie eine IT-Strategie zurück, die auf einen Effizienzschub durch SAP setzt. „Mit SAP senken wir unsere Kosten und arbeiten effizienter“, so Urrizola. „Die Software hilft uns auch, unseren Dienst an der Kundschaft zu verbessern.“

Im Mai 2008 nahm das Familienunternehmen im Finanzwesen SAP Business All-in-One in Betrieb. Im Frühjahr 2009 folgen SAP Customer Relationship Management und die in Zusammenarbeit mit Partner Vistex entstandene Anwendung SAP Paybacks & Chargebacks. Auch in der Lagerhaltung wollen die Kalifornier Lösungen aus Walldorf einsetzen.

Maßgeschneidertes Angebot

Anfang 2007 richtete Saladino’s bei Los Angeles ein neues Verteilzentrum ein. Spätestens jetzt war klar, dass die alte Software an ihre Grenzen stieß. Etliche Buchhaltungs- und Logistikaufgaben musste das Personal von Hand erledigen – eine wenig effiziente Arbeitsweise. Das inflexible Altsystem scheiterte an wichtigen Geschäftsprozessen. Obendrein machte eine Vielzahl firmenspezifischer Anpassungen seine Pflege und Lizenzierung umständlich und teuer. Der Lebensmittellieferant suchte dringend eine Alternative, mit der er rationalisieren und sein rasantes Wachstum bewältigen konnte.

Urrizola wusste, dass die Einführung eines integrierten ERP-Systems anstand, hegte gegenüber SAP jedoch Vorbehalte. Die Produkte der Walldorfer schienen ihm teuer und für Mittelständler überdimensioniert. Beinahe hätte ihn das überzogene Angebot eines unabhängigen IT-Beraters in dieser Meinung bestätigt. Erst nach einem Treffen mit einem Kundenbetreuer aus dem Konzern, dem Besuch der SAPPHIRE 2007 und einer maßgeschneiderten Offerte von Fujitsu Consulting entschied sich der IT-Leiter für die Software aus Walldorf.

Im März 2008 fiel der Startschuss. Bereits acht Wochen später verwalteten die Kalifornier mit dem neuen System ihre Finanzen. Zug um Zug stellen sie immer mehr Kerngeschäftsprozesse auf SAP um.

Der Mühe Lohn

Craig Urrizola, CIO bei Saladino's


Schon jetzt liegen handfeste Ergebnisse vor. Die Buchhaltung zum Beispiel ist effizienter geworden. Früher setzte das Unternehmen ein isoliertes Kreditorensystem ein, dessen Daten nie auf dem neuesten Stand waren. Besonders lästig war die fehlende Anbindung an das Bestellwesen. Diesen Mangel hat man mit SAP abgestellt. Saladino’s arbeitet nun mit aktuellen, verlässlichen Daten, das Hauptbuch wird in Echtzeit fortgeschrieben. Die Firma spart Geld, weil sie seltener den Wirtschaftsprüfer hinzuziehen muss. Im März 2009 geht das Projekt in die nächste Runde.

Nach der Umgestaltung und Automation der Vertriebs- und Serviceprozesse können die Kunden des Händlers an einem Webportal ihre Kontostände abrufen, Rechnungen begleichen, die Rückholung beanstandeter Waren veranlassen und bestellen. Dadurch verringert sich beiderseits der Aufwand, der Schriftverkehr geht zurück, die Zufriedenheit der Abnehmer steigt.

Außerdem führt Saladino’s eine Warenwirtschaft für den Einkauf sowie eine Verfügbarkeitsprüfung für die Auftragserfassung ein. Damit kann der Mittelständler seine Bestände genauer auf die Nachfrage abstimmen. Diese Funktionen sind für ihn deswegen so wichtig, weil er bei Lieferfehlern eine korrekte Zustellung binnen 24 Stunden zusichert. Verfügt er also über genaue Einkaufs- und Auftragsdaten, fallen weniger Fehler und weniger teure Expresslieferungen an.

Mehreinnahmen aus Erstattung

Den größten Nutzen verspricht sich Urrizola indes von SAP Paybacks & Chargebacks. „Das dürfte uns rund 30.000 Dollar mehr im Monat einbringen“, schätzt er. Wie das? In der Lebensmittelbranche vereinbart der Großhändler mit dem Hersteller meist einen festen Abnahmepreis. Danach kalkuliert der Großhändler seinen Verkaufspreis. Kann er diesen gegenüber dem Einzelhandel nicht durchsetzen, zahlt ihm der Hersteller einen Ausgleich.

Ein Beispiel: Ein Imbissladen bezieht von Saladino’s Brot zu zehn Dollar die Kiste. Der Lebensmittelvertrieb hat jedoch mit der Großbäckerei einen Festpreis von zwölf Dollar ausgehandelt. Den Verlust von zwei Dollar pro Kiste erstattet ihm die Brotfabrik. Mangelnde Verzahnung der Geschäftsprozesse verursacht dabei zwei gravierende Probleme: Erstens entgehen Saladino’s infolge von Datenverlusten oder -fehlern bis zu 18 Prozent der Ausgleichszahlungen, und zweitens führen Verzögerungen bei der Erstattung schnell zu Liquiditätsengpässen.

Normalerweise dauern Bearbeitung und Eingang der Rückvergütungen 30 bis 90 Tage. Mit SAP glaubt Urrizola diese Frist auf 14 bis 21 Tage verkürzen und die Summe der erstatteten Beträge um zehn Prozent steigern zu können. Im Monat wären das 30.000 Dollar. Urrizola: „Allein dadurch hätte sich unser Projekt in drei Jahren amortisiert.“

Nicht nur von SAP zeigt sich der IT-Leiter begeistert. Auch Fujitsu Consulting verdiene Anerkennung. „SAP mag die beste Software liefern, doch ohne einen Partner, der sie kostengünstig installiert, wäre das vergebens“, findet er. Ob er als Mittelständler SAP immer noch für zu komplex und teuer halte? „Aber nein! Ich weiß ja jetzt aus eigener Anschauung, dass sich die Investition rechnet – selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

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