Das Internet der Dienste

Feature | 28. August 2008 von Vasco Alexander Schmidt 0

„Innovative Unternehmen werden die serviceorientierte IT-Architektur bald richtig zum Leben erwecken, um Kunden Dienstleistungen anzubieten oder selbst in Anspruch zu nehmen“, sagt Rainer Ruggaber, Forscher bei SAP Research in Karlsruhe und Projektleiter des TEXO-Anwendugsszenarios innerhalb des Forschungsprogramms THESEUS. „Noch ist die webbasierte Dienstleistungswirtschaft eine Vision, doch wir sind dabei, die technischen Fragen nach und nach zu klären.“

An dem Forschungsprojekt sind unter dem Titel „Business Webs im Internet der Dienste” neben SAP zehn hochkarätige Partner aus Industrie und Wissenschaft beteiligt. Unterstützt wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das der digitalen Dienstleistungswirtschaft einen kräftigen Schub geben möchte.

Virtualisierung der Geschäftswelt

Die Idee dahinter: Die modernen serviceorientierten Software-Architekturen auf das Internet zu erweitern. „Dadurch lassen sich Dienstleistungen flexibler als bisher über das Internet anbieten und in andere Software integrieren“, erklärt Ruggaber. Unter Diensten seien sowohl automatisierte Web Services gemeint als auch traditionelle Dienstleistungen, die von Menschen erbracht werden.

In Zukunft sollen nicht nur Bücherkäufe, Flugbuchungen oder Routenplaner über das Internet abgewickelt werden, sondern auch die Anmeldung beim Kinderarzt, die Abwicklung von Exporten ins Ausland oder Beratungsdienste für Unternehmen. Diese Virtualisierung der Geschäfts- und Lebenswelt werde Dienste zu „handelbaren, komponierbaren Gütern” machen, da ist sich Ruggaber sicher. „Man wird mit solchen Diensten handeln können und sie zu neuartigen Diensten zusammensetzen – so, wie die Autohersteller Teile von Zulieferern verwenden.“

Experten sind sich einig, dass diese neuen webbasierten Netzwerke eine große Chance für SAP sind. „Das Internet der Dienste hat das Potential, das SAP-Ökosystem noch attraktiver machen“, so Ruggaber. Schon jetzt bietet SAP gemeinsam mit Partnern Software-Lösungen und Dienstleistungen an; in den Industry Value Networks arbeiten SAP, Kunden und Partner an einheitlichen Standards für Services.

„Das Internet der Dienste zeigt, wie man dieses Netzwerk erweitern und Mehrwert für alle Beteiligten schaffen kann“, erklärt Ruggaber. Gerade kleine, agile Firmen könnten auf einer solchen Plattform ihre Dienste global anbieten und sich so zum Nutzen der Kunden an der digitalen Wertschöpfungskette beteiligen.

Neue technische Plattform für Services

Wie eine technische Plattform für das Internet der Dienste aussehen könnte, ist eine der zentralen Fragen des TEXO-Anwendugsszenarios. Dieses ist im vergangenen Jahr gestartet und hat eine Laufzeit von vier Jahren. Das Projekt ist Teil des vom BMWi initiierten Forschungsprogramms THESEUS, das wiederum neue, internetbasierte Infrastrukturen entwickeln soll, um Wissen im Internet besser nutzbar zu machen.

Erste Prototypen einer neuartigen Geschäftsplattform für Services wurden bei der diesjährigen CeBit am Stand von SAP gezeigt. Sie werden auch ein Thema auf dem 3. nationalen IT-Gipfel im November sein.

Bei der Entwicklung solch intelligenter Anwendungen nimmt SAP eine besondere Rolle ein. Die SAP-Forschung stellt die Projektleitung und die meisten Mitarbeiter des TEXO-Anwendungsszenarios. Allein bei SAP Research arbeiten mehr als 25 Forscher an diesem Projekt. Experten an den Standorten Walldorf, Karlsruhe, Darmstadt, Dresden und Brisbane (Australien) sind daran beteiligt, die Vision des Internets der Dienste umzusetzen.

SAP-intern treibt Alistair Barros vom SAP-Forschungslabor in Brisbane die Erforschung neuer Technologien für das Internet der Dienste voran. „Mit dem Internet der Dienste werden sich Geschäftbeziehungen dramatisch ändern”, erklärt Barros. „Wir möchten SAP-Kunden bei dieser Transformation aktiv unterstützen.”

Geplant ist ein Marktplatz, auf dem Unternehmen Dienste anbieten, finden und verwenden können. In Transferprojekten werden Ideen aus Forschungsprojekten wie dem TEXO in hauseigene Produkte umgesetzt, unter anderem für mittelständische Unternehmen, den öffentlichen Dienst sowie Handels- und Logistikunternehmen.

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