Niedrige Kosten: NetWeaver Portal

Feature | 18. Juni 2008 von Henry Smith 0

Ansätze zur Implementierung von SAP NetWeaver Portal Für die Bereitstellung von Self-Services kann SAP NetWeaver Portal auf unterschiedliche Weise implementiert werden.

Mit Hilfe von SAP NetWeaver Portal können Unternehmen den Anwendern eine große Auswahl an Services aus dem SAP-ERP-Backend zur Verfügung stellen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Self-Service-Angeboten: Sie senken Kosten und sorgen gleichzeitig für einen einfachen Zugriff der Mitarbeiter auf die benötigten Informationen, Werkzeuge und Services. SAP NetWeaver Portal unterstützt die Bereitstellung mit passender Funktionalität – die Business-Packages für Employee Self-Service (ESS) und Manager Self-Service (MSS) sind hierfür die bekanntesten Elemente. Beide sind in der Lösung SAP ERP Human Capital Management (SAP HCM) enthalten, einem Bestandteil von SAP ERP.

Die Business-Packages ESS und MSS bieten eine Grundlage, um Self-Service-Angebote aufzubauen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die beiden Pakete alle Anforderungen eines Unternehmens exakt abdecken. An dieser Stelle rückt SAP NetWeaver Portal selbst in den Fokus: Die Komponente basiert auf allgemeinen Internetstandards wie Java. Das ermöglicht eine umfassende Anpassung der Self-Service-Funktionen, um die Geschäftsanforderungen zu erfüllen. Dazu lassen sich auch Anwendungen, Services und Inhalte in SAP NetWeaver Portal einbinden, die ursprünglich nicht von SAP stammen.

Ansätze für die Implementierung

Für die Bereitstellung von Self-Services kann SAP NetWeaver Portal auf unterschiedliche Weise implementiert werden. Die Möglichkeiten reichen von einfachen Strukturen mit unveränderten SAP-Inhalten bis hin zu komplexen Portalen, die kundenspezifische Entwicklungen enthalten. Vier Ansätze zur Implementierung lassen sich anhand der benötigten Ressourcen, des notwendigen Arbeitsaufwands sowie des damit zusammenhängenden Risikos unterscheiden.

Niedrige Kosten, geringes Risiko

Beim einfachsten Ansatz zur Implementierung von SAP NetWeaver Portal werden die „Out-of-the-Box“-Services von SAP an- oder ausgeschaltet – je nach Umfang der spezifischen Implementierung von SAP ERP HCM im Unternehmen. Wenn beispielsweise die Gehaltsabrechnung nicht über SAP ERP HCM abgewickelt wird, sondern zu einem Drittanbieter ausgelagert ist, müssen bei der Konfiguration des Self-Service-Angebots im Portal die SAP-Dienste zur Gehaltsabrechnung abgeschaltet werden. Ansonsten übernimmt das Unternehmen die von SAP gelieferten Felder, Feldnamen, Geschäftsprozesse und Standardfunktionen in unveränderter Form.

Die Verwendung der von SAP gelieferten Inhalte ohne weitere Anpassungen ist der einfachste und kostengünstigste Ansatz. Er erfordert die wenigsten Ressourcen und einen relativ geringen Arbeitsaufwand. Die Konfiguration kann von den Anwendern selbst durchgeführt werden. Dieser Ansatz ist attraktiv, wenn es um die schnelle Implementierung eines begrenzten Self-Service-Angebots in SAP NetWeaver Portal geht. Da kundenspezifische Modifikationen fehlen, erhält das Unternehmen vollen Support von SAP und profitiert dabei von geringen Kosten. Die Instandhaltungskosten sind ebenfalls relativ niedrig, da bei einem Upgrade der SAP-Software keine individuellen Weiterentwicklungen notwendig sind.

Der Hauptnachteil dieses Ansatzes liegt darin, dass die „Out-of-the-Box“-Funktionalität von SAP die spezifischen Geschäftsanforderungen der meisten Unternehmen nicht exakt erfüllt. Das ist keine Überraschung, denn selbst der gleiche Geschäftsprozess wird in zwei Unternehmen nicht auf dieselbe Art und Weise abgebildet. Der „Out-of-the-Box“-Ansatz setzt demnach voraus, dass die Anwender ihre Geschäftsprozesse an die Funktionalität anpassen. Aus diesem Grund entscheiden sich die meisten Unternehmen gegen diese Vorgehensweise. Dennoch ist der Ansatz eine wichtige Grundlage für alle anderen Optionen.

Felder mit passenden Eigenschaften

Der zweite Ansatz ist ebenfalls relativ unkompliziert und baut auf den von SAP gelieferten Inhalten auf. Um die Geschäftsanforderungen eines Unternehmens zu erfüllen, werden Nomenklatur und Eigenschaften der Felder in SAP NetWeaver Portal angepasst. Dabei stehen für die einzelnen Felder verschiedene Anpassungsoptionen offen: So können der Name, das Aussehen, die Handhabung, die Hervorhebung, die Hilfetexte und die Beschreibungen verändert werden. Diese Modifikationen lassen sich zudem mit einer einfachen visuellen Umgestaltung des Portals im Hinblick auf das Corporate Design und die Logos des Unternehmens verbinden. Eine kundenspezifische Anpassung der Funktionalitäten selbst ist nicht vorgesehen.

Dieses Vorgehen zur Implementierung ist kostengünstig und benötigt die gleichen Ressourcen wie der „Out-of-the-Box“-Ansatz. Die Konfiguration gestaltet sich relativ einfach, der allgemeine Arbeitsaufwand hängt von der Komplexität der Geschäftsanforderungen ab. Für eine schnelle Implementierung einfacher Self-Services, die in Bezug auf Aussehen, Handhabung und relevante Nomenklatur zum Unternehmen passen, ist der Ansatz gut geeignet. Da die Modifikationen die von SAP gelieferten Inhalte nicht grundlegend verändern, bietet SAP vollen Support zu relativ geringen Kosten.

Doch auch hier gibt es einen Nachteil. Die Anwender haben meist nach wie vor Probleme, unternehmensspezifische Geschäftsprozesse in SAP NetWeaver Portal abzuwickeln. Mittelgroße Firmen wählen dennoch oft diesen Ansatz, und auch großen Unternehmen bietet er einen unkomplizierten Weg für die erste Implementierung von Self-Services. Insgesamt zeichnet sich diese Option durch große Funktionsvielfalt sowie geringe Kosten aus und birgt nur ein geringes Risiko in Bezug auf Support und Instandhaltung.

Grundlegende Anpassung

Der Ansatz zur grundlegenden Anpassung erweitert die vorhergehenden Ansätze um einfache, kundenspezifische Softwareentwicklung. Dabei werden die von SAP gelieferten Funktionalitäten verändert, um die besonderen Geschäftsanforderungen zu erfüllen. Ein Beispiel ist das Sichtbarmachen von Feldern im Portal, die zwar im SAP-Backend existieren, aber nicht zu den gelieferten Inhalten von SAP NetWeaver Portal gehören. Häufig werden auch einfache Anwendungen entwickelt, um Infotypen verändern zu können.

Diese Art der Implementierung erfordert je nach Anforderungen bestimmte Entwicklungsressourcen. Die typische Implementierung kann von einem Portalentwickler vorgenommen werden, der Java-Programmierer ist. Er wird zum Beispiel für portalbasierte Web-Dynpro-Anwendungen gebraucht. ABAP-Entwickler werden nur dann benötigt, falls Funktionalitäten aus dem SAP-Backend verändert werden sollen.

Wenn Softwareentwicklung in die Implementierung von SAP NetWeaver Portal einbezogen wird, erhöhen sich die Komplexität des Projekts und der Arbeitsaufwand. Zwar ist der Umfang der Veränderungen bei diesem Ansatz begrenzt. Aber eine Vielzahl einfacher, kundenspezifischer Entwicklungen kann letztlich zu einer äußerst komplexen Implementierung führen.

Der Ansatz zur grundlegenden Anpassung ist kostengünstig in Support und Wartung. Der Großteil der Self-Services basiert auf Funktionalitäten, die von SAP geliefert und bei den individuellen Entwicklungen nicht verändert werden. Dadurch ist guter Support durch SAP und interne Spezialisten gewährleistet. Weicht lediglich eine überschaubare Anzahl kundenspezifischer Entwicklungen von den SAP-Standards ab, so lässt sich das Self-Service-Angebot auch langfristig leicht instand halten. Weiterentwicklungen sind nur in besonderen Fällen notwendig – etwa wenn ein bedeutendes Upgrade der SAP-Software grundlegende Funktionalitäten verändert, von denen die ursprüngliche Eigenentwicklung abhängig war.

Der Ansatz zur grundlegenden Anpassung ist wahrscheinlich der beliebteste für die Implementierung von SAP NetWeaver Portal. Wichtig ist, den Umfang des Projekts richtig zu kontrollieren und gemeinsam mit den Beteiligten vernünftige Erwartungen festzulegen. Das Ergebnis ist ein Self-Service-Angebot, das einen Großteil der entscheidenden Geschäftsanforderungen erfüllt.

Maßgeschneiderte Anwendungen

Im letzten Ansatz ist die von SAP gelieferte Funktionalität eine grundlegende Plattform, auf der komplexe, kundenspezifisch entwickelte Self-Service-Applikationen aufbauen. Dieses Vorgehen schließt umfassende Softwareentwicklung mit ein und zielt oft darauf ab, die Funktionalität von Altsystemen oder manuelle Abläufe aus bestehenden Geschäftsprozessen in der SAP-Software nachzubilden. Der Ansatz ist von vornherein sehr kostspielig und sollte auf einer gut durchdachten Strategie basieren, um Risiken gering zu halten.

Ein maßgeschneiderter Implementierungsansatz erfordert unterschiedliche Entwicklungsressourcen, etwa Portal-, ABAP-, Workflow- sowie Guided-Procedure-Entwickler. Es handelt sich gewöhnlich um mehrjährige Projekte: Unternehmen, die sich darauf einlassen, benötigen eine Menge Erfahrung, Wissen und Fertigkeiten im Projektmanagement. Um die Projektrisiken im Griff zu haben, müssen die entscheidenden Faktoren für die Effektivität – Umfang, Zeit und Kosten – streng kontrolliert werden. Ohne sorgfältige Projektsteuerung können die Implementierungskosten außer Kontrolle geraten.

Der Support und die Instandhaltung eines maßgeschneiderten Portals stellen ein weiteres Risiko dar. Je umfangreicher die Veränderungen der von SAP gelieferten Inhalte sind, desto weniger Support von SAP ist verfügbar. Die wichtigsten Supportkräfte sind dann die Entwickler, die für die Erstellung der kundenspezifischen Anwendungen zuständig waren. In Bezug auf die Instandhaltung können Upgrades der SAP-Software umfangreiche Neuentwicklungen nach sich ziehen: Nur so bleiben die selbst entwickelten Applikationen kompatibel zur modernisierten Umgebung.

Eine individuelle Mischung

Unternehmen sollten die Geschäftsanforderungen genau prüfen, für die sie im Rahmen einer Implementierung von SAP NetWeaver Portal bestimmte Self-Services einführen. Sobald ein Unternehmen seine Bedürfnisse bestimmt hat, ist es nicht an einen einzigen Implementierungsansatz gebunden. Vielmehr lässt sich in verschiedenen Bereichen der jeweils beste Weg verfolgen. So kann sich aus den Anforderungen beispielsweise ergeben, dass die ESS-Implementierung mit einem einfachen Ansatz auskommt. Dagegen könnte die MSS-Implementierung einen stark angepassten Ansatz erfordern, um die Manager mit den richtigen Werkzeugen und Informationen zu versorgen.

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