Das vernetzte Spital 2015

Feature | 16. September 2008 von Dr. Peter Rohner 0

DRG (Diagnosis Related Groups, deutsch: Diagnosebezogene Fallgruppen) sind ökonomisch-medizinische Klassifikationssysteme, die zur Abgeltung von Krankenhausbehandlungen verwendet werden. Das 2003 in Deutschland eingeführte DRG-System bestimmt Fallpauschalen, nach denen die Vergütung von medizinischen Leistungen pro Behandlungsfall erfolgt.

Die Einführung von Fallpauschalen (DRG) und eine erste Fusionswelle, wie sie derzeit bei deutschen Krankenhäusern stattfindet, sind nur Vorboten des anbrechenden Wettbewerbs um Kunden und Ressourcen im Gesundheitswesen des deutschsprachigen Raums.

Die Krankenhäuser als größte Gruppe der Leistungserbringer werden durch anstehende Reformen des Gesundheitswesens in den kommenden Jahren immer wieder markante Veränderungen – teilweise kontinuierlich, teilweise abrupt – verkraften müssen.

Krankenhäuser, die solche Veränderungen erfolgreich bewältigen und die sich dadurch bietenden Chancen nutzen wollen, entwickeln ihre Managementfähigkeiten, um ihre Transformation effizient voranzutreiben – zum Beispielen mit der Umsetzung von Konzepten wie klinische Patientenpfade, Prozessoptimierung, kooperative Versorgungsnetzwerke, interdisziplinäre Zentren oder eHealth.

Ein Blick über den eigenen Tellerrand

Best Pracitice: In anderen Branchen wie Finanzdienstleistung oder Maschinenbau wird die Erfolgsmethode, von den Erfahrungen anderer zu profitieren, intensiv und auf breiter Basis genutzt. Es kann sich für Krankenhäuser nur lohnen, hier zu prüfen, ob und wie Methoden, Modelle und Erfahrungen auf ihre Bereiche angewendet werden können.

Arbeitsteilung, Vernetzung und Optimierung sind nur einige Themen und Ansatzpunkte, mit denen Krankenhäuser einen entscheidenden Vorteil im kommenden Wettbewerb auf ihrer Seite haben – natürlich unter Beachtung der besonderen menschlichen und personellen Umstände der klinischen Praxis.

Die IT kann bei der Transformation der Krankenhäuser eine entscheidende Rolle spielen – besonders, wenn es um kürzere Durchlaufzeiten der Prozesse, geringere Kosten sowie die Vernetzung der Akteure untereinander geht. Die Voraussetzung dafür bilden klare strategische Vorgaben und die enge Verbindung von Prozess- und IT-Organisation.

Vernetzte Spitäler: Das Kompetenzzentrum Health Network Engineering (CC HNE) am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen arbeitet hier mit rund 20 Spitälern zusammen. Aktuell wird dabei mit Fokus auf strategische Fragen der Vernetzung und kollaborative Prozesse intensiv an den folgenden Themen gearbeitet:

  • Bilaterale Kooperation zwischen Spitälern und Versicherern (Preise/Konditionen, Präferenzen, Informationen/Transparenz etc.)
  • Referenzprozesse für administrative und klinische Abläufe im Spital (u. a. zur Reduktion von Diagnosefristen und Patientendurchlaufzeiten)
  • Prozessorientierte Patientenidentifikation (im Kontext von Sicherheit und Qualität)
  • Supplier Relationship Management im Spital (strategisches und operatives Lieferantenmanagement, Beschaffung, Logistik, Materialwirtschaft)
  • Zukunftsorientierte Positionierung und Gestaltung der Spitalapotheke (als Drehscheibe zwischen Klinik, Abteilung, Versorgung und Management)
  • Evaluation des Nutzens von eHealth-Vorhaben (damit die richtigen Projekte angegangen werden)

IT spielt hier die Rolle desjenigen, der all diese Vorhaben ermöglicht (Enabler) oder unterstützt. Die Ausrichtung zwischen IT und Management, den Ärzten und der Pflege ist dementsprechend wichtig.

Auf dem Value Chain Forum 2008, das am 9. und 10. Oktober 2008 an der Universität St. Gallen stattfindet, werden unter dem Stichwort „das vernetzte Spital 2015“ die Herausforderungen sowie zukunftsweisende Ansätze aus Wissenschaft und Praxis gezeigt; insbesondere zu

  • kooperativen Versorgungsnetzwerken,
  • Prozess-, Qualitäts- und Kostenführung.

Der Workshop wird moderiert von Dr. Peter Rohner, Leiter Kompetenzzentrum Health Network Engineering (CC HNE) am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen.

Als Referenten und Gruppenarbeitsleiter für die beiden Praxisbeispiele “PharmaCare” und “Prozessexzellenz in der Klinik” fungieren:

  • Dr. sc. nat. ETH Jürg Th. Gasser, CEO MediService AG
  • Dr. med. Markus Rehsteiner, Spezialarzt FMH für Anästhesie und für Intensivmedizin, Exec. MBA

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