Daten stets aktuell zu Diensten

Feature | 5. September 2005 von admin 0

In den nächsten Jahren werden immer mehr Unternehmen auf SAP NetWeaver als strategische Plattform setzen. SAP-Applikationen hingegen sind in den Unternehmen noch längst nicht in allen Funktionsbereichen im Einsatz. Vor allem im Backoffice arbeiten viele Firmen nach wie vor mit Anwendungen in Mainframe- und Unix-Umgebungen. Und obwohl auf diesen Systemen häufig zentrale Unternehmensprozesse laufen, sind diese Legacy-Anwendungen meist nicht in SAP-basierte Geschäftsprozesse integriert. Daten aus diesen Bestandsanwendungen stehen nicht direkt in der SAP-Anwendungsumgebung zur Verfügung und unternehmensweite Geschäftsprozesse erstrecken sich nicht über alle Systeme. Um die verschiedenen Systemwelten miteinander zu verbinden, werden Daten über eine Vielzahl spezifischer Schnittstellen ausgetauscht.
Warum dieser Datenaustausch oftmals immer noch erforderlich ist, zeigt ein Beispiel aus der Versicherungsbranche: ein Kunde hat Anfang der 90er Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen. Die Vertragsdaten liegen auf einem isolierten Mainframe, dessen Systemarchitektur noch aus den 80er Jahren stammt. Jetzt will der Servicemitarbeiter bei einem Kundenbesuch per Notebook und Internet-Zugang auf die Stammdaten zugreifen und die Laufzeit der Versicherung ändern. Da der Mainframe aus technischen Gründen über keine direkte Internet-Integration verfügt, muss die Kommunikation indirekt über einen vorgeschalteten Web-Application-Server erfolgen, der die Daten in einem separaten Batch-Prozess auf dem Host aktualisiert.
Insgesamt eine sehr aufwändige Methode, die in Bezug auf die Datensicherheit und -integrität problematisch ist. Zudem ist bei solchen Szenarien die Stabilität der Internet-Anbindung nicht immer gewährleistet. Eine Migration der Legacy-Anwendungen auf SAP-Lösungen ist in vielen Fällen auch aus Kostengründen keine sinnvolle Alternative.

Die Alternative: XI-Adapter

Eine mögliche Lösung, um Bestandsapplikationen in neue SAP NetWeaver-basierte Architekturen zu integrieren und Geschäftsprozesse zu beschleunigen, sind Adapter, die in die Laufzeitumgebung von SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI) eingebunden werden – einem essentiellen Baustein der SAP NetWeaver-Plattform. Auf diese Weise schützen Unternehmen ihre Investitionen in transaktionsgestützte und hochleistungsfähige Unternehmensumgebungen und können das Potenzial ihrer Legacy-Anwendungen für sämtliche Geschäftsprozesse im Unternehmen voll ausschöpfen.
Die Anforderungen an XI-Adapter sind groß: Zunächst sollten sie möglichst viele Legacy-Anwendungsplattformen unterstützen – zum Beispiel Mainframe-Umgebungen wie VSE, z/OS und OS/400, außerdem UNIX- und Windows-Systeme. Zudem müssen sie Anwendungen integrieren können, die in verschiedenen Programmiersprachen geschrieben wurden. Dazu zählen zum Beispiel COBOL, Natural, PL/1, RPG, C, Assembler sowie .NET und Java.

Kommunikation ohne Einbahnstraße

Ein Beispiel für eine Lösung, die Legacy-Applikationen in die Exchange Infrastructure von SAP (SAP NetWeaver XI) integriert, ist der „Legacy Integrator for SAP NetWeaver“ von der Software AG. Dieser besteht aus einer Reihe von Einzelkomponenten, von denen die Adaptoren „XI-Adapter für EntireX“ sowie “XI-Adapter für Natural“ von der SAP zertifiziert wurden.
Die XI-Adapter basieren auf einer Adapter-Engine der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure. Auf dieser technologischen Grundlage kommunizieren Mainframe-Anwendungen über ein TCP/IP-basiertes RPC-Protokoll mit den XI-Adaptern. Dazu transformieren die Adapter die Daten automatisch aus dem Format der Legacy-Applikation in das SAP-NetWeaver-XI-Format. Empfängt ein XI-Adapter eine Nachricht aus einer SAP-Anwendung, wird diese in das spezifische Format der Legacy-Applikation umgewandelt, dort verarbeitet und an den XI-Adapter zurückgeschickt. Dort erfolgt wiederum die Umwandlung der Nachricht in das SAP-NetWeaver-XI-Nachrichtenformat – das heißt in XML-Daten. Die XI-Adapter der Software AG können sowohl Daten senden als auch empfangen, der Datenaustausch erfolgt in beide Richtungen – und zwar in Echtzeit. So initiiert eine Datenänderung in der SAP-Anwendung automatisch eine Kommunikation über die SAP NetWeaver XI-Infrastruktur mit den Legacy-Systemen. Ebenso ist es möglich, dass eine Legacy-Anwendung als SAP NetWeaver XI-Client eine SAP NetWeaver XI-Kommunikation einleitet. Die XI-Adapter-Technologie gewährleistet dabei, dass relevante Unternehmensdaten in unterschiedlichen IT-Systemen stets in einem aktuellen und korrekten Zustand sind.

Zentrale Überwachung nicht nur der Adapter

Eine nahtlose Integration von XI-Adaptern in SAP NetWeaver XI zahlt sich auch beim Systemmanagement aus. So übernehmen beim „Legacy Integrator“ zur Integration mit SAP NetWeaver Standardüberwachungs-Tools von SAP NetWeaver XI wie zum Beispiel Runtime Workbench auch für die Legacy-Umgebung sämtliche Monitoring-Funktionen. Dazu zählen die Überwachung der Adapter und der abhängigen Kommunikationskanäle ebenso wie Leistungsüberwachung, Volumenbestimmung sowie die detaillierte Nachrichtenanalyse. So lassen sich auch Unregelmäßigkeiten bei der Integration von Legacy-Anwendungen punktgenau analysieren – eine wichtige Voraussetzung, um auch geschäftskritische Bestandssysteme einzubinden.

Effizientes Zusammenspiel mit SAP NetWeaver XI

„Legacy Integrator“ zur Integration mit SAP NetWeaver basiert auf offenen Standards und lässt sich einfach und schnell über den Software Deployment Manager (SDM) von SAP NetWeaver installieren. Die Integrations-Software ist eng mit SAP NetWeaver Exchange Infrastructure integriert und verwendet SAP-NetWeaver-XI-Tools und -Konzepte, so dass eine effiziente Integration und Kommunikation gewährleistet ist. Die Registrierung der XI-Adapter läuft über System Landscape Directory (SLD) von SAP NetWeaver, der Betrieb über Adapter Framework/Adapter Engines. Die verschiedenen Nachrichtentypen lassen sich über das Integration Repository (IR) definieren. Für die Konfiguration der Kommunikationskanäle ist das Integration Directory verantwortlich. Die Überwachung der Adapter und der über Adapter integrierten Anwendungen übernimmt Runtime Workbench (RWB).

Vorteile für den Anwender

Von einer auf XI-Adaptern basierenden Lösung für die Integration von Legacy-Anwendungen mit SAP-NetWeaver-basierten Infrastrukturen profitieren Unternehmen in vieler Hinsicht. Daten aus Mainframe- und anderen Legacy-Umgebungen stehen in Echtzeit in den SAP-Anwendungen bereit und lassen sich zudem zu einer Gesamtansicht verdichten. Mitarbeiter, Kunden oder Geschäftspartner verfügen so stets über aktuelle Informationen – ein wichtiger Beitrag zur Optimierung von Geschäftsprozessen. Die Anbindung der Legacy-Umgebung in die SAP-Anwendungen bringt auch deutlich mehr Effizienz: Denn ihre Administration, Konfiguration sowie die Leistungsüberwachung erfolgt über das zentrale Management der SAP NetWeaver-Plattform. Dass dies die Komplexität der IT-Infrastruktur reduziert und die Betriebskosten senkt, liegt auf der Hand.
Mit dem Einsatz von XI-Adaptern eröffnen sich Unternehmen einen Weg zur schrittweisen Integration ihrer Legacy-Welt in SAP NetWeaver. Dabei hilft der XI-Adapter Unternehmen dabei, nicht nur Kosten zu senken, sondern auch ihre Infrastruktur insgesamt zu vereinfachen. Der Adapter ist für Unternehmen, die existierende Schnittstellen zwischen Legacy- und SAP-Anwendungen auf SAP NetWeaver migrieren wollen, eine interessante Option. Auch der eingangs erwähnte Versicherungsvertreter würde von einer Integration über die XI-Adapter profitieren: Der Zugriff auf die Bestandsdaten der Host-Anwendungen wäre direkt und in Echtzeit auf Basis von SAP NetWeaver und den XI-Adaptern der Software AG möglich. Die Folge: besserer Service am Kunden, der die Basis für eine positive Umsatzentwicklung ist.

Christian Zimmermann

Christian Zimmermann

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