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DECENT – Eine digitale Plattform für die Verteilung von Inhalten auf Basis der Blockchain-Technologie

Blog | 30. Juni 2017 von Jacqueline Prause 2

Wird die Blockchain-Technologie endlich ein faires Zahlungsmodell für Inhalte ermöglichen?

Schon während meines ersten Praktikums als Journalistin musste ich feststellen, dass das Überleben in meinem Traumberuf alles andere als einfach ist. Der kleine Fernsehsender in New England, bei dem ich mein Praktikum absolvierte, sah sich mit einer Konsolidierungswelle der Medienbranche und zunehmendem Wettbewerb durch neue Kabelnetze konfrontiert. Die Journalisten und Texter waren schon froh, wenn sie als Aushilfe übers Wochenende angefordert wurden. Mein Betreuer riet mir sogar, lieber Jura zu studieren. Das war im Jahr 1992. Der klassische Journalismus befand sich in einer tiefen Krise. Dann kam das Internet auf und mit ihm die segensreiche Möglichkeit des Instant Publishing. Das hatte zur Folge, dass quasi jeder Inhalte verfassen und veröffentlichen konnte, deren Qualität jedoch oft fraglich war. Die Frage, die ich mir schon während meines Praktikums gestellt hatte, blieb dieselbe: Wie kann irgendjemand dafür überhaupt ernsthaft bezahlt werden?

Unterschiedliche Modelle – Abonnements, Sponsoring, integrierte Werbung, SEO und das Bezahlen pro Download – wurden ausprobiert, um eine gerechte Verteilung von digitalen Inhalten zu fördern. Nach wie vor schwebt jedoch die Frage nach einer zuverlässigen und sicheren Bezahlung wie ein Damoklesschwert über der Medienbranche – und nahezu über jedem von uns, der kreative Inhalte wie Bücher, Filme, Musik oder Bilder erstellt.

Früher schickte ein Schriftsteller sein Werk an einen Verlag und hoffte darauf, dass ein Lektor sein kreatives Genie erkannte und ihm den Weg in die Bestseller-Listen ebnete. Nur wenigen ist der Erfolg vergönnt, und auch sie müssen mitunter hohe Verlagsgebühren tragen, die von ihrem hart erarbeiteten Honorar abgezogen werden. Manchmal belaufen sich die Tantiemen eines Schriftstellers für sein E-Bok gerade einmal auf 25 % (Quelle: The Business of Publishing). Eine meiner Lieblings-Schriftstellerinnen, Elizabeth Gilbert, erzählt in ihrem Buch „Big Magic: Nimm dein Leben in die Hand und es wird dir gelingen“ von den vielen Absagen, die sie von Verlagen erhalten hat. Manche haben ihr weitergeholfen, andere waren offenbar aus einer Laune heraus geschrieben worden. Sie ließ sich nicht abschrecken und entschied für sich, dass Absagen zum Schaffensprozess dazugehören. Anstatt zu verzweifeln, bewies sie Durchhaltevermögen. Bis zu ihrem dritten Buch, dem von Kritikern hochgelobten Bestseller Eat, Pray, Love, ging sie außerdem tagsüber ganz normal zur Arbeit. Dann stellte Oprah Winfrey den Roman in ihrem Buchclub vor, und Julia Roberts übernahm die Hauptrolle in der Verfilmung.

Doch was ist, wenn es noch einen weiteren Weg zur Veröffentlichung gibt? Ein Weg, der offen ist, frei von Manipulation der Medien und grundsätzlich eine gerechte Vergütung verspricht? Ein solcher Weg könnte nun mit der Blockchain-Technologie offen stehen. Sogenannte Blockchains, die das Grundgerüst eines neuen „Internets des Vertrauens“ bilden, sind offene, dezentrale Journale für die Aufzeichnung von Transaktionen. Dadurch werden die Transaktionen überprüfbar und dauerhaft aufgezeichnet. Informationen werden in einem dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk gespeichert, in dem die Manipulation durch einen Einzelnen nicht möglich ist. Die Technologie ist von Grund auf sicher und lässt keine Manipulationen zu. Sie eignet sich damit in idealer Weise für die Aufzeichnung von Ereignissen, die Verwaltung von Datensätzen, das Identitätsmanagement und die Transaktionsverarbeitung. Doch nicht nur Banken und Versicherungsgesellschaften können von der Blockchain-Technologie profitieren. Sie hilft auch Künstlern, ihre Werke einem breiten Publikum zu präsentieren – und eine sichere und direkte Bezahlung zu erhalten.

Die Blockchain als Garant für Meinungsfreiheit

Das Schweizer Technologie-Startup DECENT hat auf der Grundlage der Blockchain-Technologie eine sichere und vertrauenswürdige Plattform für die Verteilung von Inhalten von Schriftstellern, Künstlern und anderen Kreativen entwickelt. DECENT durchläuft bereits die zweite Testrunde und soll Ende Juli allgemein zugänglich sein. Schon jetzt ist das Interesse von Technikbegeisterten und Autoren groß. Auf der Plattform können Inhalte wie E-Books, Blogs, Videos, Musik, Fotos und Whitepapers sowie unabhängige Softwarepakete veröffentlicht werden. DECENT möchte außerdem andere Entwickler anspornen, auf der Grundlage des Open-Source-Protokolls eigene Anwendungen beizutragen. So sollen neue Möglichkeiten für die Veröffentlichung geschaffen werden, etwa Blogging Spaces, Fotogalerien und unabhängige Zeitungen.

Was DECENT von anderen Plattformen für die Verteilung von Inhalten unterscheidet, ist zum einen die Blockchain-Technologie und zum anderen das klare Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. DECENT wurde 2015 von den Slowaken Matej Michalko und Matej Boda gegründet und ist ein unabhängiges, gemeinnütziges Peer-to-Peer-Netzwerk, das zu 100 Prozent den Nutzern gehört. Es ist keinem Unternehmen, keinem Medienkonzern und keiner Partei zugehörig. In dem dezentralen Netzwerk werden Inhalte über verschiedene Websites bereitgestellt. Damit können einmal veröffentlichte Inhalte nicht mehr gesperrt, manipuliert oder gefälscht werden. Dieses hohe Maß an Sicherheit, das die Blockchain-Technologie ermöglicht, bringt zugleich interessante Möglichkeiten für unabhängige Medien und Organisationen mit sich, etwa für die Oppositionspresse eines Landes oder Regimekritiker. „Wir haben eine vollständig integrierte und vertrauenswürdige weltweite Plattform für die Verteilung digitaler Inhalte geschaffen, bei der die Blockchain eine zentrale Rolle spielt“, erläutert Matej Michalko. „Die Kommunikation und sämtliche Zahlungen werden über die Blockchain abgewickelt.“

Zwischen dem Verfasser der Inhalte und den Nutzern gibt es demnach keine Vermittler mehr. Ob in Form von Verlagsgebühren oder Gebühren für die Bereitstellung von Inhalten – der Anteil, den Vermittler für sich einbehalten, schmälert das Vertrauen und den Gewinn. „Die meisten Vermittler sind überflüssig“, bekräftigt Matej Michalko. Ein klarer Vorteil der Blockchain gegenüber anderen Technologien liegt seiner Ansicht nach in den deutlich geringeren Kosten für die Bereitstellung von Inhalten, da es sich bei der Blockchain um eine Peer-to-Peer-Technologie handelt.

Die DECENT-Community: Autoren, Konsumenten und Verleger

Die DECENT-Community setzt sich aus drei verschiedenen Gruppen zusammen: Autoren, Konsumenten und Verleger. Zu den Autoren gehören alle, die Inhalte erstellen. Dabei kann es sich um Einzelpersonen, Organisationen, Unternehmen, Künstler, Schriftsteller, Fotografen, Softwareentwickler, Musikproduzenten oder Filmemacher handeln. Sie können ihre Inhalte unabhängig vom Format auf die DECENT-Plattform hochladen und einen Preis festlegen, zu dem die Inhalte abgerufen werden können. „Der Autor muss eigentlich gar nichts weiter machen. Er lädt seine Inhalte auf die Plattform und klickt dann einfach auf Veröffentlichen“, erklärt Matej Michalko. Und wie lässt sich nachverfolgen, wie oft die Inhalte abgerufen werden? DECENT versieht die Inhalte mit einem digitalen Fingerabdruck, über den der Autor Kopien identifizieren kann. Dadurch können die Inhalte nicht unbefugt abgerufen oder verteilt werden.

Die Konsumenten sind die Personen, die die Inhalte erwerben und zur weiteren Verwendung herunterladen. Sie können über eine App oder das Internet auf die DECENT-Plattform zugreifen. „Wir haben unsere Produkte für Allgemeinheit entwickelt. Besondere Kenntnisse sind daher nicht erforderlich“, führt Matej Michalko aus. Das Erwerben von Inhalten funktioniert wie ein Vertragsabschluss: Der Konsument geht eine Zahlungsverpflichtung ein, der Autor stellt die Inhalte bereit, und die Zahlung wird durchgeführt. Ohne Bezahlung ist auch kein Zugriff auf die Inhalte möglich.

Die Zahlung erfolgt mittels DCT-Token, einer Kryptowährung wie Bitcoin. DCT-Token sind das Zahlungsmittel der DECENT-Community und können gegen Bitcoins (BTC) und Buchwährungen wie Euro, Dollar oder Pfund eingetauscht werden.

Womit wir bei den Verlegern wären. Die Verleger sind die Bindeglieder des Netzwerks, da sie ihre unabhängigen Ressourcen für Aktivitäten wie die Verarbeitung von Transaktionen zwischen Autoren und Konsumenten und den Umtausch in Bitcoins zur Verfügung stellen. Für ihre Services erheben sie in der Regel eine Gebühr. Die Beteiligung an der Community als Verleger setzt die erforderliche Hardware und entsprechende Ressourcen voraus.

Das Startup-Credo: Mit Spitzenkräften wegweisende Lösungen entwickeln

DECENT hebt sich durch die Entwicklung einer eigenen Blockchain auf der Grundlage von Open-Source-Protokollen von anderen Blockchain-Startups ab. Dadurch kann das DECENT-Team sowohl auf die Integrität seiner Technologie vertrauen als auch eine klare Zielsetzung mit seiner Plattform verfolgen. „Da wir die unsere Plattform komplett selbst entwickelt haben, wissen wir genau, woraus sie besteht und dass wir nicht auf Komponenten anderer angewiesen sind“, erläutert Matej Michalko. „Es gibt viele tolle Plattformen, doch manche sind mit Einschränkungen verbunden, und es ist nicht ganz klar, welches Ziel sie verfolgen. Dadurch, dass wir unsere Plattform von Grund auf neu entwickelt haben, haben wir auch die volle Kontrolle.“

Von September bis November 2016 wurden im Rahmen des Initial Coin Offering (ICO) die DCT-Token von DECENT ausgegeben. Bis zum Ende des ICO wurden über 5.881 BTC im Wert von 4,2 Mio. US-Dollar gekauft, im Juni 2017 belief sich die Summe bereits auf 15 Mio. US-Dollar. Das Startup möchte damit die Weiterentwicklung seiner Technologie finanzieren. Über 4.000 Menschen beteiligten sich am ICO, viele von ihnen mit zwei Bitcoins oder weniger. „Wir sind wirklich stolz auf diesen Erfolg“, freut sich Matej Michalko. „Wenn uns so viele Menschen vertrauen, werden wir unseren Traum auch verwirklichen.“

DECENT beschäftigt inzwischen mehr als 35 Mitarbeiter an vier Standorten in der Schweiz, der Slowakei, China und Armenien. Neue Mitarbeiter werden händeringend gesucht. „Die größte Herausforderung besteht für uns darin, die richtigen Mitarbeiter zu finden. In der Regel ist von 100 Bewerbern einer am Ende tatsächlich geeignet“, erklärt Matej Michalko. Mitarbeiter sind für ihn die beste Investition eines Unternehmens. „Wir haben keine großen Investitionsausgaben, deshalb ist es umso wichtiger, die richtigen Mitarbeiter für uns zu gewinnen.“

Matej Michalko möchte DECENT zur führenden Plattform für die Verteilung von Inhalten weiterentwickeln. Er zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben eine tolle Technologie und ein tolles Team. Damit können die klassischen Vermittler überflüssig machen.“

Im Sommer ist es endlich soweit: DECENT geht offiziell an den Start. Weitere Informationen zu DECENT gibt es in der AMA-Session (Ask-Me-Anything) mit Gründer Matej Michalko.

Bild oben via Shutterstock

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