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Der Drahtesel hat ausgedient

Feature | 11. Februar 2016 von Paul Baur 0

Fazlul Hoque schlägt eine Brücke zwischen der virtuellen Natur seines Jobs und dem Bau eines umweltfreundlichen Fahrrads. Seine neuentdeckte Leidenschaft teilt er nun mit anderen.

Klasse Studium, erfolgreiche Karriere, perfekter Arbeitgeber – was braucht man mehr?

Es liest sich wie die Formel zum Glücklichsein, und für manche mag das auch zutreffen. Aber Fazlul Hoque, der all diese Dinge und mehr erreicht hat, fühlte sich einfach nicht ausgefüllt: Ihm fehlte etwas zu seinem Glück. Schlau wie er ist, fand er schnell heraus, woran es ihm mangelte.

Für Fazlul war es schon immer spannend, Dinge herzustellen. Als Interaction Designer bei der SAP in Deutschland arbeitet er in einem multidisziplinären Forschungs- und Entwicklungsteam, das die neuen Anwendungen der SAP entwirft. Seine Aufgabe ist es, die komplexe Oberfläche der Unternehmenssoftware in ein einfach zu bedienendes Design zu verwandeln, das die Endnutzer begeistert. Das ist leichter gesagt als getan. „Im Zeitalter des Informationsüberflusses, ist es die Aufgabe des Designers, den Weg vorzugeben und den Nutzer bei der Hand zu nehmen. Einfachheit ist die einzige Möglichkeit, das zu erreichen“, erklärt Fazlul. Er und seine Kollegen arbeiten zurzeit in einem der interessantesten Bereiche der Branche: dem Internet der Dinge. Die Anwendungen helfen Unternehmen, ihre Sensordaten zu analysieren, um Maschinenausfälle vorauszusagen und damit die Wartungszyklen zu optimieren und Ausfallzeiten zu verringern.

Zurück zu den Wurzeln als Designer

„Als Interaction Designer arbeite ich viel mit Design-Konzepten, aber die meisten davon sind digital,“ erläutert Fazlul. „Ich wollte etwas bauen, was ich anfassen kann.“ Er suchte nach einem Projekt, an dem er in seiner Freizeit arbeiten konnte und bei dem er seinen Neigungen für Design, Konstruktion, Nachhaltigkeit und Zweckmäßigkeit nachgehen konnte. Bambus-Fahrräder boten sich bestens dafür an.

Seit Tausenden von Jahren wird dieses schnellwachsende, bewegliche, leichte und umweltfreundliche Material genutzt, um Dinge zu bauen, die großen Belastungen standhalten müssen. Fazlul wuchs in Bangladesch auf und konnte dort mit eigenen Augen sehen, wie Bambus im Möbel-, Haus-, Boot- und sogar im Brückenbau verwendet wurde. „Ich wollte etwas mit meinen eigenen Händen bauen, das ich im Alltag nutzen konnte. Ich wollte nicht einfach ein simples Fahrrad bauen,“ so Fazlul. „Es sollte ein Unikat werden, und das Bambus-Fahrrad erfüllte alle meine Kriterien.“ Für den Bau seines ersten Fahrrads brauchte er Unterstützung. Die fand er in einem leidenschaftlichen Fahrrad-Begeisterten und Unternehmer in Berlin, der Workshops für den Bau von Bambus-Rädern anbot.

Umweltfreundliche Bambus-Räder

Fazlul reiste an den Wochenenden in die Hauptstadt, um sein Rad nach und nach fertigzustellen. „Das Tollste daran war, dass ich mit meinen eigenen Händen arbeiten und gleichzeitig neue Materialien und Techniken kennenlernen konnte.“ Es kam darauf an, viel Neues auszuprobieren – das lässt sich auch hervorragend in jedem anderen Job anwenden.

Das Fahrrad fertig gestellt zu haben, macht Fazlul unheimlich stolz. Außerdem macht ein selbst konstruiertes Rad viel Freude: „Fahrrad zu fahren macht jedem Spaß, aber auf einem selbstgebauten zu sitzen, steigert das Glücksgefühl über die Maßen.“

Seine Erfahrung fand er so lohnenswert, dass er sie mit anderen teilen wollte. Gemeinsam mit einem Kollegen gründete er eine Gruppe, die die Technik für den Bau dieser umweltfreundlichen Räder erlernen will – und sogar den Bau der batteriebetriebenen Variante. Besucher der SAP in Walldorf können also davon ausgehen, bald weitere Bambus-Fahrräder auf dem Campus zu sehen.

Video: Natalie Hauck und Alex Januschke, SAP Development University

Foto: Shutterstock

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