Der Schlüssel zur Zukunft der Abfallentsorgung

Feature | 10. Juni 2003 von admin 0

Straßenreinigung

Straßenreinigung

Längst vorbei sind die Tage, da die Mitarbeiter der Stadtreinigung lediglich durch die Wohnviertel fuhren, um volle Müllbehälter abzuholen, auf LKWs zu leeren und zu nahe gelegenen Müllverbrennungsanlagen zu transportieren. Allein das ungeheure Ausmaß dieser Aufgabe erfordert es, dass gut organisierte, gut geführte Teams die anstehenden Arbeiten erledigen. Sie müssen die fest vorgegebenen Pläne für die Abholung, den Transport und die Entsorgung der Müllberge einhalten, die tagtäglich in Hamburg produziert werden, und darüber hinaus die sonstigen Verpflichtungen der Stadtreinigung Hamburg (SRH), wie etwa die Gebührenabrechnung und Routenplanung, wahrnehmen.
Die Abteilung, die das GIS in den späten 90ern für Kartierungsprojekte angeschafft hatte, erkannte rasch, dass sich das System aufgrund seiner Vielseitigkeit als Integrationsplattform für die bestehenden Kontenführungs- und Logistikplanungsanwendung eignet. Folglich begann die SRH im Jahr 2000 mit der Entwicklung des BELUGA-Systems (Betriebliche Leistungssteuerung und Gebührenabrechnung). Der erste Schritt bestand darin, SAP IS-Waste bei der SRH, Entwicklungspartner von SAP, einzuführen. Im März 2002 ging die Gebührenabrechnung produktiv. Davon abgesehen jedoch hatte es sich die SRH mit dem BELUGA-Projekt zum Ziel gesetzt, ein System für die integrierte Verarbeitung von wirtschaftlichen, technischen und logistischen Daten zu entwickeln. Der zweite Teil bestand also in der Einführung des GIS und der Tourenplanungssoftware.

Integration von der Routenplanung…

Dieses integrierte System, das SAP, GIS und Routenplanungssoftware umfasst, wurde von ÖKODATA entwickelt, einer deutschen Softwarefirma. Das BELUGA-System beinhaltet mySAP Utilities for Waste Management von SAP. Die Lösung dient zur Verwaltung aller Auftragsdaten und Abrechnungsabläufe. Combitour von IVU Traffic Technologies wird für die Logistikplanung und das Fuhrparkmanagement eingesetzt, die GIS-Software von ESRI einschließlich ArcSDE, ArcView und MapObjects für die Verwaltung und Analyse der geographischen Datenbank.
Im zweiten Schritt war also die Schnittstelle zwischen dem Tourenplanungsprogramm und einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI) für die Tourenplanung zu entwickeln. Dies wurde mit MapObjects von ESRI realisiert. Die neue Benutzeroberfläche interagiert mit dem Tourenplanungsprogramm von IVU und ermöglicht es dem Benutzer, einige Schritte des Planungsprozesses in den Tabellen des Planungsprogramms zu bearbeiten und die Ergebnisse sofort auf dem Bildschirm zu sehen. Der Benutzer kann die Daten außerdem mit Drag & Drop bearbeiten und das Ergebnis sofort im Planungsprogramm berechnen. SAP wurde als führendes System definiert – es liefert alle Daten für das Tourenplanungsprogramm.
Als Voraussetzung dafür musste sich das Projektteam mit den verschiedenen Transaktionen in SAP IS-Waste vertraut machen. Es galt festzulegen, wie die Schnittstelle auf die verschiedenen Daten reagieren sollte und auf welche Weise sich diese Daten sofort zurückliefern lassen. Wenn ein Benutzer Daten im SAP-System ändert, etwa indem er eine Sicherungstaste drückt, werden alle Tourenplanungsdaten automatisch an die Schnittstelle zurückgegeben. Kurze Zeit später sieht der für die Planung zuständige Mitarbeiter, dass Änderungen erfolgt sind. Er kann dann sofort die bereits geplanten Routen aktualisieren.
Die Herausforderung bestand darin sicherzustellen, dass alle Änderungen tatsächlich an die Schnittstelle gesendet werden. Denn SAP IS-Waste bietet über unterschiedliche Transaktionen verschiedene Verfahren an, um das System mit Daten zu füllen. Da die SAP-Lösung nicht geändert werden durfte, musste das Team so genannte “User-Exits” hierfür finden. Die Verwendung von Reports war nicht möglich, da die Daten sofort transportiert werden sollten. Die Rücklieferung der Ergebnisse wie etwa der Auftragsverwaltungs- und Abrechnungsdaten an das SAP-System erfolgt automatisch per BAPI.

…bis zur Zahlungsabwicklung

Sperrmüllabfuhr

Sperrmüllabfuhr

Aus diesem Grund liefert das GIS die Integrationsplattform für BELUGA, indem es sowohl das SAP Business Process Management als auch die Combitour-Anwendung für das Routenmanagement einbindet. Dies ermöglicht einen nahtlos gesteuerten Prozess – von der Routenplanung über das Inkasso bis hin zur Zahlungsabwicklung. Ein Hauptgrund für die Integration der drei Systeme war die Abschaffung der zeit- und arbeitsaufwendigen manuellen Verfahren für die Planung und Routenoptimierung. BELUGA unterstützt den Vergleich und die Optimierung verschiedener Routenoptionen. Dadurch kann die Stadtreinigung Hamburg den Anforderungen ihrer Kunden besser gerecht werden und ihre Effizienz optimal steigern.
Ökodata entwickelte die Schnittstellen zwischen den drei Systemen, die den Datenaustausch zwischen SAP-IS-Waste und GIS/Routenplanung regeln. BELUGA verwaltet eine Vielzahl von Abfragen und Datentransfermethoden. Einfache Abfragen von SAP erzeugen eine sofortige Antwort vom GIS an den Bearbeiter. Dabei steht “Update Services” für die automatische Übermittlung neuer oder geänderter Aufträge vom SAP-System an das Routenplanungssystem. Ein Massendatentransfer aller Auftragsdaten von SAP an das GIS erfolgt, sobald der Transferprozess eine Datenbereinigung auslöst.

Auftrag ändern

Auftrag ändern

Das GIS bietet dynamische Funktionen für die Suche nach Zielorten und den zugehörigen Anlagendaten, die von SAP verwaltet werden. Beispielsweise kommen Sperrmüllaufträge im Call Center der Abteilung an und werden direkt im SAP-System erfasst. Da das Call Center mehr als 700 Abholaufträge pro Tag bearbeitet, werden die Tagesrouten für die gesamte Stadt Hamburg zentral geplant. Wenn ein Kunde das Call Center anruft, wird er je nach Ort über mögliche Abholtermine und -zeiten informiert. Diese Abholinformationen werden von der Kapazitätsvorschau geliefert, einer im SAP-System integrierten Funktion.

Mehr Effizienz

Bei Abruf der Kapazitätsvorschau wird automatisch eine GIS-Schnittstelle im Hintergrund aktiviert, die eine Karte des Gebietes zeigt, in dem der Kunde wohnt. So kann der Bearbeiter im Call-Center den Ort anschauen, während er noch mit dem Kunden telefoniert. Das Programm prüft außerdem, ob es Restriktionen für die angegebene Adresse gibt, etwa, ob eine Straße an bestimmten Tagen gesperrt ist oder ob sie von einem normalen Sperrmüllfahrzeug passiert werden kann. Zur Routenplanung werden die Auftragsdaten dann vom SAP-System an das Combitour-System übergeben. Ist die Route festgelegt, gelangen die Daten zurück an das SAP-System. Dort lassen sich Aufträge für Verwaltungs- und Abrechnungszwecke erstellen.

Gehwegreinigung

Gehwegreinigung

Die Stadtreinigung Hamburg ist auch dafür zuständig, die Gehsteige der Stadt zu reinigen. Die dabei anfallenden Kosten werden den Geschäften in Rechnung gestellt, die Anlieger sind. Das erfordert, dass die im GIS gespeicherten Gehsteig-Abschnittsdaten an das SAP-System gesendet werden. Es ermittelt die Besitzer, die die Reinigungskosten tragen müssen, und berechnet die Gebühren anhand der registrierten Frontlängenbemessungen. Dazu nutzt das GIS Landschaftsdaten aus den digitalen Karten der Stadt Hamburg, Daten des Katasteramtes zu Gehwegen und Bürgersteigen, Grundstücksdaten der Behörde für Bau und Verkehr sowie Daten aus dem Hamburger Liegenschaftsamt.
Der Produktivstart des Sperrmüllprozesses erfolgte im September 2002, der Produktionsanlauf der Containerdienste und der Leerung von Mülltonnen (bis zu 360.000 Tonnen pro Woche) im Mai 2003. Frank Reiß, Projektleiter für den Bereich Geoinformation und Tourenplanung bei der Stadtreinigung Hamburg: “Seit wir das BELUGA-System eingeführt haben, ist unser Planungsprozess viel effizienter, und die GIS-Schnittstelle zu SAP macht unsere Buchhaltungsabläufe einfacher und besser verständlich.”

Jim Baumann

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