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Der Verbraucher am Steuer des digitalen Wandels

Feature | 17. August 2016 von Kai Goerlich 0

Wie das Internet der Dinge den digitalen Wandel in Entwicklungsländern beschleunigt.

Können Entwicklungsländer mithilfe von IT die Industrieländer einholen oder gar überholen? Wir wissen, dass die IT meist nur in Industrienationen erfolgreich genutzt wird. Die Lücke zwischen entwickelten und aufstrebenden Märkten wird allerdings immer größer.

Doch angesichts mobiler Unternehmenslösungen und des Internets der Dinge (IoT) ändert sich dies gerade. Mittlerweile sitzen die Endanwender und Verbraucher am Steuer des digitalen Wandels. Diese Veränderung ist vor allem der Mobiltechnologie zuzuschreiben. So wurde zum Beispiel in Nigeria ein Handy-Bezahlsystem eingeführt, das erahnen lässt, dass es in Zukunft mehr solcher unkonventionellen, unerwarteten Lösungen geben wird.

Einem Bericht der Weltbank zufolge, zeigt die Nutzung von Mobiltelefonen in Afrika, dass die Mobiltechnologie zur Lebensader von Unternehmen und Bildungseinrichtungen wird, und gleichzeitig die gesamte Lebensqualität des Kontinents steigert. Google schlug 2013 einen zukunftsweisenden Weg ein: Das Unternehmen plant, entlegene Gebiete in Asien und Afrika über Luftschiffe mit WLAN zu versorgen. Das würde nicht nur einen besseren Service nach sich ziehen, sondern auch die Vernetzung von IoT-Geräten untereinander ermöglichen. Auch Drohnen könnten Internet in Entwicklungsländer bringen. Allerdings sind sie noch auf Netzwerke angewiesen.

Theoretisch könnte Networking aufstrebenden Ländern helfen. Aber: Ist das auch ausreichend, um in kurzer Zeit auf den gleichen Stand wie die Industrienationen zu kommen?

Der Zusammenhang zwischen Netzwerkverbindung und Wettbewerbsfähigkeit

Um herauszufinden, ob aufstrebende Länder von der vernetzten Wirtschaft profitierten, untersuchten wir 25 Länder in Asien, Afrika und Südamerika. Wir analysierten den Networked Readiness Index (NRI) und den Growth Competitiveness Index (GCI) des Weltwirtschaftsforums (WWF). Wir verglichen unsere Ergebnisse mit dem durchschnittlichen NRI und diesen wiederum mit dem GCI der weltweit 20 wettbewerbsfähigsten Länder der Welt im Zeitraum von 2011 und 2014. Die Aussagen basieren alle auf der Annahme, dass in einem Land jede Steigerung des Networking zur besseren Wettbewerbsfähigkeit beiträgt – mit dem Wissen, dass Networking nicht der einzige Faktor ist, der den Wettbewerb beeinflusst. Während der untersuchten Zeitspanne stieg der NRI bei den Top 20 um 1,9 Prozent, der GCI um 0,4 Prozent, was ungefähr einem Verhältnis von 4:1 entspricht.

Wir stellten fest, dass die meisten der 25 Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit ähnlich schnell steigerten wie die Top 20. Botswana, China, Kolumbien, Costa Rica, die Elfenbeinküste, Malaysia, Panama und die Philippinen schnitten sogar besser ab. Genauer gesagt zeigen Botswana, Kolumbien, die Elfenbeinküste und die Philippinen ein NRI-zu-GCI-Verhältnis über dem der besten 20. Das beweist, dass erhöhte mobile Netzwerkverbindungen zur Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich beitragen können.

Wie bereits vorher erwähnt, benötigen Länder mehr als nur IT und mobile Netzwerke, um sich sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich weiterzuentwickeln. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums liegt Afrika im Hinblick auf technologische Marktreife, Infrastruktur und Bildung unter dem Gesamtdurchschnitt und hinter Asien. Dies ermittelte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Internet der Dinge: Logistik, Landwirtschaft und Gesundheitswesen profitieren

Um die Entwicklung afrikanischer Staaten anzukurbeln, könnte das Internet der Dinge eine zentrale Rolle spielen. Allerdings kann es nur dort zum Einsatz kommen, wo der hohe Arbeitsaufwand getragen werden kann und die finanziellen Mittel ausreichen.

Dennoch gibt es mindestens drei Geschäftsbereiche, die am meisten davon profitieren könnten:

  • Logistik: Gerade für Kleinunternehmen wird das Internet der Dinge attraktiv. Denn es fördert den Handel und senkt die Lebensmittelverluste in Entwicklungsländern um etwa 30 Prozent.
  • Landwirtschaft: Das Internet der Dinge könnte Landwirte dabei unterstützen, die Effizienz und Produktivität zu steigern, um den Menschen, die auf Getreideanbau und Viehzucht angewiesen sind, einen besseren Lebensunterhalt zu bieten.
  • Gesundheitswesen: Wie bereits vom WWF betont, könnte eine digitalisierte Infrastruktur im Gesundheitswesen mit Hilfe von IoT-Geräten künftig Realität werden.

Obwohl das Internet der Dinge und effizientere Netzwerke durchaus aufstrebenden Märkten bei der schnelleren Entwicklung helfen könnten, ist es nicht allein durch IT getan. Neue, kreative Ideen außerhalb des Mainstream der Industrieländer sind erforderlich.

Auf jeden Fall bieten digitale Technologien enormes Potenzial für revolutionäre Veränderungen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Potenzial auch genutzt wird.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie moderne Technologie den Menschen in den Entwicklungsländern hilft, lesen Sie diesen Artikel:„Bringing New Educational Opportunities to Rwandan Youth.“

Dieser Artikel ist ursprünglich im Digitalist Magazine in der Reihe Live Business erschienen.

 

 

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