Design Thinking für Flüchtlingshilfe

6. November 2015 von Franziska Reich 0

Die SAP sucht nach Wegen, wie sie ihr Know-how am besten einsetzen kann, um das Leben der nach Deutschland fliehenden Menschen zu verbessern. Dazu organisierte das SAP AppHaus Heidelberg einen Design-Thinking-Workshop.

Europa arbeitet in der aktuellen Flüchtlingskrise mit Hochdruck an einer Verbesserung der allgemeinen Lage. Allein in Baden-Württemberg sind von Januar bis September 2015 offiziell rund 65.000 Asylsuchende angekommen. Die Gesamtzahl ist jedoch noch höher, da viele der Flüchtlinge noch nicht registriert sind. Bis zum Ende des Jahres rechnet das Land mit etwa 100.000 Asylsuchenden.

Gesellschaftliches Engagement

Auch die SAP engagiert sich sowohl als Unternehmen als auch auf individueller Ebene. So richtete die SAP eigens ein Konto ein, über das die Mitarbeiter spenden konnten. Jeder gespendete Betrag wurde dabei vom SAP-Vorstand aufgestockt und kam den Flüchtlingen in Deutschland zugute. Die SAP-Hilfe geht jedoch über die finanzielle Unterstützung hinaus: Das Unternehmen sucht nach einem Weg, wie es sein Know-how am besten einsetzen kann, um das Leben der nach Deutschland fliehenden Menschen zu verbessern.

In diesem Rahmen hat die SAP bereits zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen. So hat beispielsweise der Bereich SAP Corporate Social Responsibility (SAP CSR) zusammen mit dem SAP Design & Co-Innovation Center einen eintägigen Design-Thinking-Workshop im SAP AppHaus Heidelberg organisiert. Gabriele Hartmann und Sabine Herzberg von SAP CSR erklärten zu Beginn, was hinter dem Workshop steckt: Ziel sei es, umsetzbare Ideen dafür zu finden, wie sich die SAP weiter engagieren könne. Die gesammelten Vorschläge sollten schließlich ausgewertet und zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt werden. Die Aufgabe hieß also: „Erstellen Sie ein Konzept dafür, wie die SAP heute und morgen zur Flüchtlingsintegration beitragen kann.“

Konkrete Ideen

Eine bunt gemischte Teilnehmergruppe fand sich in diesem Workshop zusammen: 30 SAP-Mitarbeiter, Vertreter verschiedener Organisationen, darunter Repräsentanten des Flüchtlingscamps Patrick Henry Village, des Kid’s World Cup DJK Handschuhsheim, des Über den Tellerrand e.V. sowie des Wir für Flüchtlinge e.V. Sie alle lauschten gebannt den sieben Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak, Eritrea und Gambia. Diese berichteten von ihrem Leben in den Camps, von ihren Bedürfnissen und Schwierigkeiten dort. Neben den Flüchtlingen kamen auch Helfer zu Wort: Sozialarbeiter lieferten Zahlen und Fakten und ein Pastor berichtete von seinen regelmäßigen Besuchen in den Camps.RefugeeAidWorkshop

Ein syrischer Flüchtling, der vor drei Monaten in Deutschland eintraf, erzählte den Beteiligten von seinen Erfahrungen im Walldorfer Camp. So sei aufgrund der gemeinsamen Schlafräume mit über hundert Menschen die fehlende Privatsphäre ein großes Problem. An Schlaf sei oft gar nicht zu denken. Auch fehle es an Reinigungsmitteln und damit an der nötigen Hygiene in den Räumen. Das Leben in den Camps sei insgesamt oft sehr schwierig. Das Wichtigste für ihn war jedoch, dass er die Deutschen und ihre Kultur unbedingt besser kennenlernen und sich in die Gesellschaft hier integrieren wolle.

Danach fanden sich die Teilnehmer in neun gemischten Teams zusammen und entwickelten mithilfe der Design-Thinking-Methode konkrete Ideen dafür, wie sich die SAP weiter engagieren könne. Zunächst musste sich jedes Team für ein Thema festlegen, sei es Unterkunft, Schule, Job, Sprache, Freizeit, Kultur oder Familie. Sie interviewten die Flüchtlinge der jeweiligen Gruppen, um ihre Bedürfnisse besser formulieren und verstehen zu können. Die Gruppen erweiterten ihren Fokus mit Fragen wie „Wie kann die SAP dabei helfen, Kontakt zwischen Flüchtlingen und Ansässigen herzustellen?“. Mögliche Lösungen wurden bei einem Brainstorming auf Haftnotizen an Whiteboards gruppiert.

RefugeeAidWorkshophd

Anschließend präsentierte jede Gruppe die eigenen Ideen in einer kurzen Präsentation. Dabei fiel auf, dass jede Gruppe das kulturelle Verständnis und den Respekt zwischen Flüchtlingen und Deutschen stärken wollte. Eines der Teams schlug vor, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Flüchtlinge und Ansässige miteinander austauschen können, beispielweise in einem eigens dafür angemieteten SAP-Gebäude in Walldorf. Flüchtlinge hätten so die Möglichkeit, ortsansässige Familien kennenzulernen, mit ihnen zu kochen oder gemeinsamen Freizeitaktivitäten nachzugehen. Da grundlegende Sprachkenntnisse der erste Schritt für eine erfolgreiche Integration sind, könnte man hier ebenfalls Sprachkurse anbieten. Eines der dringendsten Themen für die Flüchtlinge war jedoch die fehlende Privatsphäre. Als Lösung wurden hier spezielle Computerecken vorgeschlagen, die es ermöglichten, mit Familie und Freunden online in Kontakt zu bleiben.

Für die vollständige Integration in die hiesige Gesellschaft ist ein Job ein Muss. So schlug eine Gruppe vor, die Zeit, in der Flüchtlinge auf die Genehmigung zur Jobsuche warten sinnvoll zu nutzen. Beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, in denen sie erfahren, wo das nächste Jobcenter zu finden ist, wie ein Arbeitstag in Deutschland abläuft, wie man einen Lebenslauf auf Deutsch verfasst und welche Jobportale sich für die Suche am besten eignen.

Eine positive Bilanz

Die Teilnehmer beurteilten den Tag einhellig als erfreuliches Erlebnis: Jeder Einzelne hatte etwas dazugelernt und konnte die eigene Perspektive teilen, um daraus nützliche und realisierbare Ideen zu entwickeln. Die Flüchtlinge waren zudem sehr dankbar für diese einzigartige Gelegenheit, Kontakt zu Deutschen außerhalb ihres Camps zu knüpfen. Ein syrischer Teilnehmer fasste den Tag folgendermaßen zusammen: „Ich fand es sehr interessant zu erfahren, wie die SAP sich für uns einsetzt. Ich bin seit drei Monaten in Deutschland und versuche die entsprechenden Kontakte zu knüpfen, um langfristig eine Arbeit zu finden. Das wünschen wir uns alle.“

Die Veranstalter des SAP AppHauses Heidelberg freuen sich, dass sie Gastgeber dieser Veranstaltung sein durften und sind schon gespannt auf die von SAP CSR organisierten Hilfsprojekte.

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1 comment

  1. AT Bayer

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Beitrag und vor allem für Ihr Engagement für eine sinnvolle Flüchtlingshilfe!
    Als Unternehmensberaterin habe ich Design Thinking kennengelernt. Im Moment bin ich im Sabbatical, schreibe Theaterstücke und Geschichten – und kümmere mich um soziale und politische Fragen. Gerne würde ich meine Zeit auch dafür einsetzen, Design Thinking auf soziale und politische Fragestellungen anzuwenden, wie zum Beispiel “Was müssen wir tun, um einerseits den Flüchtlingen adäquat zu helfen und andererseits eine breite Bevölkerungsmehrheit zur Zustimmung zu bekommen?“.
    Falls es Initiativen Ihrerseits in diese Richtung gibt, würde ich mich sehr freuen, davon zu erfahren und mich darin einzubringen.
    Herzliche Grüße,
    Angela Therese Bayer

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