Die 6 Trends des Mobile World Congress 2013

Feature | 20. Februar 2013 von Johannes Klostermeier 0

Foto: GSMA

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„Explore the New Mobile Horizon“:  Unter diesem Titel empfängt der Mobile World Congress (MWC) in diesem Jahr mehr als 1500 Aussteller und 67.000 Besucher aus 205 Ländern. Auf der Veranstaltung der GSM Association werden die neuesten Entwicklungen im Bereich der Mobilfunktechnologie gezeigt.

Im vergangenen Jahr diskutierten die Business-Kunden noch mehr über Security und Risk Management („Bring-your own-Device“) als über die Chancen der Mobilität, sagt Nicholas McQuire, Analyst für Mobile Enterprise Strategies bei IDC. Für 2013 erwartet er einen Paradigmenwechsel. „Mobile Plattformen und mobile Apps werden zum Standard in Unternehmen. Die Prämisse ‘Mobile First’ wird die Rolle der IT grundlegend verändern.“

Diese Trends könnten neben neuen Handys, Tablets, Phablets (größer als 4,8 Zoll-Smartphones, kleiner als 7 Zoll-Tablets) und allen Arten von Gadgets und Zubehör die Veranstaltung bestimmen.

1. Mobile First in Unternehmen

2. LTE und NFC ermöglichen neue Anwendungen

3. Beyond Android: Neue Handy-Betriebssysteme

4. Maschine-zu-Maschine-Kommunikation

5. Mobiles Bezahlen kommt

6. Daten lösen Sprachtelefonie ab – neue Konzepte gegen den Datenstau

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Foto: MWC

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1. Mobile First in Unternehmen

Mittlerweile sind in Unternehmen bis zu 80 Prozent Smartphones im Einsatz. Die Corporate IT wird sich darauf einstellen müssen und ihre Infrastruktur um mobile Plattformen erweitern. Es ist nicht mehr nur der Außendienst, der Mobiles CRM nutzt, fast alle Anwendungen wird es auch als Apps für Smartphones und Tablets geben.

„Eine wachsende Zahl der angebotenen Apps ist relevant für Unternehmen“, so IDC-Analyst McQuire. Dazu müssten die Firmen jedoch ihre IT neu strategisch neu ausrichten. Es reiche nicht aus, nur die bestehenden Prozesse mobil zu machen, sagt auch Christof Knapp, Experte für Mobile Solutions bei Capgemini. Mobilität werde zum Beschleuniger für Veränderungen, und es komme zu einer „Industrialisierung der App-Entwicklung“. Vor allem das Testen werde immer wichtiger.

„Die IT wird endgültig mobil“, bestätigt Jens Schulte-Bockum, Vodafone-Chef in Deutschland und Präsidiumsmitglied bei Bitkom. Die Mobilfunkbranche hat Unternehmen als Zielgruppe entdeckt, auch wenn die Dynamik des Consumer Marktes weiter den mobilen Takt vorgibt.

2. LTE und NFC ermöglichen neue Anwendungen

Viele Gerätehersteller bauen ab sofort LTE (Long Term Evolution) in ihre Geräte ein. Geht es nach den Netzbetreibern könnte 2013 mit LTE nach Analog, GSM und UMTS das Jahr der 4. Mobilfunkgeneration werden. Die hohen Datenübertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr ermöglichen Videotelefonie und das Streaming von TV-Inhalten auf Smartphones und Tablets.

Auf der Messe wird es einen großen Showcase speziell zum Thema Near Field Communication (NFC) geben. Die Messebesucher können ihr NFC-Handy als Eintrittskarte nutzen und an NFC-Terminals auf dem Messegelände und in der Innenstadt drahtlos bezahlen. Auf dem Flughafen gibt es smarte Poster mit NFC-Tags.

Smartphones mit NFC dienen in den USA schon als mobiler Passwortspeicher und als Schlüssel, um den Rechner oder geschützte Anwendungen zu entsperren – oder die Bürotür zu öffnen. In Japan können Kunden über ein NFC-Flugticket-System schneller an Bord gehen.

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3. Beyond Android: Neue Handy-Betriebssysteme

Die Telekoms setzen große Hoffnungen auf Firefox OS von Mozilla. Beim neuen browserbasierten Betriebssystem werden Apps in der Cloud gespeichert. Dadurch können Smartphones zu günstigen Preisen auf den Markt kommen, die einfach zu handhaben und immer up to date sind. Telefonica und Deutsche Telekom unterstützen Firefox OS. Andere neue Nischenanbieter sind Ubuntu von Canonical, Tizen von Samsung und Intel und Sailfish vom finnischen Startup Jolla.

Derzeit halten die Betriebssysteme von Google und Apple noch 90 Prozent des Smartphone-Markts. Daran hat auch Microsoft mit Windows Phone 8 kaum etwas geändert. Blackberry (früher: RIM) stellt mit Blackberry 10 eine neue Version vor, die Privat- und Firmenanwendungen clever voneinander getrennt hält. „Das ist etwas, auf das der Business-Markt gewartet hat“, sagt Knapp.

4. Maschine-zu-Maschine-Kommunikation

Die automatische Datenübertragung zwischen technischen Geräten unterschiedlichster Art (M2M) wird sich weiter entwickeln und neue Anwendungsfelder erschließen. „Das wird die vierte Revolution in der IT“, sagt Mobilfunkexperte Knapp. Als Einsatzgebiete werden bisher genannt: Fahrzeuge, Container, Alarmanlagen und Automaten. Durch den Mobilfunk ist die flächendeckende Übertragung und Fernsteuerung möglich. „Sensoren, Maschinen, einzelne Module oder komplette Systeme kommunizieren weltweit miteinander“, sagen die Netzbetreiber.

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5. Mobiles Bezahlen kommt

Das Bezahlen per Smartphone gilt als Trend der Zukunft, der in Europa schon oft ausprobiert wurde, sich bislang aber nicht durchgesetzt hat. In Ostafrika erfreut es sich mit „M-Pesa“ hingegen großer Beliebtheit. Paypal, Google Wallet, O2 Wallet oder Länderlösungen wie mPowa in Portugal wollen jetzt den Erfolg erzwingen. „In Europa ist die Infrastruktur zu gut und das Sicherheitsbedürfnis groß“, sagt Knapp. „Andererseits: Die Kunden müssten an der Kasse nicht mehr lange warten, der Bezahlvorgang würde sehr viel schneller.“ Außer den Mobilfunkbetreibern beschäftigen sich zurzeit auch alle großen Banken mit dem Thema.

6. Daten lösen Sprachtelefonie ab – neue Konzepte gegen den Datenstau

Der Markt für mobiles Internet löst das mobile Telefonieren als wichtigsten Umsatzbringer der Telekommunikationsanbieter ab. Allein in Deutschland legt das Geschäft mit mobilen Datendiensten seit 2009 zweistellig zu, parallel geht seit 2006 der Umsatz mit Handy-Gesprächen zurück. Weltweit wächst der Markt für mobile Datendienste 2013 um 15 Prozent auf 288 Milliarden Euro, so die neue EITO-Studie. „Der Wachstumstrend bei den mobilen Datendiensten wird sich in Zukunft noch weiter beschleunigen“, sagt Schulte-Bockum. 2012 hat jeder Mobile User weltweit im Schnitt insgesamt 200 Megabyte pro Monat durch die Mobilfunknetze geschickt. Nur fünf Jahre später, also 2017, sollen es im Schnitt zehnmal so viele Daten sein.

Kleine Mobilfunkzellen und WiFi-Offload sollen dabei helfen den Datenverkehr nicht im Stau enden zu lassen. Die automatische Zuschaltung von Wi-Fi ist eine Möglichkeit, mobile Netzwerke zukunftsfähig und wirtschaftlich zu gestalten. Femtozellen (engl. femto cell), privat genutzte Funkzellen als Sende- und Empfangsstationen mit minimaler räumlicher Ausdehnung können auch in privaten Bereichen eingesetzt werden und so das Netz der Mobilfunkanbieter erweitern.

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