Die Ampel steht auf grün

Feature | 6. August 2003 von admin 0

Dem „Mittelstandsmonitor 2003“ zufolge zählen in Deutschland rund 99 Prozent der Betriebe zum Mittelstand. Laut Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research, nutzen sogar schon Kleinunternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten E-Business-Technologien. Dennoch haben viele kleinere und mittlere Unternehmen sich lange mit den Lösungen begnügt, die sie vor Jahren implementiert haben. Dadurch haben SMBs vor allem im E-Business Nachholbedarf.

E-Business und ROI

E-Business, also die geschäftliche Nutzung des Internet, umfasst die Unterstützung der Prozesse und Beziehungen zwischen Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden durch elektronische Medien und ist Teil der IT-Strategie in einem Unternehmen. Diese Strategie setzt sich aus mehreren Komponenten wie beispielsweise ERP- und E-Procurement-Systemen, Intranet/Office-Applikationen sowie E-Commerce-Systemen zusammen.
Nach Professor Arnold Picot vom Institut für Information, Organisation und Management an der Universität München, sollten Unternehmen die „Digitalisierung der Wertschöpfung als strategische Herausforderung“ begreifen. Dem US-Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge wird E-Business zudem die Wertschöpfung verbessern und somit die Chancen am Markt steigern. Investitionen in E-Business seien daher immer unter einer strengen ROI (Return on Investment)-Perspektive zu betrachten.
Für kleine und mittelständische Unternehmen ist diese Kosten-Nutzen-Abwägung ein wichtiges Entscheidungskriterium. Investiert eine mittelständische Firma in ein E-Business-Projekt, so handelt es sich um eine tief greifende strategische Entscheidung. Denn E-Business erfordert die Anpassung, Entwicklung und Veränderung der Unternehmensprozesse, die alle Abteilungen oder Unternehmensbereiche wie Vertrieb, Marketing, Personal, Entwicklung, Fachbereiche erfasst. Wichmann fordert deshalb von den Softwareherstellern „einfach zu benutzende und preiswerte Lösungen.“

Hürden überwinden

Nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Market Research & Services (MR & S) verhindern die Ungewissheit über Erfolg und ROI von E-Business-Investitionen sowie die Angst vor Betriebsstörungen während der Einführungsphase bisher einen „breitflächigen E-Business-Einsatz im Mittelstand“. Die MR&S-Experten glauben aber, dass diese Hürden überwunden werden können. Dies gelinge, wenn Mittelstandsinitiativen von Branchenverbänden wie BITKOM und Eco sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) Anbieter von mittelstandsspezifischen E-Business-Lösungen mit SMBs zusammenbringen.
Die von der Berliner Marktforschungsgesellschaft Berlecon Research im Auftrag des BMWA durchgeführte Untersuchung „E-Business-Standards in Deutschland“ geht noch einen Schritt weiter. Mit der Verbreitung des E-Business und der fortschreitenden Vernetzung der Wirtschaft sei es für SMBs schlicht eine „Notwendigkeit“, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, schreiben die Autoren. Als Hemmnisse sehen die Verfasser zum Einen fehlende Kenntnisse von E-Business-Standards, zum Anderen eine bisher fehlende Einigung auf gemeinsame Darstellungskonventionen oder Standards (z.B.: UN/SPSC, XML, WebEDI). Weiter fordern sie eine Internationalisierung von wichtigen Standards wie eClass oder BMEcat ein. Dies sei eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von E-Business.

E-Business mit System

Wesentliche Gründe für die Einführung und Nutzung von E-Business sehen mittelständische Unternehmen darin, die Geschwindigkeit von Prozessen und ihre Flexibilität zu steigern, Kundenanforderungen besser bedienen zu können und Kosten zu sparen. Früher häufig genannte Ziele wie Umsatzsteigerungen und die Erschließung neuer Märkte werden dagegen inzwischen von der Mehrzahl der Unternehmen nicht mehr vorrangig von E-Business erhofft, stellt der unter anderem vom Branchenverband BITKOM dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) und dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) herausgegebene „eBusiness-Konjunkturbarometer“ fest.
Ein erfolgreiches E-Business-Projekt muss von Beginn an systematisch geplant und vorbereitet werden. Bereits in der Konzeptionsphase sollten daher alle die notwendigen Komponenten und Prozesse aufeinander abgestimmt werden. Für das Institut für angewandte Betriebsökonomie (IAB) an der Fachhochschule Basel muss ein E-Business-Konzept überdies „zukunftstauglich und entwicklungsfähig“ sein und von der Zielgruppe angenommen werden. „Ein gutes Konzept“, so definieren die Forscher einen wesentlichen Erfolgsfaktor in E-Business-Projekten, „wird offen entwickelt und nicht von vorne herein gedanklich eingeschränkt“, etwa durch eine bestimmte Software.
Was die Geschäftsstrategie betrifft, so fordern die Wissenschaftler, E-Business mit dem ganzen Unternehmen zu verzahnen, die Budgets im Griff zu halten und in kleinen Schritten voran zu gehen. Neben diesen organisatorischen Entwicklungen identifiziert Professor Picot als wesentlichen Erfolgsfaktor im Electronic Business „die zunehmende Bedeutung von Wissen“ sowie die sich verändernde Rolle der Kunden, an welche sich Firmen interne Informations- und Organisationsstrukturen künftig anpassen müssen.

SMBs nehmen Kurs auf E-Business

Laut einer auf den europäischen Markt zugeschnittenen Untersuchung der Marktforschungs- und Beratungsfirma IDC wollen SMBs zwischen 100 und 499 Mitarbeitern in Westeuropa von 2003 bis 2007 am meisten in die Informationstechnologie investieren. Giuliana Folco von IDC glaubt, dass SMBs „langfristig und erfolgreich in IT-Lösungen investieren müssen, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben“. Die vom B2B-Informationsdienst Silicon veröffentlichte Untersuchung „IT und Mittelstand“ macht unter anderem im Mittelstand derzeit einen „Investitionsstau“ aus, dessen Auflösung aber durch „eine Neugestaltung der Geschäftsaktivitäten mittels Informationstechnologie bevorstehe“. Viele SMBs würden ihre Geschäftsabläufe neu definieren, um künftig Partner, Kunden und Lieferanten elektronisch einzubinden. Zudem wollen die Mittelständler in neue Warenwirtschaftssysteme beziehungsweise ERP-Systeme sowie die Ausfallsicherheit der IT-Systeme investieren, oder die Beziehungen zu Kunden mittels eines CRM-Systems verbessern.
Nach IDC stehen Softwareanbieter vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen standardisierten und an den Kunden angepasste, maßgeschneiderte Lösungen zu finden, die zudem bedienerfreundlich und kostengünstig sind. Wer dies schaffe, wird im SMB-Markt künftig erfolgreich sein, ist Folco überzeugt.

Weitere Informationen:

Bund: www.bmwi.de/Navigation/Technologie-und-Energie/Informationsgesellschaft/e-business.html
Zu den E-Business-Mittelstandsinitiativen der Verbände www.bitkom.org (Menüpunkt „Mittelstand“) und www.eco.de(unter „Arbeitskreise und Initiativen“)
Der Mittelstandsmonitor steht als kostenloser Download im PDF-Format unter http://www.bitkom.org zur Verfügung.

Studien:

www.berlecon.de (Studie ist als kostenloser Download auch auf der Website des BMWA unter www.bmwi.de verfügbar), www.idc.com , www.mr-s.com, www.silicon.de/goto/silicon_studie_mittelstand_2003.pdf

Forschung und Insitutionen:

Fachhochschule Basel: http://dwi.fhbb.ch/eb/dl.nsf/pages/eb_planen
Professor Arnold Picot: www.iuk.bwl.uni-muenchen.de

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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