Die Benutzeroberfläche tritt in den Vordergrund

Feature | 22. Dezember 2003 von admin 0

Eine Enterprise Services Architecture (ESA) ist eine Softwareschicht, die es Unternehmensanwendungen und Technologiesystemen ermöglicht, ihre Services und Funktionalitäten für die Zusammenstellung von neuen Anwendungen verfügbar zu machen. Die ESA-Plattform der SAP ist der SAP NetWeaver. Zu den neuen Anwendungen zählen die Packaged Composite Applications – PCAs. Bei einer PCA handelt es sich meist nicht um eine komplexe Lösung, sondern lediglich um eine Anwendung, mit der sich eine ganz bestimmte Aufgabenstellung erledigen lässt. “Composite” drückt hier aus, dass die Anwendungen aus Bausteinen anderer Anwendungen zusammengesetzt sind. “Packaged” bedeutet, dass es sich bei diesen Anwendungen um Produkte handelt, die genauso unterstützt werden wie die anderen Software-Lösungen von SAP. Der Paketaspekt ist für Kunden von großer Bedeutung.

Services für die ESA

Services für die ESA

Was also, wenn ein Unternehmen eine kleine, neue Anwendung benötigt? Anstatt ganz von vorne anzufangen, erstellen die Entwickler die betreffende Anwendung, indem sie auf bestehende Objekte und Funktionalitäten zurückgreifen. Beispielsweise entnehmen sie Kundenobjekte und die zugehörige Funktionalität aus dem CRM-System, die Finanzinformationen und -berechnungen aus der ERP-Lösung sowie produktbezogene Informationen aus dem Produktmanagementsystem. Je nach Anforderung lässt sich einer PCA jede beliebige Funktionalität aus den Content Management Systemen, der Portal-Lösung des Unternehmens oder dem Data Warehouse hinzufügen.

An den Bedürfnissen der Anwender orientiert

PCAs und ESA, also xApps und der SAP NetWeaver, bewirken, dass die Benutzeroberfläche als Basis für den Erfolg einer Anwendung stärker in den Vordergrund tritt als bisher. Vorschläge der UI-Designer, bei denen es darum ging, die Bedürfnisse der Anwender stärker zu berücksichtigen, wurden oft der Flexibilität und Leistungsfähigkeit der betreffenden Anwendung geopfert. Auf Grund der Flexibilität von xApps und SAP NetWeaver ist der Designer nun nicht mehr an die datenbankorientierten Schnittstellen gebunden. Im Mittelpunkt steht die Rolle des Anwenders in einem Prozess. Dieser aufgaben- und prozessorientierte Ansatz und nicht mehr die zusammenhängende Menge an Transaktionen, die eine Datenbank ändern, bestimmt jetzt die Arbeitsläufe auf Benutzeroberflächen. Mit den xApps sind die UI-Designer also in der Lage, anwenderorientiert zu arbeiten:

  • <sum> Sie sind nicht mehr an das Implementierungsmodell gebunden, in dem die UI die interne Struktur des Programms abbildet, nicht die Anforderungen des Anwenders.
  • <sum> Sie konzentrieren sich auf die Anforderungen des Anwenders im Kontext der Rolle, die er in einem bestimmten Prozess hat.
  • Sie müssen die Prozesse, an denen der Anwender beteiligt ist, mit mehr Klarheit und einem höheren Detailgrad verstehen.
  • Sie werden darin bestärkt, wieder verwendbare Komponenten und UI-Patterns für Transaktionen zu entwickeln, die sich in verschiedenen UIs von verschiedenen Anwendungen wiederholen.
  • Sie haben die Möglichkeit, neue Services anzufordern, die sich aus der Funktionalität vieler verschiedener Anwendungen zusammensetzen. Die Designer sind nicht mehr an die Datenbank oder Funktionalität einer einzelnen Anwendung gebunden.

Paradigmenwechsel: Packaged Composite Applications

PCA/ESA-Struktur

PCA/ESA-Struktur

Packaged Composite Applications sind ein neues Muster der Entwicklung von Anwendungen: PCAs werden nicht von Grund auf neu entwickelt. Sie setzen vielmehr auf vorhandene Daten und vorhandene Funktionalität auf und koordinieren die Funktionalität der verschiedenen Bausteine, um eine neue Aufgabenstellung zu erfüllen. Die ESA-Plattform ermöglicht es, bestehende Anwendungen wieder zu verwenden.

Struktur von xRPM

Struktur von xRPM

PCAs lösen im Allgemeinen kleinere Aufgabenstellungen. Es handelt sich also nicht um komplexe Anwendungen wie etwa eine CRM- oder ERP-Lösung. Vielmehr sind die Prozesse, die automatisiert werden, stärker arbeitsteilig und fließend. Neben den Daten, die in Datenbanken gespeichert sind, müssen oftmals auch unstrukturierte Daten von einer PCA verwaltet werden. So überschreitet beispielsweise SAP xRPM, ein xApp, das der Verwaltung großer Projektportfolios dient, die Grenzen zwischen einer großen Anwendungen wie mySAP Financials und den Informationen, die in Microsoft Project gespeichert sind. Das wirkt sich auch auf die Benutzeroberfläche aus. In früheren Generationen von Anwendungen hatten die UIs meist den Charakter eines Papierformulars, bei dem es in erster Linie darum ging, Daten zu erfassen. Bei PCAs entspricht die Benutzeroberfläche mehr einem Armaturenbrett, das alle relevanten Informationen für die einzelnen Bestandteile eines Prozesses anzeigt, die ein Anwender überwacht oder an denen er beteiligt ist.

Quellen für Web-Services

Quellen für Web-Services

PCAs unterscheiden sich noch in weiteren Punkten von herkömmlichen Unternehmensanwendungen. Sie orientieren sich an Services als zu Grunde liegenden Implementierungselementen, nicht an Tabellen in einer Datenbank. Die ESA-Plattform bietet viele verschiedene Arten von Services, die dem PCA-Entwickler als Ausgangspunkt zur Verfügung stehen. Der PCA-Entwickler wiederum fügt diesen im Allgemeinen noch einige hinzu. Auch die Services stammen aus einer Vielzahl von Quellen. Ein Zusammenspiel dieser Faktoren bewirkt, dass PCAs generell stark auf den jeweiligen Prozess und die Dienste ausgerichtet sind, die diesen Prozess unterstützen. Die Folge: UI-Designer und Anwendungsentwickler müssen viel stärker über die Rolle des Anwenders bei einer Transaktion kommunizieren – damit die Benutzeroberfläche auf dessen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Neue Oberflächentechnologien

Anwenderfreundliche Benutzeroberflächen entscheiden mit über Erfolg oder Misserfolg einer Anwendung. Zudem entfällt auf diese UIs ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Kosten für Wartung, Pflege und Änderung einer Anwendung. Aus diesem Grund hat SAP beträchtlich in neue Möglichkeiten investiert, Benutzeroberflächen zu erstellen. Verfahren und Technologien wie SAP Graphical User Interface (SAP GUI), Dynpro, HTMLB, Business Server Pages (BSP) oder SAP Internet Transaction Server (SAP ITS) werden durch neue Technologien ergänzt. Dazu zählen Web Dynpro, das Composite Application Framework (CAF) und die GUI Machine (Codename). Sie verändern die Art und Weise, wie Benutzeroberflächen erstellt werden.
Die Programmierung einer Benutzeroberfläche, wie sie in HTMLB oder bei BSP abläuft, hat ausgedient. Künftig wird die Modellierung einer UI mehr daraus bestehen, funktionale Blöcke in einem Visio-Diagramm zu verschieben und nicht mehr einem Texteditor ähneln. In Web Dynpro wurde dies zuerst zur Erstellung von Benutzeroberflächen für SAP-Anwendungen umgesetzt. CAF und GUI werden ähnlich funktionieren und möglicherweise sogar auf Web Dynpro für ihre Zwecke zurückgreifen.
Web Dynpro untergliedert die Aufgabenstellung einer Benutzeroberfläche in drei Kategorien: Model, View und Controller. Diese Unterteilung ist nicht neu. Sie wurde in den 70er-Jahren bei Xerox Parc entwickelt und unter dem Namen MVC-Paradigma bekannt. Hierbei ist “View” die Ansicht einer Anwendung. Im “Model” ist die Zusammenarbeit der Benutzeroberfläche mit der Anwendung im Hintergrund geregelt. Der “Controller” steuert diese Abläufe.
Don Dwiggins, ein Designer, hat vorgeschlagen, sich das MVC-Paradigma wie folgt vorzustellen:

  • Die Ansicht ist mit den Augen des Anwenders verbunden.
  • Die Steuereinheit ist mit den Händen des Anwenders verbunden.
  • Das Modell ist mit dem Verstand des Anwenders verbunden
Services für die Erstellung eines UI-Pattern

Services für die Erstellung eines UI-Pattern

In Web Dynpro werden alle Arten von Standardobjekten definiert, die ein Standardverhalten aufweisen. Dazu zählen beispielsweise Drucktasten, Tabellen oder Textfelder. Diese Objekte werden in wiederverwendbare UI-Patterns gruppiert – etwa in dem UI-Pattern für eine Listenansicht von Datensätzen oder die Detailansicht eines bestimmten Datensatzes. Aufgabe des UI-Designers ist es, aus diesen UI-Patterns die richtige Benutzeroberfläche zusammenzustellen oder bei Bedarf neue spezielle UIs oder neue wieder verwendbare UI-Patterns anzufertigen. Die vierte Abbildung zeigt die Arten von Services, die Bestandteil der Interaktion bei einem UI-Pattern sein können.
Der Vorteil, für die Definition einer Benutzeroberfläche ein abstraktes Modell zu verwenden, besteht darin, dass sich das UI in verschiedenen Formen darstellen lässt: Als HTML, als Java-Objekt oder als Schnittstelle für mobile Geräte. All das macht Programmier-Arbeiten nicht überflüssig, es verringert jedoch deren Umfang. SAP wird deshalb in ihrer nächsten Generation von Anwendungen und Technologien auf jeder Ebene solche Modelle verwenden.

Wie unterstützt die Enterprise Services Architecture PCAs?

Hinter der Enterprise Services Architecture steckt die Theorie, wie sich die Funktionalität einzelner Anwendungen als Service verfügbar machen lässt. Mit einer ESA-Plattform wie dem SAP NetWeaver ist diese Theorie nun in die Praxis umgesetzt. Denn SAP NetWeaver ermöglicht es, die Services vorhandener Unternehmensanwendungen der Entwicklung als PCAs – xApps – zur Verfügung zu stellen. Die ESA-Plattform erlaubt es den Entwicklern außerdem, Plattform-Komponentensysteme wie etwa ein Content Management oder ein Data Warehouse zu verwenden.

In einer ESA-Plattform wie dem SAP NetWeaver erstellen Anwendungsdesigner Komponenten anhand von Services, die von Unternehmensanwendungen und Plattformsystemen angeboten werden. Die Zusammenstellung der Komponenten lässt sich variieren. Die Benutzeroberfläche spielt nicht mehr mit der Anwendung zusammen, welche die Datenbank steuert, sondern mit Komponenten, die Funktionalitäten aus einer Vielzahl von Quellsystemen zusammenfassen. In Folge dessen sind die Benutzeroberflächen stärker auf die Bedürfnisse des Anwenders fokussiert.
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Dan Woods

Dan Woods

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