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Die Big-Data-Revolution: Wem gehören die Daten?

Feature | 11. Mai 2016 von Christine Donato 0

Die Dokumentation The Human Face of Big Data geht der Frage nach, wie wir komplexe Analysen nutzen können, um brauchbare Erkenntnisse aus Milliarden von Datensätzen zu ziehen und in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

In der heutigen Zeit werden wir allein an einem einzigen Tag mit mehr Daten konfrontiert, als unsere Vorfahren in ihrem ganzen Leben sahen.

Täglich durchsuchen wir durchschnittlich 7,2 Milliarden mal Google, posten 30 Milliarden Einträge in Facebook und senden 247 Milliarden E-Mails (Erwitt und Smolan, 2012).

Und als ob das nicht reichen würde: Jede Minute laden wir 48 Stunden Videomaterial auf Youtube hoch (darunter das meist gesehene Video: „Gangnam Style“ von Psy).

Was machen wir aber nun mit all diesen Daten? Wie können wir sicherstellen, dass wir diese Daten für die richtigen Zwecke nutzen und sie nicht missbraucht werden?

Tagtäglich werden Informationen über unsere Lebensweise, unser Verhalten und unsere Gesundheit gesammelt. Die Dokumentation, The Human Face of Big Data, von Sandy Smolan, geht der Frage nach, wie wir komplexe Analysen nutzen können, um brauchbare Erkenntnisse aus diesen Milliarden von Datensätzen zu ziehen und in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

Wir verfügen heutzutage über eine riesige Menge an Informationen über das menschliche Genom, da wir alle sechs Milliarden DNA-Basenpaare ohne großen Aufwand analysieren können.

Anhand von genetischen Unstimmigkeiten und Genmutationen können wir errechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Person ist, sich im Laufe ihres Lebens eine bestimmte Krankheit zuzuziehen. Ärzte und Forscher können mit Hilfe dieser Daten die Diagnostik und die Behandlung tödlicher Krankheiten wie Krebs und Herzkrankheiten optimieren.

Wie Big Data unser Leben verändert

20 Prozent aller Frühchen erkranken im Krankenhaus an schweren Infektionen. Bis vor Kurzem wurden potenziell lebensrettende Daten allerdings meist außer Acht gelassen oder gar ignoriert.

Auf der Intensivstation sammeln EKG-Messgeräte täglich Millionen Messdaten der Herzschläge jedes Neugeborenen. Dennoch notieren sich die Krankenschwestern stündlich nur eine Zahl, die alle Daten des Herzschlags des Kindes widerspiegeln soll (Smolan and Erwitt, 2012).

Durch die Analyse aller Daten fand man heraus, dass der Herzschlag einer gesunden Person nicht unbedingt regelmäßig ist. Entwickelt sich allerdings eine Infektion, schlägt das Herz gleichmäßiger.

Mit Hilfe dieser Analysen konnten Ärzte Infektionen von Neugeborenen so früh erkennen, dass sie einen 24-Stunden-Vorsprung hatten, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen und die Bakterien zu besiegen.

Gemeinnützige Organisationen und Stadtverwaltungen nutzen mittlerweile ebenfalls Big-Data-Analysen. Anhand der Daten können sie ersehen, welchen Gruppen der Gemeinde die meisten Kriminellen angehören. Wenn die Stadtverwaltungen wissen, um welche Gruppen es sich handelt, können sie hier gezielt mehr in Bildung und Wiederaufbau statt in Gefängnisse investieren.

Schutz durch Big Data

Auch das US-amerikanische Heimatschutz-Ministerium nutzt die Big-Data-Revolution, um ihre Bürger zu schützen.

90 Prozent des Welthandels wird über Frachtcontainer abgewickelt und leider gelten diese mitunter als Gefährdung der nationalen Sicherheit. Mit Sensortechnologien und dem Internet der Dinge kann das Heimatschutz-Ministerium jeden Frachtcontainer mit einem Sensor ausstatten, der den zuständigen Behörden meldet, sobald das Schiff von der geplanten Route abweicht oder Sperrvorrichtungen entfernt oder zerstört worden sind.

Big Data findet mittlerweile auch Einsatz bei der Prävention von Naturkatastrophen. Storm Chaser (zu Deutsch: Gewitterjäger) sammeln Daten und stellen diese für die Öffentlichkeit bereit, ehe der Sturm ausbricht.

  • Die Stadtverwaltung von Buenos Aires hat mit dem Einsatz von Sensoren und dem Internet der Dinge das Entwässerungssystem der Stadt optimiert, sodass in Zukunft Überschwemmungskatastrophen, wie im Jahr 2013, verhindert werden können.
  • Ein Erdbeben-Frühwarnsystem in Japan kann die Stärke eines Erdbebens voraussagen und innerhalb von 8,6 Sekunden Warnmeldungen versenden.

Big Data ist wirklich revolutionär, da es das Verhältnis zwischen Mensch und Information grundlegend ändert. Michael S. Malone, einer der Autoren von „The Human Face of Big Data“.

So viel Positives riesige Datenmengen auch mit sich bringen: Leider gibt es auch die andere Seite der Medaille. Die Big-Data-Revolution hat unglücklicherweise auch negative Auswirkungen auf die Welt. Vor allem dann, wenn die Daten in die falschen Hände geraten.

Missbrauch von Big Data

Twitter kann beispielsweise als Rekrutierungstool missbraucht werden und leichtgläubige Menschen negativ beeinflussen. Die sozialen Medien können unvergleichbar effektiv und schnell große Menschenmassen mobilisieren.

Bei den Terroranschlägen in Mumbai im Jahre 2008 wurden 300 Menschen verletzt und 172 getötet. Die Anschläge wurden vorher technisch vollständig durchdacht und vorbereitet.

Die Terrororganisation richtete einen offenen Nachrichtendienst an der Grenze zu Pakistan ein. Von da aus konnten die Anführer über Nachrichtensender, Internet und die sozialen Medien verfolgen, wie die Anschläge verliefen und wie viele Menschen sie bisher getötet hatten.

Die Terroristen wussten über alles Bescheid und waren der Polizei und der Regierung taktisch immer einen Schritt voraus. Während den Anschlägen nutzten sie sogar Suchmaschinen, um ihre Geiseln zu identifizieren. Sie entschieden anhand der gefundenen Daten, wer leben durfte und wer sterben musste (Erwitt und Smolan, 2012).

Kriminelle, Terroristen und Hacker sind sich der Macht der Vernetzung mehr als bewusst: Kontrollierst du den Code, kontrollierst du die Welt. Mark Goodman, Global Security Advisor und Autor von „The Human Face of Big Data“.

Wem gehören die Daten?

„Wem gehören die Daten?“ ist die zentrale Frage der Dokumentation. Gehören sie unserem Handyanbieter? Unserer Regierung? Unseren Ärzten? Sollten wir für den Zugang unserer Daten bezahlen? Wie viel Geld würden die Menschen dafür zahlen?

Wenn wir unsere DNA sequenzieren lassen und unsere Krankenversicherung dafür zahlt – gehören ihr dann auch automatisch die Daten? Und wenn durch die DNA-Sequenzierung eine Genmutation für eine unheilbare Krankheit festgestellt wird, kann unsere Krankenversicherung dann Leistungen verweigern oder mehr Geld von uns verlangen?

Wollen wir überhaupt, dass unsere DNA sequenziert wird, wenn das Ergebnis möglicherweise auf eine unheilbare Krankheit hinweisen könnte? Ist Unwissenheit dann doch eher ein Segen?

Gehören unsere Suchverläufe Google? Gehören unsere Fotos Facebook? Gehören unsere Gedanken und Tweets Twitter?

Fühlen wir uns wirklich wohl, wenn die Regierung zu jeder Zeit weiß, wo wir sind?

Oder  schauen Sie sich die Dokumentation auf einer Veranstaltung zum Film  oder auf Youtube an.

Quelle: Erwitt, Jennifer, and Rick Smolan. The Human Face of Big Data. Against All Odds Productions, 2012. Print.

The Human Face of Big Data. Dir. Sandy Smolan. 2014. Film.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf SAP Business Trends veröffentlicht: http://scn.sap.com/community/business-trends/blog/2016/04/05/the-bigdata-revolution-who-owns-our-data

Foto: Shutterstock

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