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Digitale Transformation: Was sich verändert

Feature | 6. November 2014 von Mathias Kaldenhoff 0

Die Welt ist durchdigitalisiert, Anwender und Unternehmen begegnen sich auf Augenhöhe, Menschen und Maschinen sind vernetzt und neue Geschäftsmodelle schaffen neue Wertschöpfungsketten: Mathias Kaldenhoff, Head of Business Development bei SAP erläutert die vier bedeutendsten Veränderungen durch die digitale Transformation.

Seit den 70er Jahren bis weit in die heutige Zeit dominierten zwei Unternehmensstrategien: Zuerst wurde Wachstum durch Skalierung und nachfolgend die Minimierung der Transaktionskosten innerhalb der gesamten und durchgängigen Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt gestellt.

Unternehmen, die prosperierten, benötigten IT-Systeme, die sich diesem Wachstum anpassten, die Expansion also „mitgehen“ konnten. War das gewährleistet, war der nächste Schritt die Optimierung der Wertschöpfungskette. Das Resultat: Sinkende Kosten für Transaktionen. Doch in beiden Fällen sind Grenzen erreicht und die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft hat neue Regeln geschaffen. Im Laufe der digitalen Transformation wird nicht alles neu erfunden, doch vieles Neue ist plötzlich möglich.

1. Die Welt hat sich verändert

Die noch vor Jahren kaum vorstellbare Digitalisierung unterschiedlichster Objekte erzeugt stetig wachsende Mengen physikalisch und logisch miteinander verknüpfbarer Daten. Vernetztes „Big Data“ lässt uns die Welt in neuen Mustern und Maßstäben erkennen, sicherere Voraussagen treffen, völlig neue Prozesse und Wertschöpfungsketten erdenken. Für die große Mehrheit von 96 Prozent der Großunternehmen und 68 Prozent kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland ist Big Data relevant. Zwar nutzen aktuell gerade einmal neun Prozent der Unternehmen die gezielte Analyse von großen Datenmengen bereits für sich, doch planen bereits weitere 31 Prozent mit Big Data für die Zukunft, so eine aktuelle Bitkom-Studie zum Thema. Diese Ergebnisse zeigen: Big Data ist im Unternehmensalltag angekommen. Kein Wunder, denn diverse global auftretende digitale Ereignisse erzeugen immer mehr Echtzeit-Daten, die mit ebenfalls in Echtzeit laufenden Prozessen der Unternehmen verbunden werden können.

Daten im Kontext analysieren

Unterschiedlichste Datentypen wie Wetter-, Geo-, soziale und maschinenerzeugte Daten können damit ebenso schnell im Kontext analysiert und als Entscheidung, Anweisung oder Vorhersage zurückgespielt werden:
Diese digitale Transformation verändert vieles – vor allem aber das Denken der Mitarbeiter und Führungskräfte und damit die Herangehensweise an Aufgaben und die Entwicklung von Lösungsansätzen.

2. Die Anwender haben sich geändert

Reale und digitale Welten vermischen sich, Anbieter und Abnehmer finden gemeinsame neue Räume für Innovationen. Gestern noch Unikate, werden digitale Dienste und Prozesse in der Industrie und dem Gewerbe, dem Entertainment, in sozialen Netzwerken aber auch der öffentlichen Hand erst zum Standard und dann zum Grundbedürfnis. 37 Prozent unserer täglichen Kommunikation läuft bereits über digitale Kanäle, über viereinhalb Stunden verbringt der Durchschnittsdeutsche täglich im Internet und der Cloud-Musikdienst Spotify wächst um 171 Prozent, so eine Analyse des Beratungshauses Roland Berger Strategy Consultants. Zudem bestimmt das Internet und Social Media inzwischen bereits jede vierte Kaufentscheidung, besonders in den Bereichen Reise und Unterhaltungselektronik.

PhotoMathiasKaldenhoff

“Gestern noch Unikate, werden digitale Dienste und Prozesse in der Industrie und dem Gewerbe, dem Entertainment, in sozialen Netzwerken aber auch der öffentlichen Hand erst zum Standard und dann zum Grundbedürfnis”, sagt Mathias Kaldenhoff, Head of Business Development bei SAP.

Distanz zwischen Erzeuger und Abnehmer strebt gegen Null

Die Zahl personalisierter mobiler Endgeräte zur Nutzung der Angebote übersteigt die Größe der Weltbevölkerung, in der wir zudem in den kommenden Jahren mit über 50 Prozent immer mehr Menschen in einer globalen und kaufkräftigen Mittelschicht finden. Klar ist: Die digitale Transformation kommt den Konsumenten und Nutzern sehr entgegen, sie ist kundenzentrisch – die Distanz zwischen Erzeuger und Abnehmer strebt gegen Null. Denn es ist längst nicht nur für die „Digital Natives“ relevant für das tägliche Leben, Zukunftstechnologien für sich zu nutzen, sondern bereits für ein Drittel der Bevölkerung (Roland Berger Strategy Consultants).

3. Die Industrie ändert sich

In der seit einigen Jahren sich entwickelnden „Vierten Industriellen Revolution“ vernetzen sich jetzt Computer, Kommunikationswege und die neuen digitalen Möglichkeiten unterschiedlichster Objekte zu cyberphysikalischen Systemen.

Losgröße 1 ist denkbar

Innovative Produkte, neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sowie effizientere betriebliche Prozesse werden deutschen Unternehmen bis 2025 ein Bruttowertschöpfungs-Plus von knapp 79 Milliarden Euro ermöglichen, so eine Prognose des ITK-Branchenverbandes Bitkom zu dem Impuls durch Industrie 4.0. Bis 2020 werden demnach zudem 50 Milliarden Menschen, Daten, Dinge und Prozesse in einem „Internet of Everything“ miteinander verbunden sein. Maschinen und Produkte verbinden sich wie selbstverständlich miteinander, neue digitale Prozesse und Dienstleistungen entstehen: Individualität und objektbezogene digitale Services verschmelzen. Losgröße 1 ist dadurch denkbar – der heutige Traum jedes Fertigungsingenieurs.

4. Die Wertschöpfungsketten ändern sich

Der vereinfachte Eintritt in den digitalen Markt etwa durch Cloud-Technologien zusammen mit den Möglichkeiten zur Erkennung neuer Maßstäbe und Muster macht „alte“ Wertschöpfungsketten nicht per se obsolet. Jedoch entsteht die Basis für Neues.

Ein Beispiel: Die Zukunft des Autos erfordert zuverlässige Plattformen, die eine Backend-zu-Fahrzeug-Kommunikation und Interaktion in Echtzeit ermöglichen. Heutzutage sind Autos mit unterschiedlichsten Endgeräten wie Navigationshilfen, Sensoren und Kameras ausgerüstet, die durchgehend Daten über Status, Standort und Bewegung generieren. Sie werden zunehmend „connected cars“. Doch wie lassen sich relevante Daten über Status, Standort und Bewegung identifizieren und filtern, wie in Echtzeit warnrelevante Informationen aus den Datenströmen ziehen und wie lässt sich durch Fahrerassistenzsysteme die Sicherheit für Fahrer und den Verkehr verbessern?

Neue Möglichkeiten als Start(up)-Punkt

Auf der Basis dieser neuen Business-Modelle entstehen neue Wertschöpfungsketten, die wiederum neue Prozesse erfordern. Neue Firmen verstehen die neue Möglichkeiten als „Start(up)-Punkt“. Firmen schaffen es nun leichter, in angestammte Geschäftsfelder anderer einzudringen, ohne besondere Aufwände in Hinsicht auf die Integration von Technologien.

 

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