Die Lernwelt der Zukunft

Feature | 3. Februar 2003 von admin 0

Wissen ist ein Grundbedürfnis des Menschen – Mitarbeiterwissen im Unternehmen ist ein Wirtschaftsgut. Die rasch wechselnden Innovationszyklen der Informationsgesellschaft erfordern, dass Mitarbeiter ihren Wissenstand und ihre Fertigkeiten ständig erweitern und aktualisieren. Traditionelle Lehr- und Lernmethoden, die auf reinen Präsenzveranstaltungen basieren, stoßen dabei an ihre Grenzen. Sie können allenfalls noch den Anstoß für eine kontinuierliche selbstgesteuerte Weiterbildung liefern. Die Zukunft gehört neuen Online-Technologien, die zunehmend auch in der Aus- und Weiterbildung Einzug halten. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Beispielsweise lassen sich Abwesenheitszeiten und Kosten reduzieren. Wichtiger ist jedoch, dass sich webbasierte Lernlösungen optimal an die Bedürfnisse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter anpassen lassen und einen allgegenwärtigen Zugriff auf Wissensressourcen bieten.

Maßgeschneidertes Lernportal

Portal

Portal

Mit der SAP Learning Solution wird Lernen zum integralen Bestandteil des Unternehmensportals. Die Mitarbeiter haben Zugriff auf unterschiedliche Lernangebote, wie Präsenztraining, Virtual Classroom oder Web-based Training. Die einzelnen Angebote sind in Curricula organisiert, welche auf die individuellen Kompetenz-Profile der Lernenden abgestimmt sind.
Über das Lernportal stellt der Mitarbeiter seinen persönlichen Weiterbildungsplan zusammen und schneidet ihn auf seine persönlichen Bedürfnisse und Qualifikationen sowie auf seine Funktion im Unternehmen zu. Er kann jederzeit Einsicht in seine Trainingsaktivitäten nehmen, eigene Qualifikationen und Qualifikationsdefizite abrufen sowie seinen Lernfortschritt überprüfen. Der multidimensionale Trainingskatalog lässt sich mittels Fuzzy-Search zudem flexibel nach Trainings durchsuchen, die für das gewünschte Bildungsziel relevant sein könnten. Über Self-Services kann der Mitarbeiter Trainings buchen oder sich für zukünftige Trainings vormerken lassen.

Durch die Integration der SAP Learning Solution mit mySAP Human Resources (mySAP HR) kann die Personalabteilung zum Beispiel Qualifikationen für Stellenbeschreibungen oder Anforderungen übernehmen oder die Weiterbildungsabteilung die nötigen Informationen für die Weiterbildungsbedarfsplanung ermitteln. Außerdem lassen sich Vorschläge für Trainings gemäß dem Entwicklungsplan der Mitarbeiter oder der Stellenbeschreibung ableiten. Pflichttrainings können automatisch in den Trainingsplan eingestellt werden. Lernziele und Wissensstand des Mitarbeiters werden miteinander abgeglichen und bestimmen so Inhalt und Umfang eines Trainings. Die Applikation protokolliert alle laufenden sowie künftige und vergangene Lern- und Assessment-Aktivitäten und nutzt sie für den kontinuierlichen Abgleich.

Personalisierung und Adaption

Autorenumgebung

Autorenumgebung

Doch die SAP Learning Solution personalisiert das Lernen über das Internet noch einen Schritt weiter. Geleitet von der Erkenntnis, dass sich Menschen nicht nur in ihren Vorkenntnissen sondern auch in ihrem Lernstil und ihren medialen Präferenzen unterscheiden, können Lerninhalte in einzelnen Modulen höchst individuell aufgebaut werden. Einmal erstellte und strukturierte Lerninhalte werden zur Laufzeit, also zum Zeitpunkt, an dem der Lernende das Training durcharbeitet, individuell zusammengestellt und präsentiert. Dies geschieht in Abhängigkeit von der bevorzugten Lernstrategie und dem zum aktuellen Zeitpunkt bereits vorhandenen Wissen des Lernenden.

Ermöglicht wird diese “intelligente” Führung durch eine innovative didaktische Modellierung des Web-basierten Trainings. So besteht ein Training aus einzelnen Wissensnetzen auf den unterschiedlichen Hierarchiestufen Curriculum, Training, Trainingsteil, und Trainingseinheit. Auf der untersten Ebene stehen die eigentlichen instruktionellen Objekte. Die Objekte des Wissensnetzes sind dabei durch didaktische und strukturelle Beziehungen miteinander verknüpft: Solche Beziehungen sind beispielsweise “ist Grundlage für”, “ist analog zu” und “ist Teil von”. Instruktionelle Objekte werden nach Orientierungswissen (Überblick, Historie oder Fakten), nach Erklärungswissen (Was-Erklärung oder Wie-Erklärung), nach Handlungswissen (Regeln, Prozeduren oder Gesetze) und Quellenwissen (Referenzen, Handbücher, Berichte oder Web) unterschieden.

Individuelle Lernpfade erstellen

Für den Trainingsablauf nutzt der Anwender diese didaktischen Metadaten, um in Abhängigkeit von der frei gewählten Lernstrategie individuelle Lernpfade zu erstellen. Lernt ein Anwender beispielsweise lieber deduktiv und Theorie-geleitet, so wird zunächst das Erklärungswissen präsentiert. Bevorzugt er Beispiele, dann fängt eine Lerneinheit mit einem Beispiel an. Erst dann folgen Erklärungen und die Vermittlung von Handlungswissen. Die SAP Learning Solution kennt eine Reihe von einfachen und komplexeren Lernstrategien mit der sich der Trainingsverlauf optimal an die Bedürfnisse des Lernenden anpassen lässt.

Lernpfade

Lernpfade

Um solche adaptierbaren Lernnetze zu erstellen, bietet die SAP Learning Solution eigens eine komfortable grafische Autorenumgebung. Sie umfasst Werkzeuge zur Strukturierung von Lernmaterialien, instruktionelle Aufbereitung durch didaktische Metadaten, Verwaltung des Lernzielkatalogs, Erstellung von Lernaufgaben und Tests sowie die Versionsverwaltung unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Für die mediengerechte Aufbereitung von Lernmaterialien lassen sich außerdem weitere externe Autorenwerkzeuge einbinden. Schon verfügbare Materialien und Trainings können importiert werden, sofern sie nach dem internationalen Standard für Lernobjekte SCORM (Shared Content Object Reference Model) erstellt wurden

Lerner-zentrierte Lernumgebung

Neuere Untersuchungen im Umfeld des Technologie-unterstützten Lernens heben die aktive Rolle des Lernenden im Lernprozess besonders hervor. Maßgeschneiderte Lernangebote verbessern zwar die Akzeptanz und erhöhen die Effektivität des Lernens. Der Lernerfolg ist jedoch wesentlich größer, wenn der Lernende im Lernprozess selbst aktiv wird. Für eine Lerner-zentrierte Lernumgebumg gilt es dabei, einige wichtige Prinzipien zu beachten.
Wissen ist komplex und kontextabhängig. Der Lernstoff sollte daher multiple Perspektiven, beispielsweise unterschiedliche Expertenmeinungen oder Darstellungen vermitteln. Lernen erfolgt nicht durch reine Informationsaufnahme sondern erfordert eine mentale Leistung des Lernenden. Auch die eigene Artikulation und Abstraktion durch den Lernenden ist für den Bildungsprozess förderlich. Die Lernumgebung sollte daher die aktive Grundhaltung für die Suche nach Bedeutung unterstützen. Lernen geschieht durch Verknüpfung von neuem mit bereits vorhandenem Wissen. Es ist deshalb notwendig, auf das Vorwissen und den Hintergrund des Lernenden sowie seine Ziele und Perspektiven Rücksicht zu nehmen. Diesen Prinzipien kann man nicht allein durch reichhaltige und gut vernetzte Wissensressourcen gerecht werden. Vielmehr muss die Lernumgebung über geeignete zusätzliche Werkzeuge (Scaffolding Tools) verfügen, welche lernfördernde Aktivitäten ermöglichen und integrierter Bestandteil des Trainings sind.

Kognitive Lernwerkzeuge direkt einbetten

Die SAP Learning Solution greift diese Anforderung auf und bietet die Möglichkeit, solche kognitiven Lernwerkzeuge direkt in den Trainingsverlauf einzubetten. Mehr noch, über die Kopplung mit der Kooperationsplattform DyCE des Partners Go4Teams können Anwender diese Werkzeuge durchgängig kooperativ, das heißt zusammen mit mehreren Lernenden und Tutoren nutzen. In der Praxis haben sich dabei bestimmte Formen der Kooperation als nützlich erwiesen. So erlaubt das Projektarbeits-Tool die gemeinsame Bearbeitung von kleineren Projektaufgaben. Verschiedene Diskussionsformen, wie Blitzlicht, Rundgespräch, und Pro-/Kontra-Disput werden in regelmäßigen Abständen in den Trainingsverlauf eingebaut. Trainer können Frage-Antwort-Sitzungen mit den Teilnehmern eines Trainings einplanen. Experten-Interviews erlauben die Befragung von ausgewiesenen Sachgebietsexperten durch die Trainingsteilnehmer. Kooperative Brainstorming- und Mind-Mapping-Tools können sowohl an bestimmten Stellen im Kurs platziert oder spontan von den Teilnehmern aktiviert werden.

Zukunftstechnologie E-Learning

Die SAP Learning Solution ist die Lösung für die Anforderungen an innerbetriebliche Weiterbildung in unserer Zeit. Wissensmanagement und Weiterbildung im Unternehmen und deren Anpassung an Geschäftsprozesse gewinnen zunehmend an Bedeutung. Künftig werden die Softwaresysteme für die Steuerung betriebswirtschaftlicher Prozesse, Wissensmanagementsysteme und Lernsysteme immer mehr zusammenwachsen. Die SAP-Corporate-Research-Organisation hat deshalb eigens ein internationales Forschungsprogramm gestartet, das sich schwerpunktmäßig mit zukünftigen Lerntechnologien und deren praktischer Umsetzung im Unternehmenskontext beschäftigt. Die dabei entstehenden Ergebnisse und Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die SAP Learning Solution ein.

Dr. Ing. Torsten Leidig

Dr. Ing. Torsten Leidig

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