Die Mounties satteln um auf mySAP Supply Chain Management

Feature | 8. März 2004 von admin 0

Die Royal Canadian Mounted Police wird immer noch als die “königlich-kanadische, berittene Polizei” geführt. Bekanntheit in aller Welt haben die Polizisten der vor 130 Jahren gegründeten Behörde jedoch unter dem Spitznamen “Mounties” erlangt. Bei dem einzigartigen Konstrukt handelt es sich um eine nationale, föderalistisch organisierte Polizeibehörde, die sowohl auf Ebene der Provinzen als auch auf kommunaler Ebene agiert. Auf Bundesebene ist die RCMP für alle Kanadier zuständig. Darüber hinaus verpflichten drei Territorien, acht Provinzen sowie 198 Städten und Gemeinden die Mounties vertraglich als kommunale Polizei. 1919 vom kanadischen Parlament gegründet, erhielten die Mounties das Mandat, die Gesetze zur Verbrechensbekämpfung und zur Bewahrung des Friedens, der Ordnung und der Sicherheit im Land durchzusetzen.

“So viel wie möglich SAP”

Wie viele andere Unternehmen hatten auch die Mounties Bedarf an fortschrittlicher IT, um den ständig wachsenden Arbeitsbergen Herr zu werden. Mit 14 Abteilungen, verteilt über 780 Niederlassungen in vier Regionen Kanadas ist die Behörde auf eine robuste Lösung für die Versorgungskette angewiesen, mit der sich beispielsweise die Uniformen und die gesamte Grundausrüstung der 18.000 Polizeibeamten verwalten lässt. Die Mounties hatten 1998 SAP R/3 3.0F mit dem Ziel eingeführt, das Y2K-Problem in den Griff zu bekommen. Im Jahr 2000 wechselte die Behörde auf die Version 4.0B; laut Mary Premo ist für 2005 ein Upgrade auf die Version 4.7 geplant. Aktuell suchten die Mounties nach einer schnellen und zuverlässigen Lösung für Design, Anschaffung, Lagerung und Distribution der Ausrüstung, die oft in den entlegensten Gegenden des Landes benötigt wird.
“Wir wollten so viel wie möglich mit SAP machen und möglichst wenig unterschiedliche Systeme verwenden”, begründete Premo ihre Wahl. Und obwohl die Implementierung noch nicht abgeschlossen ist, sind die Vorteile des neuen SAP-basierten Systems bereits sichtbar. Beim Funds Management (FM), dem Controlling (CO), dem Finanzwesen (FI), der Instandhaltung (PM), dem Vertrieb (SD), dem Qualitätsmanagement (QM) und der Materialverwaltung (MM, inklusive Warehouse Management, Inventory Management und Purchasing) setzt die RCMP auf SAP und spart damit Zeit und Geld.

Vereinfacht und standardisiert

Die “Regina Armourer Unit” ist eine zentrale Einrichtung, mit der die Mounties die Ausrüstung verwalten. Doch Regina liegt in der Provinz Saskatchewan – satte 2.500 Kilometer vom Hauptlagerort in Ottawa entfernt. Die enorme Distanz zwischen den beiden Orten stellte die IT-Abteilung der RCMP bei der Einrichtung der zentralen Lösung für das Warehouse Management vor eine große Herausforderung. Aktuell ist im zentralen Warehouse Management System auch eine Einheit für den Direktverkauf über den Ladentisch, eine Einheit für die Bearbeitung der Bestellungen neu eingestellter Polizisten, eine Lagerverteilung mit einem Call-Center und einer Spezialbestellfunktion sowie eine Einheit für die Containerlagerung mit Waren, die kurz- oder langfristig in großen Mengen vorrätig sind, enthalten.
Insgesamt 19 Mitarbeitern kümmern sich um die gesamte Verwaltung. Dazu zählt das Lagerhaus auf einer Fläche von knapp 4000 Quadratmeter, etwa 200 Bestellungen täglich, 80 pro Monat eingehende Transporte, monatlich 450 Warentransporte, 275 Retouren und 35 Laufkunden.
Das SAP-System unterstützt diese Mitarbeiter bei verschiedenen Kernaufgaben, etwa:

  1. der Konfiguration der Bestellungen,
  2. der Erstellung spezieller Ausdrucke zu eindeutigen Bedingungen und Konditionen,
  3. der Erstellung kundenspezifischer Bildschirme für das Berichtswesen unter Berücksichtigung der Handelsgesetze und Verordnungen.
  4. der Erstellung von Standardtexten und Prozessen für alle Anwender.

Die RCMP entschied sich für die so genannte “Vanilla-Integration” von SAP, bei der eine Anpassung an die Standardprozesse nur vorgenommen wird, wenn es für die Anwendung absolut notwendig ist. “Durch die Verwendung der bestehenden SAP-R/3-Funktionalität ist es möglich, Aufgaben wie die Wiederbefüllung, die Verfolgung der Arbeitsaufträge und das Cross-Docking zu erledigen,” erklärte Premo. Als einzige Änderung musste ein Exit für das Berichtswesen der kundenspezifischen Beschaffung geschaffen werden.

Weniger Fehler, genauere Bestellungen

Viele Ausrüstungsgegenstände müssen an spezielle Anforderungen angepasst sein. Das Qualitätsmanagement in SAP R/3 soll gewährleisten, dass das Endprodukt in der gewünschten Modifikation vorliegt, bevor Zahlungen an den Lieferanten geleistet werden. “Wir wollen erst zahlen, wenn wir sicher sind, dass unsere Anforderungen erfüllt wurden”, so Premo. Eine unmittelbare Auswirkung dieses neuen Prozesses: Die speziell auf Frauen zugeschnittenen Uniformen und kugelsicheren Westen werden neuerdings auch mit deutlich weniger Fehlern geliefert.
In Summe lassen sich darüber hinaus nun viele Aufgaben einfacher bewältigen. Beispielsweise müssen laut Premo nicht mehr so viele Waren auf Lager liegen, weil das Bestellwesen Ziel gerichteter ist. “Wir waren ziemlich überrascht, wie einfach es sein kann, den Lieferplan einzuhalten”, schlussfolgert Premo. Mit Handscannern, die an die SAP-Lösung angeschlossen sind, lassen sich die Produktdaten genau verfolgen und speichern. Letztendlich will die RCMP eine komplett Web-basierte Lösung für die Supply Chain implementieren.
Keine Integrationsaufgabe läuft gänzlich ohne Reiberein ab. Bei der RCMP benötigten die Anwender einige Zeit, bis sie mit den neuen standardisierten und SAP-basierten Prozessen umgehen konnten und diese akzeptiert hatten. Auch mussten laut Premo einige Daten Zeile für Zeile nachgeprüft werden, um die Turnaround-Zeiten von zwei Wochen für die Wiederbefüllung, die sich die RCMP zum Ziel gesetzt hat, zu erreichen. Und demnächst stehen wohl bei der RCMP auch Investitionen für eine neue Hardware ins Haus.

Der Erfolg von mySAP SCM bei den Mounties ist nur stellvertretend

Auf der Konferenz “Logistics and Supply Chain Management” in Las Vegas, waren neben der RCMP auch viele andere Kunden, Partner und Führungskräfte der SAP anwesend. SAP-Vorstand Claus Heinrich, einer der Hauptredner der Konferenz, wartete mit Fakten und Statistiken zu mySAP Supply Chain Management (mySAP SCM) auf. Heinrich ist Mitautor des 2003 erschienenen Buches “Adapt or Die: Transforming Your Supply Chain into an Adaptive Business Network”.
Heinrich nahm in seinem Vortrag Bezug auf die Studie “PRTM/SAP Benchmarking Study 2002-2003: Supply Chain Planning”, die im Herbst 2003 von SAP in Auftrag gegeben und von PRTM, einem globalen Management-Beratungsunternehmen, durchgeführt wurde. Laut dieser Studie erzielen Unternehmen, die sich einer SAP-Lösung bedienen, einen Nettogewinn, der 75 Prozent höher ist als der Marktdurchschnitt. Die Gewinnspanne liegt bei diesen Unternehmen bei etwa 14 Prozent, der Marktdurchschnitt hat nur eine Gewinnspanne von acht Prozent.
Zudem ist bei den Anwendern der SAP-Lösung der Lagerbestand im Schnitt um 40 Prozent geringer und die Cash-to-Cash-Zyklen um 45 Prozent kürzer. Die dadurch erzielte Kosteneinsparung liegt bei 63 Prozent, das entspricht einer Ertragssteigerung von 1,7 Prozent. Heinrich äußerte auf der Veranstaltung seine Überzeugung, mySAP SCM sei auf dem Weg, eine Mainstream-Software zu werden, da sie messbare Wettbewerbsvorteile bietet.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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