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Die neue BI – mehr als Auswertungen und Analysen

1. Juli 2013 von Barbara Gmeiner 0

Analyseverfahren gewinnen derzeit eine völlig neue Qualität. Das gibt den Unternehmen zahlreiche Chancen, verlangt aber auch organisatorische Anpassung. So Frank Harter, Leiter Vertrieb Business Analytics bei SAP Deutschland.
Das Thema Big Data und die neuen Analysemöglichkeiten bewegen Unternehmen und IT-Branche gleichermaßen. Fachleute sprechen bereits von einer Revolution bei den Entscheidungsprozessen in Unternehmen. Wie ist Ihre Einschätzung?

Harter: Nun, ich würde nicht von einer Revolution sprechen, sondern von bahnbrechenden Entwicklungen, die sich derzeit in Unternehmen abzeichnen. Es geht heute darum, die smarten Daten aus Big Data herauszufiltern und somit die Dynamik in Unternehmen frühzeitig zu erkennen und besser zu verstehen. Ich vergleiche das mit der Schiffsnavigation, wo heute GPS-Systeme den eigenen Standort genau kennen und den richtigen Kurs vorgeben. Ähnlich sehe ich auch die Aufgabe der Analytik im großen „Big-Data-Meer“.

Was heißt das für Unternehmen – technisch wie organisatorisch?

Harter: Unternehmen sollten ihre Abteilungen darauf neu ausrichten und eine Form von „Smart Data“-Informationsstrategie erarbeiten. Einheitliche Kennzahlen zu definieren ist zum Beispiel ein wichtiger Punkt. Jeder Fachbereich legt zwei oder drei KPIs fest, an denen die Fachbereichsperformance gemessen werden kann. Zudem ist eine unternehmensübergreifende, übergeordnete Kennzahleninfrastruktur unerlässlich. Im zweiten Schritt kommt es dann darauf an, die Unternehmensstrategie mit den Kennzahlen abzugleichen: Messen wir die richtigen Werte? Wie können wir Veränderungen im Markt schnell erkennen und darauf reagieren?

Welche Unterstützung leistet SAP bei diesem Transformationsprozess?

Harter: Wir begleiten unsere Kunden auf drei Ebenen zum „Netzwerk der Wahrheit“, wie wir es nennen. Zum Ersten stellen wir eine Echtzeitdatenplattform zur Verfügung, die alle analytischen und transaktionalen Daten liefert – in sich stimmig, aktuell und somit vertrauenswürdig. Zweitens unterstützen wir dabei, diese Daten für die Anwender visuell zu optimieren, sodass sie leicht zu konsumieren sind und jeder Mitarbeiter seinen Beitrag in der Informationserstellung leisten kann. Das ist sozusagen ein Geben und Nehmen. Und drittens helfen wir, Daten als strategische Ressource im Unternehmen zu begreifen, sodass eine Form von Informationskultur entsteht, die Wissen teilt.

Mit welchen Lösungen ist SAP hier schon auf dem Markt?

Harter:  Zusätzlich zu unseren bekannten Reportinglösungen haben wir in der letzten Zeit zahlreiche neue Produkte an den Markt gebracht – Lösungen für das Selfservicereporting, mobile Analyseanwendungen, In-memory-Anwendungen auf Basis der Echtzeitdatenbank SAP HANA. Als Beispiel nenne ich die Software SAP Lumira zur Visualisierung von großen Datenmengen. Was das Thema Vorhersagen und Prognosen sowie Data Mining betrifft, bieten wir seit Kurzem die Software SAP Predictive Analysis an. Hiermit lassen sich Trends analysieren bzw. Aussagen zu künftigen Entwicklungen treffen. Im Bereich Business Warehouse haben wir vor Kurzem das SAP BusinessObjects Design Studio und die Software SAP BusinessObjects Analysis in der Edition für Microsoft Office an den Start gebracht.

Wie schätzen Sie die unterschiedlichen Bereitstellungsmodelle ein? Entscheiden sich Unternehmen eher konservativ für „on Premise“,  oder geht es auch bei BI in Richtung Cloud?

Harter: Beide Modelle haben ihre Berechtigung. Der Trend geht dahin, On-Premise-Komponenten fit für die Cloud zu machen. Gerade bei Abfragen, wo die Datenquelle so oder so im Internet liegt, bieten sich Analyselösungen aus der Cloud an, beispielsweise für soziale Netzwerke. Hier kommt es auch nicht auf die Unternehmensgröße an.

Gibt es bereits SAP-Kunden, die erste Erfahrungen mit dieser „neuen BI“ gemacht haben?

Harter: Ja, hier möchte ich einen Kunden nennen, der seine Informationsarchitektur von der Umstellung des Business Warehouse auf SAP-HANA-Technologie bis zu Selfserviceanalysen für den Endanwender renoviert hat. Die Papierfabrik August Köhler führt bereits In-Memory-Analysen durch und ist sehr zufrieden.

Abschließende Frage: Wie sieht Ihrer Meinung nach Business Intelligence im Jahr 2020 aus?

Harter: Ich denke, das Thema Analytik wird die kommenden Jahre bestimmen. Ich erwarte noch intuitivere Lösungen. Visualisierung verschafft Anwendern ein leichteres Verständnis von großen Datenmengen. Auch bei mobilen Analysen sehe ich einen weiteren Zuwachs. Zudem erwarte ich eine Art Hybridmodell zu „Augmented Reality“. Die Datenbrille Google Glass gibt hier einen ersten Fingerzeig, wohin die Reise geht: situativ Informationen kontextbezogen einzublenden, zum Beispiel beim Kundenbesuch. Ich bin überzeugt, bessere Zusammenhänge aus Daten zu gewinnen wird künftig sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld völlig normal sein. Denn die stetig wachsende Anzahl internetfähiger Geräte erzeugt immer mehr Daten – und damit auch den Wunsch, diese Informationsflut zu kanalisieren. Das sollte in Zukunft zunehmend spielerischer, auf eine leicht zu konsumierende Weise möglich sein.

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