Die Process-Mining-Profis

20. Dezember 2013 von Jacqueline Prause 0

Bild: Celonis / grasundsterne

Die Celonis-Gründer Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke (v.l.). (Bild: Celonis / grasundsterne)

Wie lässt sich aus Datenmengen konkreter geschäftlicher Nutzen für das Unternehmen ziehen? Die Antwort auf diese Frage sehen viele IT-Verantwortliche in Process-Mining-Lösungen auf SAP HANA. Celonis, ein junges, schnell wachsendes Unternehmen, ist genau darauf spezialisiert. Die Lösungen, die Celonis bei SAP-Kunden implementiert, filtern Daten aus den IT-Systemen und analysierensie. Ereignisprotokolle aus den Systemen liefern Einblicke in die Prozesse.

Die Process-Mining-Lösung von Celonis basiert auf der In-Memory-Technologie SAP HANA und ermöglicht großen Unternehmen eine ganzheitliche Sicht auf ihre Geschäftsprozesse. In einer Detailansicht einzelner Vorgänge lassen sich Engpässe und ineffiziente Schritte sichtbar machen– und in Echtzeit beseitigen.

Bei tausenden SAP-Anwendern geht der Überblick verloren

„IT-Prozesse sind in einem Unternehmen allgegenwärtig“, so Alexander Rinke, Mitbegründer von Celonis. Er verweist darauf, dass gerade in Großunternehmen die Lösungen von SAP großflächig zum Einsatz kommen. Ein Kunde von Celonis beschäftigt allein in seiner Buchhaltungsabteilung 3.000 Mitarbeiter, die dank SAP-Software effizienter arbeiten können. „Das ist jedoch auch mit etlichen Nachteilen verbunden. Bei mehreren Tausend Benutzern ist es schier unmöglich, den Überblick darüber zu behalten, was tatsächlich passiert. Unser Ziel ist es, für mehr Transparenz zu sorgen.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie ein Startup seine ersten Großkunden gewann

Celonis ist vor zweieinhalb Jahren aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität München entstanden.  Dass Big-Data-Technologie seither mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, hat das Geschäft rasch Fahrt aufnehmen lassen.

Die Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk hatten sich während des Studiums an der TU München mit einfachen Prozessdaten befasst, die das Verhalten von IT-Systemen aufzeichnen und beispielsweise in Änderungstabellen gespeichert werden. Indem sie verschiedenen Algorithmen auf diese Daten anwandten, gewannen sie neue Erkenntnisse über die Performance der zugrunde liegenden Geschäftsprozesse. Schon nach kurzer Zeit hatte das Startup-Unternehmen mit dem Bayerischen Rundfunk seinen ersten großen Kunden. Als das Thema Big Data sich zu einem wichtigen Trend der IT-Branche entwickelte, nahm auch das Interesse der Kunden schnell zu. Auch ohne Starthilfe in Form von Risikokapital wurde Celonis so erfolgreich, dass es sein ambitioniertes Ziel von 400 Prozent Wachstum pro Jahr aller Voraussicht nach erreichen wird. „Das Bemerkenswerte an unserem Unternehmen ist, dass wir in erster Linie von unserem Kunden angetrieben wurden. Somit sind wir auf Wachstum gepolt“, erzählt Rinke.

Bayer, Siemens und Fiducia nutzen Process Mining von Celonis

Als hilfreich für Celonis erweist sich, dass zufriedene Kunden öffentlich von ihren Erfahrungen berichten. Der Bayerische Rundfunk, seinerzeit erster Kunde, wurde für sein Celonis-System mit verschiedenen Preisen wie dem Service Globe 2012 und dem IT Service Desk Award ausgezeichnet. Auch andere Kunden wie die Bayer AG, die Siemens AG und Fiducia, einer der größten IT-Dienstleister Deutschlands, haben der Process-Mining-Lösung von Celonis großes Potenzial für Wertschöpfung bescheinigt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Förderinitiative bringt Celonis ins Silicon Valley

Der rasante Erfolg bei Kunden führte dazu, dass Celonis unter einer großen Zahl an Bewerbern für den German Silicon Valley Accelerator ausgewählt wurde. Diese Initiative verfolgt das Ziel, jungen Unternehmen zu einem erfolgreichen Start im Silicon Valley zu verhelfen. 2013 eröffnete Celonis eine Niederlassung im kalifornischen Sunnyvale, in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Branchenanbietern und vielen seiner internationalen Kunden.

„Wir sind bereit, unsere Lösungen auch bei den Fortune-500-Unternehmen zum Einsatz zu bringen“, so Rinke. „Mit Process Mining verfügen wir über eine Spitzentechnologie, und dank eines großartigen Teams sind wir auch in der Lage, diese Technologie bei den Kunden zu implementieren.“

Die meisten Kunden von Celonis sind große Konzerne: „Process Mining wird vor allem dann attraktiv, wenn man über große Datenmengen verfügt“, bestätigt Rinke.

Schwerpunkt auf digitalen Prozessen wie Beschaffung und Bestellungen

Schwerpunkt von Celonis sind digitale Prozesse mit bedeutenden wirtschaftlichen Auswirkungen. Hierzu gehören beispielsweise Beschaffung, Bestellabwicklung, Lieferantenmanagement und IT-Services, bei denen in der Regel ein Mitarbeiter aktiv werden und mit dem System interagieren muss, bevor der nächste Schritt durchgeführt werden kann. „In den wenigsten Unternehmen kann eine Bestellung oder Anfrage vollständig automatisch abgewickelt werden“, führt Rinke aus. „Für bestimmte Schritte werden qualifizierte Mitarbeiter benötigt, wodurch Kosten entstehen.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Kunde senkt mit Celonis IT-Kosten um 30 Prozent

Große Erfolge konnte Celonis unter anderem in den Bereichen Rechnungswesen und Compliance über große Systemlandschaften hinweg verzeichnen. Führende Pharmaunternehmen wie Bayer nutzen die Technologie von Celonis, um Daten aus mehr als zwanzig SAP-Systemen zu erfassen und zu analysieren. Auch für IT-Serviceprozesse ist die Process-Mining-Technologie von Celonis geeignet. Ein Kunde konnte seine IT-Kosten dank der Celonis-Lösung um ganze 30 Prozent senken.

Wichtige Marktanteile hat sich das Unternehmen außerdem im Gesundheitswesen erobert. Die Celonis-Lösungen für das Krankenhausmanagement wurden mit dem DVKC-Innovationspreis 2013 ausgezeichnet. Kliniken stellen eine ideale Umgebung für den Einsatz von Process-Mining-Lösungen dar, denn die Arbeit von Chirurgen, Klinikverwaltung und Controllern bei der Versorgung von Patienten erfordert ein hohes Maß an Transparenz und den Überblick über viele komplexe, parallel ablaufende Prozesse. Auch bei den Finanzprozessen eines Krankenhauses, beispielsweise der Abrechnung und der Verbuchung von Zahlungseingängen, gibt es etliche Herausforderungen zu bewältigen. Ein Kunde kann dank der Lösung von Celonis Rechnungen nicht erst zwanzig, sondern fünf Tage nach der Behandlung erstellen.

Engpässe im Customer Relationship Management (CRM) vermeiden

Im Customer Relationship Management (CRM) können Engpässe langwierige Abläufe nach sich ziehen und die Ertragskraft eines Unternehmens schmälern. Bei der Genehmigung von Angeboten kommt es besonders häufig zu Engpässen. Rinke erläutert, dass Celonis Unternehmen in diesem Bereich durch eine Analyse der Lead-to-Order-Prozesse in Verbindung mit der Bestellabwicklung optimal unterstützen kann. Prozesse parallel zu betrachten könne die Identifizierung von Stellen enorm erleichtern, an denen eventuell Engpässe auftreten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: SAP HANA erlaubt Entwicklung hoch skalierbarer Plattformen

SAP HANA trug maßgeblich zum Erfolg von Celonis bei. Seit 2012 nutzt das Startup-Unternehmen die In-Memory-Technologie von SAP für die Produktentwicklung. Nach Einschätzung von Rinke sind es vor allem zwei Vorteile, die SAP HANA von anderen Technologien abheben: „Zum einen können wir auf Basis von SAP HANA eine sehr skalierbare Plattform für große Fortune-500-Kunden entwickeln. SAP HANA ist die leistungsstärkste und kostengünstigste Lösung dafür. Der hohe Kostenaufwand für andere Datenbanken entfällt“, so Rinke.

„Zum anderen ermöglicht SAP HANA eine optimale Datenintegration. Unternehmen mit SAP-Software sind derzeit unser mit Abstand größter Markt, doch SAP unterscheidet sich in einer Hinsicht von vielen anderen IT-Systemen für das Workflow-Management: Der Zugriff auf Daten ist relativ kompliziert, und in einem SAP-System sind in der Regel riesige Datenmengen gespeichert.“

Mehr als 650 Unternehmen im SAP-Startup-Focus-Programm

Celonis ist Teilnehmer des SAP-Startup-Focus-Programms, das Startup-Unternehmen bei der Entwicklung neuer Anwendungen auf der Basis von SAP HANA unterstützt. Durch die Optimierung von Analysen, Planungsprozessen, Vorhersagemodellen und Stimmungsanalysen ermöglicht die Datenbankplattform von SAP, Geschäftsprozesse in Echtzeit auszuführen. Das SAP-Startup-Focus-Programm soll junge Unternehmen unterstützen, die neue Lösungen für die Verarbeitung großer Datenmengen, die Erstellung von Vorhersagemodellen und Echtzeitanalysen entwickeln. Bereits über 650 Startups haben erfolgreich an dem Programm teilgenommen und auf der Grundlage von SAP HANA Lösungsszenarien für unterschiedlichste Bereiche wie Computerspiele, den Einzelhandel, das Finanzwesen und die Fertigungsindustrie entwickelt.

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