Meine Rolle als CIO

Feature | 22. Oktober 2012 von Jacqueline Prause 0

Michael Kranz, CIO der ThyssenKrupp Steel Europe

SAP.info: Im Jahr 2010 wurden Sie vom CIO-Magazin für die Top-10-CIOs des Jahres nominiert, basierend auf Ihrem Projektbericht zur Service orientierten IT, die die Erreichung der Unternehmensziele besser unterstützt. Hat sich die Rolle des CIO Ihren Beobachtungen nach in den letzten zehn Jahren verändert?

Michael Kranz: Meiner Auffassung nach bestand die Aufgabe des CIO stets darin, die Brücke zwischen kaufmännischem Bereich und IT zu schlagen. Wenn das gut gelingt, dann findet man Lösungen, die das Geschäftsergebnis verbessern. So verstehe ich die Aufgabe eines CIO. Ob sie sich in den letzten zehn Jahren geändert hat? Meine persönliche Meinung ist: Nein.

Welche Technologien halten Sie als IT-Strategieverantwortliche bei ThyssenKrupp Steel Europe für besonders wichtig?

Eine wichtige Schlüsseltechnologie ist das Handling von Big Data. Die SAP hat hier natürlich ein Produkt namens HANA, aber auch andere Technologien werden angeboten. Es geht darum, aus Daten Informationen zu gewinnen, und zwar jeweils für die richtige Unternehmensebene.

Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass man in einem Meeting nicht nur eine Microsoft-PowerPoint-Präsentation zeigt, sondern auf einem interaktiven Bildschirm auch Fragen oder Daten eingibt und sofort Echtzeitergebnisse zurückerhält. Je nachdem, wie diese Ergebnisse aussehen, könnte das System auch gleich anzeigen, welche weiteren Bereiche vorsorglich geprüft werden sollten. Auf diese Weise werden wir künftig dynamischere Online-Meetings haben, die uns beschleunigte Möglichkeiten bieten, sinnvolle und präzise Entscheidungen zu treffen.

Ein weiteres Thema sind umfassende Collaboration-Lösungen – wie können wir unseren Mitarbeitern bessere Kommunikationsmöglichkeiten bieten als nur E-Mails? Ich trete hier nicht für das E-Mail-freie Unternehmen ein. Das ist in meinen Augen nicht realistisch. Denkbar ist aber, für bestimmte Zwecke Kombinationen aus verschiedenen Collaboration-Lösungen anzubieten, die dann nahtlos integriert rund um die Welt lokal oder mobil zur Verfügung stehen.

Im Jahr 2008 haben Sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit anderen CIOs Ihrem Unmut über den Service der SAP Luft gemacht. Welche Veränderungen haben Sie seither aus Walldorf registriert?

Der Vorstoß von 2008 hat gezeigt, wie stark eine CIO-Community Einfluss nehmen kann. Damals gab es keine andere Möglichkeit, der SAP zu vermitteln, was die Kunden wirklich brauchen. Glücklicherweise hat die SAP daraus gelernt und sich in die richtige Richtung verändert. Wir haben hier eine gute Zusammenarbeit und eine gute Beziehung zur Deutschen SAP User Group (DSAG). Wir haben dort einen CIO-Beirat eingerichtet, der beim SAP-Management hohe Anerkennung genießt. Die Kommunikation klappt, würde ich sagen.

Zu Beginn meiner Tätigkeit bei meinem früheren Arbeitgeber hatte ich angefangen, mit der IBU SAP for Industrial Machinery & Components zu arbeiten. Von daher kenne ich die Executive Advisory Councils von SAP, die sich sehr gut als Plattform eignen, um die SAP mit ihren Kunden zusammenzubringen. Ich schätze die fachliche Zusammenarbeit mit der SAP. Wie überall gibt es manchmal Probleme, und dann hilft diese enge Anbindung, am Ende eine Win-Win-Lösung zu erreichen.

Weiter auf Seite 2: Was die Spannungen in der Eurozone mit den IT-Investitionen zu tun haben

Talent Management ist für viele Unternehmen zurzeit ein Schlüsselproblem. Dr. Rainer Strack, HR-Experte der Boston Consulting Group, hat uns berichtet, dass es Deutschland im weltweiten Kampf um Fachkräfte besonders schwer haben wird, da der Personalbestand zwischen 2020 und 2030 jedes Jahr um rund 1,2 Prozent sinken wird (siehe Die Recruiting-Krise). Haben Sie dieses Thema auch auf dem Schirm? Wie bereiten Sie sich als CIO auf den bevorstehenden Fachkräftemangel vor?

Dieses Thema fällt in einen Arbeitsbereich des übergreifenden IT-Teams, das wir bei ThyssenKrupp Steel Europe haben. Dieses Gremium setzt sich aus IT-Mitarbeitern, Personalverantwortlichen und Vertretern der Geschäftsbereiche zusammen. Wir werden dort einige Szenarien durchspielen und Wege diskutieren, wie diese neuen Herausforderungen bewältigt werden können. Wir werden sehr strukturiert vorgehen, um zum Beispiel sicherzustellen, dass die berufliche Weiterentwicklung, die wir bei den jährlichen Mitarbeitergesprächen vorschlagen, beidem entspricht: den Bedürfnissen des Unternehmens und den persönlichen Vorstellungen jedes Einzelnen.

Wenn wir begriffen haben, dass weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen werden, dann müssen wir uns bei der Personalbeschaffung auf diese Situation einstellen und dafür sorgen, dass wir Leute im Unternehmen haben, die – und hier schließt sich für mich der Kreis – das Spannungsfeld zwischen kaufmännischem Bereich und IT verstehen. Ich halte dies für eine Kernkompetenz, über die die IT verfügen muss.

Die aktuelle Lage ist von globalen Unwägbarkeiten und Spannungen in der Eurozone geprägt. Welche Schwerpunkte werden Sie vor diesem Hintergrund in den nächsten ein bis drei Jahren bei Ihren IT-Investitionen setzen?

Unsere IT-Investitionen werden hauptsächlich in zwei Bereichen getätigt werden. Der eine ist die Modernisierung der Infrastruktur – eine unserer strategischen Aufgaben auf der Ebene des Gesamtkonzerns ThyssenKrupp AG. Der andere Bereich heißt „Daten- und Prozessharmonisierung“ und ist natürlich wichtiger, setzt jedoch die Investitionen in die Infrastruktur als Grundlage voraus. Wir wollen unsere Geschäftsprozesse mit einer maßgeschneiderten IT-Lösung weiterentwickeln und vervollkommnen, und zwar vor allem in den Kernbereichen Order-to-Cash und Purchase-to-Pay. Damit wollen wir ThyssenKrupp Steel Europe in den nächsten ein bis drei Jahren in die Lage versetzen, weitere Fortschritte zu erzielen. Die Hauptinvestitionen werden also auf diese beiden Bereiche entfallen.

Was für ein Mobilgerät haben Sie?

Michael Kranz (lächelt): Das ist eine gute Frage. Zurzeit habe ich zwei. Ich halte mein berufliches und mein privates Gerät getrennt. Viele Leute bevorzugen ein Gerät für beides, aber ich persönlich mag es nicht, alles zu vermischen. Daher habe ich privat ein Apple iPhone und geschäftlich ein Blackberry.

Konzernweit verfolgen wir als Unternehmen keine „Bring-Your-Own-Device“-Strategie, sondern wollen eine breitere, gleichzeitig jedoch standardisierte und sichere Plattform zur Verfügung stellen. SAP-Lösungen wie Afaria und SUP können uns dabei helfen, dieses neue Portfolio abzudecken.

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