Die Wirtschaft in Ost und West als Ganzes betrachten

Feature | 22. Mai 2006 von admin 0

Siow Wee Loong

Siow Wee Loong

Welche SAP-Lösungen sind bei Ihren Kunden in den ASEAN-Ländern besonders gefragt?

Loong: SAP NetWeaver findet in allen Branchen großen Anklang, während SAP Manufacturing eher der Produktionsindustrie zusagt. Die Nachfrage nach mySAP ERP ist insbesondere in Thailand und Indonesien enorm gewachsen – die Kunden dort haben einen echten Bedarf an Lösungen dieser Art.

Wer sind Ihre Kunden und was erwarten sie?

Loong: Die Mehrzahl unserer SAP-Kunden sind globale und multinationale Unternehmen. Aber auch lokale Unternehmen erkennen zunehmend, wie wichtig die Investition in eine Technologielösung ist. Im Mittelpunkt des Interesses stehen gegenwärtig Application Management, SAP NetWeaver sowie die länderübergreifende Umsetzung und Erweiterung der Technologieanforderungen.

Welche Unterschiede in der Geschäftspraxis müssen in den asiatischen Ländern beachtet werden?

Loong: Im Allgemeinen ist es wichtig, dass ein lokaler Mitarbeiter oder Partner die Verhandlungen leitet, da er die Kunden genauer kennt und ein besseres Gefühl für ihre Bedürfnisse besitzt. Wir haben außerdem festgestellt, dass insbesondere bei lokalen Unternehmen in Thailand die Vertrags- und Preisverhandlungen normalerweise direkt mit dem Eigentümer des Unternehmens stattfinden. Darüber hinaus gilt in den meisten ASEAN-Ländern mit Ausnahme von Singapur, dass eine gute Beziehung zum Kunden oftmals ausschlaggebend für den erfolgreichen Geschäftsabschluss ist.

In Asien ist es also üblich, dass die Firmenchefs direkt miteinander verhandeln. Tragen Vertriebsmitarbeiter beispielsweise weniger Verantwortung bei der Durchführung von IT-Projekten?

Loong: Ein entscheidender Erfolgsfaktor eines jeden Projekts ist die Einbeziehung der Mitarbeiter auf allen Ebenen. In jedem Fall ist es Aufgabe der Firmenchefs, die Richtung vorzugeben und den Zweck des IT-Projekts auf der Basis der Unternehmensanforderungen zu definieren. Wenn es aber um die Implementierung und Nutzung geht, so sollten alle Mitarbeiter einbezogen werden, die Berührungspunkte mit der neuen Lösung haben. Auf diese Weise stellt man sicher, dass die Lösung die Arbeitsprozesse dieser Mitarbeiter wirklich unterstützt und von ihnen effizient genutzt werden kann.

In welcher Hinsicht übernimmt Singapur in Asien eine Brückenfunktion?

Loong: Singapur ist sicherlich ein Schlüsselmarkt Asiens, auf dem viele multinationale Unternehmen ihre Geschäftsstelle für die Region betreiben. Auf dieser relativ kleinen Insel werden täglich Tausende Geschäfte abgewickelt und Entscheidungen getroffen. Singapur genießt außerdem große Anerkennung als Wirtschaftsstandort und kann als Brücke nicht nur innerhalb von Asien, sondern auch für die USA, Europa und Japan dienen.

Wie wird Ihr Unternehmen zum Erfolg der Olympischen Spiele 2008 in Peking beitragen?

Loong: Atos Origin ist gegenwärtig weltweiter IT-Partner und der primäre Systemintegrator für die Olympischen Spiele. Dieses Projekt umfasst Konzeption, Entwicklung, Test und Implementierung aller Softwareanwendungen, die für die Verwaltung der Abläufe bei den Olympischen Spielen und die Bereitstellung von Informationen über die Wettkämpfe, Sportler und Veranstaltungen relevant sind. Das Internationale Olympische Komitee möchte Kosten, Größe und Komplexität der Spiele überwachen. Ein Ziel der Systemimplementierung besteht beispielsweise darin, minimale Kosten bei minimalem Risiko zu erreichen. Durch extensive Wiederverwendung von Daten, die systematische Wissenserfassung und die Integrationspraktiken von Best-of-Breed-Systemen konnte Atos Origin dieses Ziel erreichen.

Die Vorbereitung der Olympischen Spiele in Peking vor Ort begann bereits im Jahr 2003. Der Vorsprung von fünf Jahren gibt Atos Origin, dem Beijing Organising Committee for the Olympic Games (BOCOG) und den übrigen Sponsoren genügend Zeit für Tests und Prüfläufe. Wie akribisch wir testen, können Sie am Beispiel unseres Testprogramms für die Olympischen Winterspiele in Turin 2006 sehen. Am 7. November 2005 schloss Atos Origin den ersten von insgesamt zwei technischen Prüfläufen ab, der IT-, Kommunikations-, Sport- und Sicherheitssysteme umfasste. Innerhalb einer Woche wurden rund 292 verschiedene Szenarios getestet. Angeleitet von Atos Origin und dem Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in Turin 2006 arbeiteten etwa 200 IT-Experten unter den realen Bedingungen der Wettkämpfe.

Welche Ressourcen werden Sie für die Spiele in Peking benötigen?

Loong: Im Jahr 2008 werden rund 350 Mitarbeiter von Atos Origin und 3.000 IT-Mitarbeiter für die Olympischen Spiele in Peking arbeiten.

Wo wird Ihr Unternehmen in zehn Jahren sein?

Loong: Wir haben die Vision, zum größten europäischen Unternehmen für Beratung und IT-Dienstleistungen zu werden. Wir sehen insbesondere in Indien und China ein großes Wachstumspotenzial. In beiden Ländern möchten wir unsere Aktivitäten verdoppeln oder verdreifachen.

Wann wird der asiatisch-pazifische Raum die Nummer Eins in Sachen Technologieverbreitung und wirtschaftlicher Entwicklung sein?

Loong: Es stellt sich nicht die Frage, wann der Ferne Osten oder die asiatisch-pazifische Region den Rest der Welt anführt, sondern vielmehr, wie schnell die gesamte globale Wirtschaft die Unternehmen in diesen Regionen integrieren wird – mit dem Fortschritt der Informations- und Kommunikationstechnologie ist die Welt auf jeden Fall kleiner geworden.

Die Technologie- und Wirtschaftsentwicklung in der Region Asien-Pazifik liegt schon jetzt über der durchschnittlichen globalen Wachstumsrate. Geschäfte werden zunehmend global abgewickelt. Es bestehen wirtschaftliche Verknüpfungen und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Ländern. Ideen aus jedem Teil der Welt können quer über alle Länder von den besten Köpfen der Welt gemeinsam weiterentwickelt werden. Anschließend lassen sie sich im kostengünstigsten Land in ein Produkt umsetzen und in einem hoch entwickelten Land einführen und testen – und schließlich der ganzen Welt präsentieren. Daher ist es heute nicht mehr angebracht, danach zu fragen, ob bei der technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung Ost oder West die Nase vorn hat.

Leave a Reply